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Rudolf Lüthe
Wahre Freundschaft braucht Vertrautheit

Rudolf Lüthe: Wahre Freundschaft braucht Vertrautheit
Der Philosoph Rudolf Lüthe spricht in Mettmann über das Thema "Freundschaft". FOTO: magu
Mettmann. Am kommenden Dienstag macht "Das philosophische Radio auf Tour durch NRW" einen Stopp in der Mettmanner Stadtbibliothek. Moderator Jürgen Wiebicke diskutiert dort mit dem Philosophen Dr. Rudolf Lüthe über das Thema "Freundschaft".

Einige hundert Freunde auf Facebook: Der Begriff "Freundschaft" scheint inmitten sozialer Netzwerke einem Wandel zu unterliegen. Mit welchen Konsequenzen?

Lüthe Der Freundschaftsbegriff ändert sich mit der Veränderung der Lebensformen. Allerdings werden bei einer explosionsartigen Erweiterung des Freundeskreises einige Grundbestimmungen des klassischen Freundschaftsbegriffs aufgehoben, insbesondere die zentrale Eigenschaft der Vertrautheit. Ohne Vertrautheit aber ist Vertrauen kaum möglich. Einer solchen Freundschaft fehlt daher das Herzstück der klassischen Freundschaft.

Was bedeutet es überhaupt, ein guter Freund zu sein?

Lüthe Wahre Freundschaft setzt neben Vertrautheit wechselseitige Zuneigung, Wohlwollen, Aufrichtigkeit und Hilfsbereitschaft voraus. Die Basis ist jedoch das auf Vertrautheit gegründete gegenseitige Vertrauen-Wollen und Vertrauen-Können. Freundschaftsfähig ist nur der, der einerseits vertrauensfähig und andererseits verlässlich ist.

Darf man einen guten Freund kritisieren? Oder sollte man es sogar tun?

Lüthe Freundschaft dient auch dazu, dass man sich gegenseitig bei der Selbstfindung hilft. Daher ist wechselseitige Kritik ein wesentlicher Teil solcher Freundschaft. Sie ist auch ohne Gefahr möglich, weil beiderseits Aufrichtigkeit und Wohlwollen vorausgesetzt werden können. Freundeskritik wird aber nie die Selbstachtung des Freundes gefährden dürfen.

Wie viel Eigennutz hält eine Freundschaft aus?

Lüthe Wahre Freundschaft ist nicht damit vereinbar, dass der eine Freund den anderen ausnutzt. Freundschaft ist eine Beziehung auf gleicher Augenhöhe und auf Gegenseitigkeit. Der wahre Freund benutzt den anderen niemals bloß als "Mittel zum Zweck".

Gibt es ihn in dieser schnelllebigen Zeit überhaupt noch den Freund fürs Leben? Oder ist der treue Wegbegleiter längst zum "Lebensabschnittsgefährten" geworden?

Lüthe Trotz der sich weiter verbreitenden Partnerschaftsform des "Lebensabschnittsbegleiters" gibt es noch Ehen und Lebensgemeinschaften, die lebenslang halten. Dies kann man auch für Freundschaften annehmen. Allerdings werden diese sich wohl im Zuge der Veränderungen der Lebensformen wandeln. Man trifft sich nicht mehr notwendig in einer Gaststätte, sondern unterhält sich beispielsweise ausführlich über Skype.

DIE FRAGEN STELLTE SABINE MAGUIRE

Quelle: RP
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