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Neukirchen-Vluyn
Ein buntes Tipi aus 1200 Stoffquadraten

Neukirchen-Vluyn: Ein buntes Tipi aus 1200 Stoffquadraten
Trotz des Regens präsentierten die Urheber des gestrickten Tipis gestern das fertige Werk. Die Fleißarbeit vieler Frauen, Männer und auch Schüler bot einen schönen Kontrast zum grauen Wetter. Es gibt schon Interessenten, die das Zelt gern mieten möchten. FOTO: Christoph Reichwein
Neukirchen-Vluyn. Wieder haben engagierte Neukirchen-Vluyner ein Großprojekt fertiggestellt. Ein gestricktes Tipi ist der Blickfang auf der Wiese südlich des Dorfes Neukirchen. Von Stefan Gilsbach

Gestern wurde es zwar durch und durch nass, das große gestrickte Zelt, doch die Frauen, Männer und Kinder, die an dem bunten Tipi mitgearbeitet haben, stellten sich trotzdem voller Stolz den Kameras. Wer in diesen Tagen in Neukirchen unterwegs ist, kann sich dem Anblick des bunten Zeltes nicht entziehen. Es ist der neueste Streich der "Dorfmasche", jener unermüdlichen Gruppe, die schon mit dem "Dornröschenschloss" und der eingestrickten Linde auf der Hochstraße für Aufsehen über Neukirchen-Vluyn hinaus gesorgt hat.

Doch die Damen der "Dorfmasche" waren nicht alleine am Werk. Mitgestrickt haben auch Mitglieder der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Neukirchen-Vluyn, die ihren Sitz an der Holtmannstraße hat. Manche ehemalige Neukirchen-Vluyner beteiligten sich ebenfalls und schickten Stoffstücke ein. Und auch die Schüler der Gerhard-Tersteegen- sowie der Niederrhein-Schule haben die Nadeln klappern lassen - unter fachkundiger Anleitung der Erwachsenen. Denn das war ein Teil dieses Projektes: den Schulkindern die Kunst des Handarbeitens zu vermitteln. "In vielen Familien können auch die Eltern das den Kindern nicht mehr beibringen", sagt Ulrike Reichelt vom Arbeitskreis Neukirchen. Und so gingen die Mitglieder der "Dorfmasche" in die Schulen und zeigten den Mädchen und Jungen, wie man mit Nadel und Garn arbeitet. Offensichtlich hat es den Schülern Spaß gemacht, denn sie revanchierten sich gestern mit einem lauten "Dankeschön!" vor dem Projektzimmer. Dort hatten viele Teilnehmer nach dem Fototermin Zuflucht vor dem Regen gesucht. Ein Band mit Fotos, die während der Arbeit an dem Tipi gemacht wurden, ging herum. Und eine Dame bekannte: "Ich hatte regelrecht Muskelkater in den Händen." Denn es musste mit viel Schnelligkeit gearbeitet werden, weil das Tipi zum jüngsten Nachbarschaftsfest fertig werden sollte.

Doch warum gerade ein Tipi? Das hat mit einer Aktion zu tun, die seit Jahren von der Künstlerin Ute Lennartz-Lembeck propagiert wird. Für die Remscheiderin ist Strickkunst ein besonderes Ausdrucksmittel, und das Anfertigen von Tipis in vielen Ländern der Welt ein Stück Völkerverständigung. Ob in den USA, in der Schweiz oder nun in Neukirchen-Vluyn, die aus vielen bunten Stoffquadraten zusammengesetzten Zelte sind gleichsam ein Symbol für die Buntheit, die Vielfalt der Welt und der Menschen. Die Künstlerin war übrigens beeindruckt, wie rasch in Arbeit an dem Tipi in Neukirchen-Vluyn vonstatten ging.

Das Tipi hat schon viel Anklang gefunden. Wie Ulrike Reichelt und Martha Schlothmann, Initiatorin der "Dorfmasche", berichten, gibt es bereits Interesse von örtlichen Gastronomen, das leuchtend bunte Strickkunstwerk zu mieten. "Wir denken auch daran, noch ein zweites Tipi zu stricken, diesmal ohne eine bestimmte zeitliche Frist."

Und welches große Projekt wird die "Dorfmasche" als nächstes anpacken? Da gibt sich Martha Schlothmann zugeknöpft: "Wir haben eine Idee. Aber vorerst möchten wir die noch nicht verraten."

Quelle: RP
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