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Neukirchen-Vluyn
Krefelder führt Interfunk Leinung weiter

Neukirchen-Vluyn. Seit 70 Jahren gibt es das Geschäft für Fernsehen und Elektronik an der Lindenstraße in Neukirchen. Mit 74 Jahren geht Edgar Leinung nun in den Ruhestand. Er ist froh, in Stefan Klinkhammer den passenden Nachfolger gefunden zu haben. Von Stefan Gilsbach

Andere sind mit 74 Jahren längst im Ruhestand, doch für Edgar Leinung war "der Beruf immer Berufung." Nun hat sich der Fernsehtechnikermeister doch entschieden, kürzer zu treten und mit Ehefrau Ingrid noch unbeschwerte Jahre zu verbringen. Das Fachgeschäft Interfunk Leinung ist eine Institution in Neukirchen und darüber hinaus. Hier war beispielsweise der erste der Farbfernseher in NRW zu bewundern. Edgar Leinung erinnert sich an Zeiten, als Fernsehtechniker noch mit einem Glas Sekt gefeiert wurden, nachdem sie in Eigenheimen den Fernseher installiert und justiert hatten. Seither hat sich viel in der B ranche verändert. Doch die Kunden legten weiterhin Wert auf gute Beratung, stellt er fest. "Der Trend zum Kauf im Internet ist wieder rückläufig."

Daher ist Edgar Leinung froh, in Stefan Klinkhammer einen geeigneten Nachfolger gefunden zu haben. "Entscheidend ist, dass unsere Kunden weiter gut betreut werden." Er übergebe das Geschäft mit "einem guten Gefühl". Der 36-jährige Nachfolger kommt aus Krefeld, erlernte dort den Beruf des Fernsehtechnikers bei der Firma Rinsch in Oppum. Seit 2005 hat er den Meistertitel in Informationstechnik - so heißt das heute. Seit 2014 ist Klinkhammer Chef in seinem einstigen Lehrbetrieb. "Ich habe den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt." Er und Edgar Leinung kannten sich bereits von diversen Treffen der Branche. Zum Gespräch über eine eventuelle Nachfolge sei es im Februar gekommen. Die Entscheidung sei dann rasch gefallen, berichtet Klinkhammer. Alter und neuer Chef scheinen - Achtung, Wortspiel! - einen guten Draht zueinander zu haben, sie sind bereits per "Du".

Wird sich für die Kunden etwas ändern? Zumindest nicht, was vertraute Gesichter betrifft, verspricht Klinkhammer. Die langjährige Mitarbeiterin Heide Breitenfeldt wird weiter die Kunden betreuen. Klinkhammer ist damit Chef von sieben Mitarbeitern, den Standort Krefeld mitgerechnet. Dort hat er das neue Segment Videoüberwachung und Sicherheitselektronik eingeführt, das soll es künftig auch am Standort Neukirchen geben. Angesichts des wachsenden Sicherheitsbedürfnisses im Lande - man denke an die aktuellen Einbruchszahlen - sicher ein Markt mit Zukunft. "Ein wenig umgebaut" soll das Geschäft auch werden. Stefan Klinkhammer glaubt wie Edgar Leinung an die Zukunft der Branche, auch in Zeiten von Amazon und anderen Internet-Anbietern. "Es kommt darauf an, wie man die Kunden überzeugt", meint er. "Und wir bieten in den Geschäften vor Ort auch Produkte an, die nicht dem Mainstream entsprechen."

Und was hat sich das Ehepaar Leinung nun für den Ruhestand vorgenommen? Reisen unternehmen natürlich, und mehr Zeit mit der Familie verbringen, zu der auch vier Enkel gehören. Doch ganz von Leitungen, Kontakten, Verstärkern und Bildröhren wird Edgar Leinung nicht lassen können. Das stecke ihm einfach zu sehr im Blut, sagt er. "Als Kind habe ich sogar in unserer Werkstatt mein Bett stehen gehabt", erinnert er sich. Damals war Vater Erich als junger Ingenieur aus Berlin gekommen - sein Arbeitgeber, die Siemenswerke, waren zerstört worden - und hatte in Neukirchen einen Reparaturbetrieb für Radios gegründet. Von klein auf bastelte Sohn Edgar am Werktisch mit. Und das werde er in seiner privaten Werkstatt auch künftig tun, versichert der 74-Jährige.

Quelle: RP
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