| 00.00 Uhr

Wegberg
Klinikstandort soll zukunftsfest werden

Wegberg: Klinikstandort soll zukunftsfest werden
Dr. Gert Pattay (71), Ärztlicher Direktor und Chefarzt in der Chirurgie der St. Antonius Klinik, möchte demnächst in den Ruhestand gehen. FOTO: Alois Müller
Wegberg. Die Klinik Wegberg muss der Nachfrage in der Bevölkerung und Änderungen in der Gesundheitspolitik Rechnung tragen. Geschäftsführerin Dany Molz arbeitet an einem neuen Konzept. Chefarzt Pattay steht kurz vor dem Ruhestand. Von Michael Heckers

Bergwandern und Golfen. Davon hatte Dr. Gert Pattay (71) schon vor neun Jahren geträumt. Bald soll es tatsächlich soweit sein. Der Ärztliche Direktor und Chef der chirurgischen Abteilung der Sankt Antonius Klinik möchte in den Ruhestand gehen. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig. Möglicherweise ist ein solcher aber auch gar nicht mehr gefragt: "Wir prüfen zurzeit in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung Köln, dem Kreis Heinsberg, der Stadt Wegberg und Dany Molz als Betreiberin des Wegberger Krankenhauses, wie man den Medizinstandort Wegberg zukunftssicher gestalten kann", sagt Dr. Karl-Heinz Feldhoff, Leiter des Gesundheitsamtes des Kreises Heinsberg.

Als vergleichsweise kleines Krankenhaus (93 Betten, 170 Mitarbeiter) muss die Sankt Antonius Klinik den Änderungen in der Gesundheitspolitik und der Nachfrage der Bevölkerung Rechnung tragen. Daher sind Anpassungen bei der Ausrichtung der Versorgung der Sankt Antonius Klinik früher oder später geboten. Geschäftsführerin Dany Molz (52) führt zurzeit zahlreiche Gespräche und Verhandlungen mit Behörden, der Stadt Wegberg und Kooperationspartnern. "Ergebnisse gibt es aber noch nicht", sagt sie auf Anfrage unserer Redaktion. Nach den Turbulenzen der zurückliegenden Jahre ist die Wegberger Krankenhaus-Chefin zurückhaltend: Spekulationen gefährdeten Arbeitsplätze und beeinträchtigten auch die Interessen der Stadt Wegberg und ihrer Bevölkerung. "Deswegen wird die Geschäftsführung zu solchen Spekulationen keine Stellung nehmen", sagt Dany Molz. Aktuell sei die Versorgung gesichert und werde unverändert fortgeführt. Eine offizielle Erklärung sei erst dann zu erwarten, wenn die Änderungspläne konkret feststehen. "Ich kann allerdings versichern, dass sich die Mehrzahl der Beteiligten im Unternehmen, Ärzte, Pflegekräfte, die Behörden und die Stadt bei den Vorgesprächen, in denen wir alle denkbaren Lösungsmodelle ausloten, für den Erhalt und die Fortentwicklung des Medizinstandortes Wegberg einsetzen - und dies mit größtem Engagement."

Das neue Krankenhausstrukturgesetz, das seit dem 1. Januar 2016 in Kraft ist, bietet für den Medizinstandort Wegberg neue Möglichkeiten. Während bisher stets die medizinische Grundversorgung im Mittelpunkt stand - also ein Basisangebot an medizinischen Leistungen für die Patienten im Sinne eines Krankenhauses der Grund- und Regelversorgung -, ist nun die Entwicklung kombinierter Angebote ambulanter und stationärer Versorgung am Medizinstandort Wegberg denkbar. Ähnliche Pläne für ein ambulantes medizinisches Versorgungszentrum an der Birkenallee gab es schon mal - in den Jahren 2007 bis 2009. Damals sorgte der Klinikskandal bundesweit für Schlagzeilen. Als das Haus kurz vor dem Aus stand, übertrug der frühere Chefarzt und Inhaber der Sankt Antonius Klinik, Dr. Arnold Pier, seine Geschäftsanteile an der Sankt Antonius GmbH an die Geilenkirchener Architektin Dany Molz. Das war im Oktober 2009.

