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Mettmann
Eine Baustelle als Ausflugsziel

Mettmann: Eine Baustelle als Ausflugsziel
Viele Mettmanner nutzen die Aussichtsplattform mit den Skizzen am Lavalplatz, um das Baugeschehen am Königshof zu beobachten. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Die Großbaustelle am Königshof in Mettmann ist Anziehungspunkt für Neugierige: Viele Menschen bleiben stehen und beobachten die Arbeiten. Für kleinere Gruppen werden sogar Führungen angeboten. Von Lars Mader

Die riesenhaften Baukräne über der Baustelle am Königshof drehen sich dieser Tage dynamisch wie ein Maschinenballett. Dazu dröhnt das Orchester der Bohrmaschinen bis hinein in die Mettmanner Oberstadt. "Wer da noch den Überblick hat? Das ist schon fantastisch", staunt Ilse Kölzer. Warm eingepackt bleibt die ältere Dame auf dem Rückweg vom Einkauf ein paar Minuten an der Aussichtsplattform am Lavalplatz stehen und sieht den fleißigen Handwerkern bei der Arbeit zu: "Ich bin glücklich, dass echte Geschäfte entstehen, und finde das prima." Seit der Schließung von Karstadt gebe es ein mangelhaftes Warenangebot in der Stadt, findet Kölzer. Und nicht nur deshalb ist die Baustelle derzeit Anziehungspunkt für viele Neugierige. Baustelen-Spotting als Freizeitbeschäftigung.

Soll-Zustand bestaunen

Der Mettmanner Bauverein hat als Bauherr des Kö-Karrees am Aussichtspunkt, wie auch am Bauzaun, computergenerierte Bilder vom zukünftigen Soll-Zustand installiert. Dort bleiben viele Menschen stehen, auch jüngere sind dabei. Der typische Baustellenbeobachter gehört zur silbernen Generation und ist bereits im Rentenalter. Baustellen erlebbar zu machen, ist heute anderswo ein eigener Tourismuszweig. In Deutschland sind derzeit die Hamburger Elbphilharmonie und der Berliner Flughafen Schönefeld Ausflugsbaustellen. Auch die Stadt Düsseldorf bietet Touren entlang der entstehenden Wehrhahn-U-Bahnlinie an.

In Mettmann scheint man hingegen die Muße der Distanz zu schätzen. "Gut ist, dass die Informationstafeln Auskunft geben über die Zielsetzung und darüber, wie es werden soll. Ich fühle mich ausreichend informiert", äußert sich Passant Hans Streichbier zufrieden: "Auf dem Weg in die Stadt schaue ich mir den Baufortschritt kurz an. Aber im Sommer haben die Leute hier gesessen und dem Bau zugeschaut." Hautnah erlebbar wird das Werken bei einem Gang über den Fußgängerstichweg, der quer über die Baustelle führt. Dort ist man keinen Meter vom nächsten Polier entfernt. "Bei Interesse würden wir auch kleineren Gruppen eine Führung über die Baustelle der Kö-Galerie anbieten", sagt Stephan Schnitzler, der für die Phoenix development GmbH den Bau der Kö-Galerie verantwortet. Weitere Infos unter Tel. 0228 8128730.

Video im Internet

Christoph Erven vom Mettmanner Bauverein schränkt die Führungen für das Kö-Karree etwas ein und möchte Interessenten lieber um den Bau herumführen: "Ein direktes Betreten der Baustelle beinhaltet nach unserem Dafürhalten für Besucher ein zu großes Restrisiko, selbst mit Sicherheitsschuhen und Helm. Wir freuen uns jedenfalls, dass unsere Videodokumentationen so viele Klicks im Internet bekommen haben." Von der Stadt hat er unlängst Bildmaterial zur Kö-Galerie und vom neuen Treppenaufgang zum Lavalplatz erhalten, das in den nächsten zehn Tagen auf den Präsentationstafeln der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Zum ersten Mal überhaupt von den Neubauten gehört haben Hans-Ulrich und Herta Klein. Die Wülfrather sind zum Einkaufen nach Mettmann gekommen. Auch sie freuen sich, dass neue Läden entstehen, wünschen dem Projekt alles Gute und versprechen: "Zur Eröffnung sind wir dabei."

Erleichtert über die in Fahrt gekommenen Arbeiten zeigt sich eine Anwohnerin, die vom Balkon aus immer wieder stockende Bautätigkeit beobachtet hat: "Ich dachte schon, dass das die Akropolis von Mettmann bleiben wird."

Quelle: RP
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