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Wassenberg
Gestohlene Heilige nach 20 Jahren zurückgebracht

Wassenberg: Gestohlene Heilige nach 20 Jahren zurückgebracht
Pfarrer Wieners mit den zurückgegebenen volkstümlichen Figuren der Heiligen Lambertus (Bischof mit der Birgelener Kirche) und Josef (in Zimmermannstracht). FOTO: Jürgen Laaser
Wassenberg. Die Holzfiguren St. Josef und St. Lambertus, die 1996 aus der Birgelener Wallfahrtskapelle verschwanden, wurden Pfarrer Thomas Wieners über einen Mittelsmann zurückgegeben. Die Vorgeschichte bleibt dunkel. Von Angelika Hahn

"Das ist eine Sensation", sagt Propst Thomas Wieners von der Pfarrei St. Marien in Wassenberg, und er gibt zu, überglücklich zu sein. Seit Donnerstagabend hat Birgelen wieder die beiden vor exakt 20 Jahren aus dem bekannten Wallfahrtskapellchen Birgelener Pützchen spurlos verschwundenen hölzernen Heiligenfiguren St. Lambertus und St. Josef, die bis 1996 das Muttergottesbild im Schnitzaltar des Kirchleins flankiert hatten.

Spannend und mysteriös klingt das Erlebnis, das Wieners schildert. Nach der Abendmesse am Donnerstag in Birgelen zog ihn ein Messbesucher beiseite mit den Worten: "Ich habe da was für Sie." Wieners dachte zunächst an fromme Relikte aus einer Haushaltsauflösung, "weil uns Heiligenfiguren oder Kreuze häufiger schon mal angeboten werden". Der Mann, dessen Identität Wieners nicht preisgibt, nahm ihn mit zu seinem Wagen, in dem die beiden knapp 80 Zentimeter hohen Plastiken unzerstört lagen. Wieners: "Da ich die alten Fotos des Altars gesehen hatte, erkannte ich die Pützchenfiguren sofort." Die Überraschung war perfekt. Dem Mittelsmann habe Thomas Wieners Vertraulichkeit zugesichert. Was er zur Vorgeschichte der Rückgabe gesagt hat, war dem Wassenberger Pfarrer gestern denn auch nicht zu entlocken. Priesterliche Schweigepflicht. Wieners erklärt: "Den Dieb hat offensichtlich das schlechte Gewissen geplagt. Ich bin froh, dass die Heiligenfiguren wieder da sind, und hoffe, dass das anderen Mut macht, ähnlich zu handeln." Beziehungen zum spektakulären Wiederauftauchen gestohlener Heiligenfiguren kürzlich im Kloster Maria Laach sieht Wieners höchstens indirekt: "Gut möglich, dass der aufsehenerregende Vorfall Auslöser war, die Birgelener Figuren zurückzugeben."

Als Fall für die Polizei sehen Wieners und der Vorstand des Kapellenvereins um den Vorsitzender Heinz Plum die Sache nicht. Unsicher ist laut Frajo Beckers sogar, ob seinerzeit überhaupt Anzeige erstattet wurde. Pfarrsekretärin Irmgard Beckers hat gestern umgehend Birgelens Ortschronisten Franz-Josef Breuer informiert, der den Diebstahl im Jahr 1996 auch in seinen Aufzeichnungen erwähnt hatte.

Künstlerisch sind die Holzarbeiten unbekannter Herkunft von eher ideellem Wert. Sie kamen laut Franz-Josef Breuer wohl mit dem Seitenaltar aus der Lambertuskirche, der nach dem Krieg den beschädigten alten Schnitzaltar der Kapelle ersetzte, ins Pützchen. Der Kapellenverein, der die Figuren derzeit aufbewahrt, muss sich nun überlegen, ob und gegebenenfalls wie St. Josef und St. Lambertus künftig in der Kapelle wieder aufgestellt werden. Möglicherweise gesichert durch Spezialglas.

Quelle: RP
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