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Wassenberg
Schätze aus der Erde Wassenbergs

Wassenberg: Schätze aus der Erde Wassenbergs
Dieses Teil gehörte in einen Haushalt weit vor unserer Zeit. Oliver Hermanns zeigt einen römischen Topfdeckel aus seiner Vitrine im Rathaus. FOTO: JÜRGEN LAASER
Wassenberg. Oliver Hermanns aus Orsbeck zeigt seine archäologischen Funde in zwei Vitrinen im Wassenberger Rathaus. Von Willi Spichartz

Einmal Wassenberg auf den Grund gehen... - Einmal reicht nicht, wenn man auch nur einen kleinen Teil des Ortes archäologisch betrachten, untersuchen will. Oliver Hermanns hat das gemacht, viele, viele Male - ein Teil seiner Funde steht derzeit im Wassenberger Rathaus zur Besichtigung in zwei Vitrinen, eine im Foyer, für die zweite lohnt der Aufstieg (oder Lift-Fahrt) ins erste Obergeschoss.

Gut, die Bergleute von Sophia-Jacoba waren tiefer im Grund unter Wassenberg, der Aufwand war allerdings viel höher, die Luft nicht besser als in der Feldgemarkung nahe der Rur - Oliver Hermanns hat seine Funde zu 95 Prozent im Bereich Orsbeck gemacht.

Und Funde erzählen Geschichte und Geschichten - für die Zuordnung der Gegenstände hat Oliver Hermanns inzwischen zwanzigjährige Erfahrungen gesammelt, so dass die Ausstellung unter den Titel "Wassenberger Funde aus Feld und Flur - Von den Römern bis ins III. Reich" in Zusammenarbeit mit dem Wassenberger Heimatverein erstellt werden konnte.

Keine Wassenberger Kirchenglocke, so alt sie auch sein mag, kann mithalten mit dem Bronze-Glöckchen, das Oliver Hermanns ergraben hat: Ein Tischglöckchen, mit dem die Römer zum Essen oder den Dienern geläutet haben. Und da gibt's Geschichtsunterricht als notwendiges Begleitelement - die Römer hatten an der Rur ihre Blütezeit um etwa das Jahr 150 nach der Zeitenwende.

Aus dem Zeitraum stammen die meisten Fundstücke, die auch darauf hindeuten, dass bei Orsbeck ein Rurübergang, vermutlich eine Furt, mit einer Siedlung, einem so genannten "Vicus", existiert hat. Dafür sprechen auch Dachziegel und Hausratsgegenstände, Möbelverzierungen aus Blei, teils vergoldet. Die Stücke eines Mühlsteins fand Oliver Hermanns in mehreren Etappen seiner archäologischen Wanderungen - spannend sind immer die Zuordnungen, Bruchstücke zueinander zu fügen. Alle Fundstücke sind vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege (RBA) dokumentiert und wissenschaftlich gewertet - Oliver Hermanns ist auch ehrenamtlicher Mitarbeiter des Amtes.

Die Ausstellungsstücke befinden sich im Besitz ihres Finders Oliver Hermanns, er sieht sich selbst als Verwalter der Funde, die später einmal in öffentliches Eigentum übergehen sollen: "Sie sind kulturelles Erbe der Stadt Wassenberg." Vor ein paar Jahren hat sich die Rechtslage dahingehend geändert, dass nicht mehr die Finder Eigentümer der Fundstücke werden, sondern automatisch das Land NRW.

Oliver Hermanns liebstes und auch ältestes Stück, ein keltisches Armreif-Fragment aus blauem Glas, etwa 100 Jahre vor Christus entstanden, ist nicht analog zu sehen - ein Foto zeigt sowohl das Fragment wie auch eine vollständige Rekonstruktion des Reifs.

Quelle: RP
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