Unter der Führung von Dany Molz gingen die Belegungszahlen kontinuierlich nach oben. Die wirtschaftliche Situation des Hauses stabilisierte sich. Doch seit 2013 sind wichtige Kennzahlen wieder rückläufig oder stagnieren, obwohl die Krankenhauspolitik Kliniken zum beständigen Wachstum zwingt. Das hat laut Dany Molz auch damit zu tun, dass die Gesundheitspolitik die Finanzierung von kleinen Einrichtungen wie dem Wegberger Krankenhaus beständig erschwert. Molz berichtet, dass in den vergangenen Jahren beispielsweise in den Bereichen Hygiene, Qualitätssicherung und Dokumentation die Anforderungen deutlich gewachsen sind, was einen höheren Personalaufwand zur Folge habe. Größere Krankenhäuser könnten das deutlich besser kompensieren als kleine Einrichtungen. Auch im benachbarten Altenheim, das unter dem Dach der Sankt Antonius Klinik Wegberg GmbH zum Krankenhaus gehört, sind demnächst größere Investitionen notwendig. Nach neuer Gesetzeslage müssen mindestens 80 Prozent der Zimmer eines Altenheims Einzelräume sein. Das ist im Sankt Antonius Altenheim bislang nicht der Fall, die Einrichtung hat aber nun die Chance, die notwendigen Investitionen vorzunehmen und sichert sich dafür eine breite Unterstützung.

Daran, dass die Sankt Antonius Klinik im Krankenhausbedarfsplan des Landes NRW steht und es damit eine gewisse Planungssicherheit gibt, soll sich nichts ändern. Allerdings wird spekuliert, dass sich die Bettenzahl in Wegberg von derzeit 93 auf 65 verringern könnte. Vom Thema Bettenabbau dürften aber auch andere Krankenhausstandorte im Kreis Heinsberg betroffen sein. Insgesamt könnten im Kreisgebiet aus Bedarfsgründen bis zu 50 Krankenhausbetten wegfallen.

Nicht berührt von den strukturellen Überlegungen für den Medizinstandort Wegberg ist der Rettungsdienst. "Das Krankenhaus Wegberg ist im Rettungsdienstbedarfsplan drin und die ortsnahe Versorgung damit sichergestellt", sagt Karl-Heinz Feldhoff. Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern.

Seit einigen Tagen beschäftigen sich auch die Fraktionen im Rat der Stadt Wegberg mit dem Thema Krankenhaus. Bürgermeister Michael Stock möchte das zurzeit nicht weiter kommentieren, weil noch alles offen sei. Karl-Heinz Feldhoff begrüßt die grundsätzlichen Gedanken über die Zukunft des Wegberger Krankenhauses. Der Standort mitten im Ort mit vielen umliegenden Arztpraxen, Apotheken, therapeutischen Angeboten und dem benachbarten Altenheim sei als Gesundheitszentrum ausgezeichnet geeignet. "Es geht jetzt darum, den Medizinstandort Wegberg zukunftsfest zu machen", sagt der Leiter des Gesundheitsamtes.

Dass es für einen kleinen Krankenhausstandort wie Wegberg nicht leicht ist, geeignetes Personal zu finden, darauf weist der angehende Ruheständler Dr. Gert Pattay hin. "Schauen Sie doch mal ins Deutsche Ärzteblatt. Nur noch ein Drittel davon ist redaktioneller Teil, der Rest sind Stellenausschreibungen", sagt er. Gute Ärzte werden händeringend gesucht. Sie zieht es vor allem in Kliniken mit klangvollen Namen, die meist in Großstädten zu finden sind.

Auch wenn die Zukunft des Wegberger Krankenhauses nicht alleine an seiner Personalie hängt, wird Dr. Gert Pattay weiterhin von seinem Wohnort Wesel nach Wegberg pendeln, solange die Pläne für den Krankenhausstandort noch so wenig konkret sind. "Jeden Tag mit dem Auto 85 Kilometer hin und 85 Kilometer zurück - das ist ganz schön anstrengend", sagt der Chirurg. Nötig hätte er das längst nicht mehr: Im Juni 2007 war Pattay bereits in den Ruhestand verabschiedet worden - nach 22 Jahren am Evangelischen Krankenhaus in Wesel. Damals sagte er: "Ich freue mich aufs Bergwandern und Golfen in meiner österreichischen Heimat."

Dann kam der Hilferuf aus Wegberg, und Dr. Pattay legte seine Ruhestandspläne vorerst ad acta. Seitdem steht der Vollblut-Mediziner, der einen sehr guten Ruf genießt, wieder am OP-Tisch, kümmert sich um Oberschenkelhalsbrüche und baut seinen Patienten neue Hüften oder Kniegelenke ein.

Bei der Frage, wann es denn soweit sein wird mit seinen Plänen vom Bergwandern und Golfen, muss der 71-jährige Pattay schmunzeln. "Ich weiß es nicht. Für mich stehen die Patienten und das Krankenhaus nach wie vor an erster Stelle."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wegberg: Klinikstandort soll zukunftsfest werden


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.