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Neukirchen-Vluyn
Und wieder brennt es am Vluyner Nordring

Neukirchen-Vluyn: Und wieder brennt es am Vluyner Nordring
Wieder musste die Feuerwehr zu den Hochhäusern am Nordring (oben) ausrücken (unten: Einsatzfoto aus der Nacht zu Dienstag). FOTO: Reichwein/Feuerwehr
Neukirchen-Vluyn. Nach sieben Monaten Ruhe hat es in der Nacht zu Dienstag wieder in einem der Hochhäuser gebrannt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Der Zugang ins Innere der Häuser sei leider viel zu leicht. Von Stefan Gilsbach

Sieben Monate lang hatten sie in den Nächten Ruhe, die Bewohner der Hochhäuser am Vluyner Nordring. Die Serie von Bränden, die Feuerwehr und Polizei lange in Atem gehalten hatte, schien vorüber zu sein. Seit der Nacht zu Dienstag ist jedoch klar, dass eine Entwarnung zu früh kommt. Wieder hat es im Gebäude Nr. 55 am Nordring gebrannt, wieder musste ein großes Aufgebot der Feuerwehr ausrücken, und wieder ermittelt die Kripo. "Wir gehen von Brandstiftung aus, entweder absichtlich oder fahrlässig", erklärt Andrea Margraf, Sprecherin der Kreis Weseler Polizei.

Die Kreisleitstelle wurde um 22.50 Uhr durch eine Zeugin alarmiert, die Flammen in dem Haus gesehen hatte. Der Löschzug Vluyn rückte aus. Vor Ort stellten die Feuerwehrleute fest, dass ein Zimmer in der sechsten Etage in Brand geraten war. Die Bewohner der unteren Etagen wurden evakuiert. "Wir konnten mit der Drehleiter nicht ans Feuer heran, also haben sich mehrere Trupps durch das Treppenhaus nach oben gekämpft", berichtet Wehrleiter Lutz Reimann. Als das Ausmaß des Brandes den Sicherheitskräften klargeworden war, wurden auch die Löschzüge Rayen und Niep alarmiert. Gegen 23.15 Uhr war das Feuer unter Kontrolle, die Aufräumarbeiten dauerten allerdings noch bis 0.40 Uhr. Verletzt wurde bei dem Einsatz niemand.

"Das sechste Stockwerk ist unbewohnt und war eigentlich mit Holz abgeriegelt worden", sagt Polizeisprecherin Andrea Margraf. Offenbar habe sich jemand Zutritt verschafft. In einigen Räumen dieses Geschosses gebe es noch Zimmer, in denen einige Möbel stehen, etwa eine Matratze. Es sei denkbar, dass dies angesichts der kälter werdenden Nächte Obdachlose angelockt habe. Dann reiche schon eine glühende Zigarette, um ein Zimmer in Brand zu stecken. Sicher sei, dass kein technischer Defekt die Ursache sein könne. "Die Enni hat für alle Bereiche oberhalb des vierten Stockwerks den Strom abgestellt."

Ob dieses Szenario zutrifft, müssen allerdings die Ergebnisse der Ermittlungen zeigen. "Das Problem ist, dass die Türen der Hochhäuser einfach aufgedrückt werden können, das heißt, es kann jedermann in die Gebäude", sagt Margraf. Das mache die Sache schwer kontrollierbar. Die Polizei sei nach den häufigen Feuern am Nordring durchaus sensibilisiert und fahre dort regelmäßig nachts Streife.

Die Hochhäuser am Vluyner Nordring, einst von dem Bauunternehmer Josef Kun gebaut und später im Besitz des insolventen Baulöwen Ottmar Nau, befinden sich seit dem Frühjahr im Besitz der "Peach Property Group". Die Ruhe, die seit längerem in den Gebäuden herrscht, wird auch einem Security-Dienst zugeschrieben, der dort nach dem Rechten sieht. Ob dieser auch in der Nacht zu Dienstag Streife gelaufen ist, bleibt unklar. "Mir haben Anwohner am Rande des Einsatzes gesagt, dass der Dienst regelmäßig patrouilliere", sagt Wehrleiter Lutz Reimann. Ein Statement der Peach Property Group dazu war gestern nicht zu erhalten. Auch Frank Grusen, Sprecher der Stadtverwaltung, konnte gestern keine Angaben machen, ob der Sicherheitsdienst zurzeit vor Ort ist.

Immerhin gibt es Hoffnung für die Bewohner, dass sie nicht mehr lange am Nordring wohnen müssen: Die Sanierungsarbeiten in den ehemaligen Nau-Häusern im Vluyner Süden laufen. Dort sollen die Mieter eine neue Bleibe finden.

Quelle: RP
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