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Wegberg
Börse der Geschichte und Geschichten

Wegberg: Börse der Geschichte und Geschichten
In der Wegberger Mühle konnten Leseratten bei der gut bestückten Bücherbörse des Historischen Vereins wieder fesselnden Lesestoff finden. Dazu wurden Fotos ausgestellt. FOTO: JÖRG KNAPPE
Wegberg. Bewegung und Ziel sind wichtige Komponenten von Aufbruch oder Neuanfang: sowohl bei Flucht oder Rückkehr nach dem Zweiten Weltkrieg als auch Start in einen neuen Lebensabschnitt. Das war der "rote Faden" in der Bücherbörse. Von Nicole Peters

Eine Erkenntnis hatte dem gewählten Thema "Aufbruch/Neuanfang", unter dem der Historische Verein Wegberg seine aktuelle Bücherbörse gestaltete, zugrundegelegen: Ein Ende beinhaltet immer auch einen Neuanfang. 70 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges sollte nach Meinung der Veranstalter ein positiver Gedanke hervorgehoben werden. Bereits zum dritten Mal stellten sie die Börse in Kooperation mit der Literatengruppe SiebenSchreiber und der Fotogruppe Wegberg 2004 in der Wegberger Mühle auf die Beine: Lesungen, Fotografien und ein umfangreiches Buchangebot gab es für die zahlreichen Besucher.

"Wir beziehen uns bei der Ausrichtung der Börse immer auf historische Daten", erläuterte Vereins-Mitglied Renate Bürger und wies auf den Buchbestand in der (Heimat-) geschichtlichen Vereinsbibliothek hin, der sich unter anderem mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg befasst. Seit mindestens 15 Jahren richtet der Verein die Bücherbörsen aus. Vereinseigene Veröffentlichungen wie der "Berker Bote" sind dann ebenso zu kaufen wie Romane, Sachbücher oder Bildbände.

Die ausgestellten Fotos hatte die Fotogruppe teils dem Vereinsarchiv entnommen und vergrößert, teils stammten sie aus eigenem Bestand oder waren eigens angefertigt worden. Die Abbildung des zerstörten ehemaligen Rathauses an der Hauptstraße, die Entwicklung der Umfeld-Gestaltung des jetzigen Rathauses oder Aufbauarbeiten an einem zerstörten Dach dokumentierten eindrücklich Kriegsauswirkungen und nachfolgende Baumaßnahmen in Wegberg. Weitere farbige Darstellungen handelten von einer Aufbruchsstimmung in der Natur oder bei einem jungen Mädchen, das sich mit Gepäck auf den Weg in eine unbestimmte Zukunft macht.

Den Literaten war freigestellt gewesen, sich direkt auf Fotos zu beziehen oder das Thema - auch über die Nachkriegszeit hinaus - textlich zu verarbeiten. So hatte Cora Imbusch die Darstellung einer Pusteblume dazu inspiriert, sich anhand der Flugbahn eines Samens dem Flüchtlingsthema zu widmen. Dieser nutzte den Luftzug, um fortgetragen zu werden, blieb zunächst bei anderen hängen und ließ sich später vom Wind weitertreiben. Nach Abweisung auf einem gut eingesäten Feld sowie auf einer Fläche mit anderen Löwenzahnpflanzen erhielt er schließlich die Erlaubnis der auf kargem Boden stehenden Distel, sich niederzulassen.

Die Gedanken vom Vater des in eine eigenständige Existenz aufbrechenden Mädchens hatte Annemarie Lennartz zu erwähnten Fotografien zu Papier gebracht. Inga Lücke beschrieb zur eigenen Herbstaufnahme, dass echte Änderungen nur durch innere Wandlung und nicht durch äußere Begebenheiten zustande kommen. Dr. Günter Arnolds hatten zarte Pflanzen zwischen Pflastersteinen inspiriert, die emotional schwierige Rückkehr seines Vaters nach Kriegsende zur Familie darzulegen.

Quelle: RP
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