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Kamp-Lintfort
Seniorenzentrum vor Generationswechsel

Kamp-Lintfort: Seniorenzentrum vor Generationswechsel
Peter Hewing leitet seit 2013 das Awo-Seniorenheim an der Markgrafenstraße in Kamp-Lintfort. Die Einrichtung besteht seit 40 Jahren. FOTO: Koopmann
Kamp-Lintfort. Vor 40 Jahren bezogen die ersten Bewohner das Gebäude an der Markgrafenstraße. Es stehen viele Neuerungen an. Von Peter Gottschlich

Im Sommer 1976 zogen die ersten Bewohner ins Awo-Seniorenzentrum an der Markgrafenstraße ein. Kürzlich wurde der 40. Geburtstag gefeiert. Doch Peter Hewing blickt nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft. "In den nächsten Jahren stehen einige Neuerungen an", sagt der Leiter des Awo-Seniorenzentrums. "Die haben wir im Team zu meistern."

Die erste Neuerung ist das Personal. "1976 hat der Bezirksverband mit jungen Mitarbeiterinnen angefangen", sagt der 58-jährige Soziologe, der von 2004 bis 2013 das Awo-Seniorenzentrum in Schwafheim leitete, um dann nach Kamp-Lintfort zu wechseln. "Jetzt ehren wir die ersten Mitarbeiterinnen für 40 Jahre Betriebszugehörigkeit. Es beginnt ein Generationswechsel. Viele gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Vier anstrengende Jahrzehnte haben sie hinter sich."

Neue Pflegekräfte zu finden, die die 85 Bewohner versorgen, ist nicht leicht. "Mittlerweile ist der Fachkräftemangel in Kamp-Lintfort angekommen", berichtet der Leiter. "Die geburtenschwachen Jahrgänge, die es nach der Wiedervereinigung gab, kommen jetzt auf den Ausbildungsmarkt. Da ist es nicht leicht, genügend Auszubildende zu finden, die passen. Dabei gibt es nichts Schöneres, als mit Menschen zu arbeiten." Die zukünftigen Altenpfleger sollen nicht nur pflegerisches Talent mitbringen, sondern auch die humanistischen Werte der Arbeiterwohlfahrt verkörpern, wie Solidarität, Gerechtigkeit oder Freiheit, die den anderen nicht einschränkt.

Die zweite Neuerung sind die Gebäude. Zwar wurde das terrassenförmige Hauptgebäude von 2000 bis 2002 entkernt, saniert und auf Einzelzimmer umgestellt, doch stehen zwei Veränderungen an. Zum einen fällt der Versammlungsraum weg, der im südlichen Zipfel der Bunten Riesen liegt und mit dem Awo-Gebäude über eine geschlossene Brücke zu erreichen ist. "Der Raum ist 250 Quadratmeter groß", berichtet Peter Hewing. "Dort finden zum Beispiel Feiern statt. Zusammen mit der Stadt suchen wir nach einer Lösung. Ab Anfang 2017 werden die Bunten Riesen Stück für Stück abgerissen." Auf einem Teil des Areals, das dann frei wird, will der Awo-Kreisverband seniorengerechte Wohnung bauen lassen. Die Bewohner können dort individuelle Pflegeangebote auswählen. "Die Betreuung übernimmt aber nicht das Seniorenzentrum, weil es das rechtlich nicht darf", sagt der Leiter.

Eine dritte Neuerung ist das Angebot. "Wir wollen uns stärker für den Stadtteil öffnen", betont Peter Hewing. Auch unternehmen die 85 Bewohner mehr Exkursionen in die nähere Umgebung als früher. Die Mitarbeiter besuchen öfter die Angehörigen der Bewohner. "Es gibt Familien, in denen der Sohn 30 Jahre keinen Kontakt zu seinem Vater hatte oder die Tochter 30 Jahre keinen Kontakt zu ihrer Mutter", sagt der Leiter. Außerdem hält das Seniorenzentrum Beratungsangebote Kurse für die pflegenden Angehörigen vor. "Einige Angehörige geraten in eine Krise, wenn Mutter oder Vater in ein Pflegeheim kommen", weiß der Soziologe. "Es ist ja ein Abschiednehmen."

Quelle: RP
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