| 00.00 Uhr
Mettmann
Patient Oberstadt
Mettmann: Patient Oberstadt
In der Oberstadt stehen Ladenlokale leer. Die Geschäftsleute orientieren sich zum Teil in die Breite Straße und Freiheitstraße. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Die Stimmung bei Geschäftsleuten und Gastronomen in der historischen Altstadt ist schlecht. Viele Menschen finden den Weg auf den Markt nicht mehr. Die Laufkundschaft bleibt aus. Von Christoph Zacharias

Die Gefahr besteht, dass die Oberstadt zu einer mittelalterlichen Kulisse degeneriert. Zahlreiche Ladenlokale stehen leer, Geschäftsleute – darunter so traditionsreiche Läden wie Bergemann – verlassen den Markt und wandern in die Unterstadt ab. Der Samstagsmarkt ist zum Jubi gezogen. Mit dem Umzug des Wochenmarktes vor einem Jahr hat die Oberstadt ihren letzten Magneten verloren. Seitdem herrscht eine beängstigende Ruhe – zumindest tagsüber und in den Wintermonaten – zwischen Mittel-, Oberstraße und Adlerberg.

Zugänge sind verdreckt

Es gab und gibt viele Ideen und Konzepte, die Oberstadt aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Bislang ohne Erfolg. Das Problem beginnt mit den Zugängen zum Markt. Orthsgasse, Kirchtreppe und Schweizer-Trapp sind verdreckt, die Wände beschmiert. Noch immer weisen langweilige und unattraktive, braune Schilder (verbogen und beklebt) den Weg in die Oberstadt; eine Werbung ist das nicht. Laufkundschaft Fehlanzeige!

Oben auf dem Markt gibt es gerade noch eine Gaststätte, (Café am Markt) die ab Mittag mit Außengastronomie geöffnet hat. Das Café Pieve in der Oberstraße zieht mit und ist ein Lichtblick für die Oberstadt. Reicht das? Das Haus Markt 4 (früher Friseur Heuer) verfällt immer mehr, Markt 5 steht leer. Das Bürgerforum hatte jüngst einen Ortstermin mit dem Eigentümer. Ob sich etwas in Richtung Sanierung des Hauses bewegt, ist fraglich.

An der Oberstraße schließen Kiosk und ein Modeladen. Das Kosmetikfachgeschäft Luckau hat sich längst in Richtung Breite Straße verabschiedet. Modegeschäft "Freyfrau" schließt am Ende des Jahres, die Bäckerei Jansen ist schon seit über zehn Jahren Geschichte. Das Perlenparadies verlässt demnächst die Oberstraße. Das "Fähnlein der sieben Aufrechten", darunter die Familie Schwarz, versucht mit Flyern für die Oberstadt zu werben. Die Politik hat das Problem erkannt, doch Lösungsmodelle sind nicht vorhanden. Christoph Schulze, Inhaber von Bergemann, fordert seit Jahren ein Kurzzeit-Parken auf dem Markt und ab 19 Uhr in der Oberstraße.

Stadtdirektor a. D. Horst Masanek hatte vor drei Jahren die Idee geäußert, Geschäfte anzusiedeln, die weitestgehend Kunsthandwerk, Wohnaccessoires und Antiquitäten im Sortiment haben. Und, so Masanek, es müsse eine interessante und vielseitige Gastronomie angeboten werden. Beispielsweise eine Neandertaler-Gaststätte oder ein Eiszeitcafé.

Das Pflaster ist seit der Eröffnung der Fußgängerzone ein Gesprächsthema: Frauen oder ältere Menschen mit Rollatoren haben Schwierigkeiten, auf dem Buckelpflaster zu gehen. Es schreckt viele Menschen ab, in die Oberstadt zu kommen. Die CDU hat vorgeschlagen, ein Plattenband auf dem Bürgersteig zu verlegen, um sicheres Gehen zu ermöglichen.

Der Markt eignet sich hervorragend als Eventplatz. Die Kirche ist Eigentümer und muss im Vorfeld gefragt werden. Heimatfest, Blotschenmarkt und Weinmarkt locken nur zeitweise Menschen auf den Markt. Warum soll es nicht möglich sein, kleine Sommerkonzerte auf dem Markt zu veranstalten (ohne großen Umbau, ohne Lärmbelästigung)?

Quelle: RP/rl
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar