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Wassenberg
Belebung in vielen kleinen Schritten

Wassenberg: Belebung in vielen kleinen Schritten
Die Treppen hinauf zum Bergfried werden nicht länger eine Barriere für Menschen mit Behinderung sein. Im Herbst kommen Lift und Aufzug. FOTO: Laaser (Archiv)
Wassenberg. Gespräch mit Bürgermeister Manfred Winkens über Perspektiven für die Innenstadt, die Bergfriednutzung und die Zukunft der Burg. Von Angelika Hahn

Die Sommerferien bieten eine gute Gelegenheit zum Innehalten für Bilanz, Rück- und Ausblick. Bürgermeister Manfred Winkens sagte jetzt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass Bewegung ins Thema Innenstadtbelebung kommt. "Jede Woche trifft sich zu diesem Thema unsere verwaltungsinterne Arbeitsgruppe, die schon einiges angestoßen hat." So wird es in Kürze zwei bis drei Ladenlokale weniger geben, die leerstehen.

Die früheren Schlecker-Räume an der Roermonder Straße etwa wurden angemietet und an eine Galerie untervermietet. Ein Asia-Imbiss kündigt nebenan seine Eröffnung an. Das spätgotische, leider bislang trist und unscheinbar wirkende Haus an der Graf-Gerhard-Straße werde, so Winkens, von seinem neuen Besitzer rundum saniert, das Tor nebenan soll Durchgang zu einem hinter dem Haus liegenden Garten werden, den die Stadt als Skulpturengarten öffentlich zugänglich machen will. Ob das Haus selbst, wie ursprünglich mal angedacht, ebenfalls zu einer Art Kulturforum werden könne, wusste Winkens freilich (noch) nicht zu sagen. Immerhin gebe es auch Chancen, die früheren Metzgereiräume ("Het Jastes") quer gegenüber wieder einer Nutzung zuzuführen. Ins leerstehende frühere Restaurant Spiegel zieht zum Jahresende die Bücherkiste.

Musik und mehr auf dem Roßtorplatz - Nach dem Erfolg des Abendmarktes setzt die Stadt auf weitere Veranstaltungen in der Innenstadt. FOTO: Laaser (Archiv)

Der Bürgermeister ist erfreut, dass der neue Spezialitäten-Abendmarkt (im Sommer jeden ersten Freitag im Monat) auf dem Roßtorplatz offenbar glänzend ankommt. 24 Aussteller waren zuletzt vertreten, fast doppelt so viele wie bei der Premiere. Winkens weist auf die hochzufriedene Gastronomie hin, die von der neuen Idee natürlich profitiere. Freilich war der Markt bei den ersten beiden Malen auch vom Wetter verwöhnt, das muss nicht immer so sein. Deshalb erzählt Winkens von seinem Traum, einer flexiblen Überdachungsmöglichkeit des Roßtorplatzes. Ein Architekt habe ein Konzept für eine Markisenlösung erstellt. Aber Winkens gesteht auch: "Ob das Konzept so umsetzbar ist, müssen wir abwarten."

Eine weitere Maßnahme zur Innenstadtbelebung sollen zwei neue zusätzliche Veranstaltungen im kommenden Jahr sein, sagt Winkens geheimnisvoll. Mehr wollte er sich noch nicht entlocken lassen.

Konkret aber ist, dass das seinerzeit durch die Aachener Planungsgruppe MWM (Meyer-Brandis) erstellte Gestaltungskonzept für die Graf-Gerhard-Straße aktualisiert und der Bezirksregierung zur Prüfung der Förderfähigkeit vorgelegt wird. Der Vertrag der Stadt mit dem Landesbetrieb Straßen NRW für die Umgestaltung der Straße liege vor. Die mit einer Kanalsanierung verbundenen Arbeiten werden 2017 beginnen, kündigt Winkens an. Die Stadt möchte mit Fertigstellung der B221n-Umgehung auch über die dann umgewidmete und neu gestaltete Innenstadtstraße verfügen.

Bürgermeister Winkens hofft auf vertretbare Nutzung der Burg. FOTO: jkn

Gute Nachrichten für die Nutzer des Bergfrieds: Die im Rahmen eines Interreg-Projektes beantragten drei Aufzüge für den Turm werden nach den Sommerferien gebaut: Ein strombetriebener Lift wird vom Parkplatz vor dem früheren Burg-Hotel zum Bergfriedplateau führen, ein weiterer hilft, die Stufen ins Innere zu überwinden, und drinnen wird in dem dafür frei gehaltenen Raum der gläserne Aufzug installiert. Die Barrierefreiheit eröffne dann mehr Nutzungsmöglichkeiten für den Bergfried - so zumindest erhoffen es Stadt und Kulturfreunde, die sich neben Ausstellungen durchaus auch Lesungen, Vorträge und kleinere Konzerte dort vorstellen können. Das im Rat schon mehrfach geforderte Nutzungskonzept für den Bergfried könnte, so Winkens, nun angegangen werden. Auch eine Zusammenarbeit mit dem wohl Ostern 2017 in der Begegnungsstätte am Pontorsonplatz öffnenden "Naturpark-Tor", der neuen Generation von Besucherzentren des Naturparks Schwalm-Nette, kann sich Winkens gut vorstellen.

Gedämpft ist sein Optimismus dagegen in Sachen Zukunft der Burg, deren Betreibergesellschaft bekanntlich insolvent ist. Seit Weihnachten ist das einstige Vorzeige-Hotel im Wahrzeichen der Stadt geschlossen. Die Stadt ist eingebunden in die Verhandlungen über Verkauf oder Vermietung, weil ein Notarvertrag der Inhaber mit der Stadt festlegt, dass das Gebäude als Hotel-Restaurant zu nutzen ist. Entsprechende Grundbucheintragungen legen dies fest. Zudem hat die Stadt ein Vorkaufsrecht bei Veräußerung. Winkens berichtet von einer Reihe von Kauf-Interessenten, mit denen der Inhaber und er selbst in den vergangenen Wochen durch die Burg gegangen sind. Immer wieder werde allerdings der hohe Sanierungsaufwand des für Tagungszwecke heute zu kleinen Hauses mit 30 Hotelzimmern als eine Hürde bezeichnet. Winkens setzt weiterhin auf eine zumindest teilweise Zugänglichkeit durch die Öffentlichkeit. "Eventuell muss man umdenken und eine Mischnutzung erwägen."

Quelle: RP
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