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Kreis Mettmann
Kreis ist klamm: Städte zahlen drauf

Kreis Mettmann: Kreis ist klamm: Städte zahlen drauf
Landrat Thomas Hendele (r.) und Kreiskämmerer Martin Richter wollen von den Städten mehr Geld. FOTO: Dietrich Janicki
Kreis Mettmann. Kämmerer Martin Richter muss die Kreisumlage erhöhen. Die Haushalte der gebeutelten Städte werden stärker belastet. Grund sind steigende Ausgaben für Pflege und vor allem Hartz IV. Von Oliver Wiegand

Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein. Der Kreis Mettmann bleibt schuldenfrei, der Haushalt ist erstmals seit 2011 ausgeglichen. Die Wirtschaft boomt und in den zehn Städten des Kreises gibt es so viele Arbeitsplätze wie nie zuvor. Doch der erste Blick trügt. Schon im August ist der Kreis mit fünf Millionen Euro in die Miesen gerutscht, vorgesehen war gerade mal eine Million Euro.

Das hat jetzt Auswirkungen auf die Städte im Kreis Mettmann. Die Kreisumlage muss um 2,4 Prozent erhöht werden, sagten Landrat Thomas Hendele und Kreiskämmerer Martin Richter gestern bei der Einbringung des Haushalts im Kreistag. Erkrath muss 1,9 Millionen Euro mehr zahlen, Heiligenhaus 1,12 Mio. In Mettmann sind es 1,92 Mio. und in Hilden sind es 1,17 Millionen Euro. Monheim wird mit 1,7 Mio. zur Kasse gebeten und Velbert mit vier Millionen Euro.

Ursachen: Es ist vor allem der Sozialetat, der in diesem Jahr laut Hendele "völlig aus dem Ruder" läuft. Die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen, die Hilfe zur Pflege und das Pflegewohngeld kosten den Kreis immer mehr Geld. Dazu kommen die Kosten für die Bürger im Kreis, die Leistungen nach Hartz IV beziehen. Insgesamt steigen die Kosten im Sozialbereich um 16,9 Millionen Euro.

Hartz IV: In den zehn Städten gibt es 19 000 so genannte "Bedarfsgemeinschaften". Dahinter verbergen sich 27 000 Bürger. Rund 7000 von ihnen arbeiten zwar, brauchen aber als "Aufstocker" noch Geld vom Staat, weil ihr Lohn zu gering ist. Der Kreis Mettmann sorgt in diesem Fall für die Übernahme der Warmmiete. Hendele und Richter ärgern sich, dass die Kosten für Unterkunft in den Städten stark unterschiedlich sind. "Es ist doppelt so teuer, eine Wohnung in Monheim zu beheizen als in Ratingen", sagte Hendele. In Erkrath und Monheim werden darüber hinaus die durchschnittlichen Kosten pro Bedarfsgemeinschaft recht deutlich überschritten. Insgesamt zahlt der Kreis Mettmann im Jahr rund 100 Millionen Euro für die Kosten zur Unterkunft. Noch nicht mit eingerechnet sind Flüchtlinge, die nach und nach zugewiesen werden und ebenfalls Leistungen vom Job-Center erhalten werden.

Geplante Einsparungen: Der Kämmerer hat noch mal genau nachgerechnet und kann rund 2,5 Millionen Euro sparen. So wird die Museumsnacht nur noch alle zwei Jahre statt finden. Beim Masterplan Neandertal werden alle geplanten Projekte (neue Brücke über die Düssel) gebaut. Dennoch wird gespart, weil die Grundstücke in Erbpacht beansprucht werden.

Weniger Geld gibt es auch für das Jubiläum des Kreises Mettmann, der 2016 genau 200 Jahre alt wird. Um ein Jahr verschoben wird der Bau des Neandertalhofs in Erkrath mit Wisentgehege. Weniger Geld gibt es auch für Reitwege und Straßenunterhaltung.

Quelle: RP
 
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