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Wegberg
Mehr Geld und ein OGS-Gesetz

Wegberg: Mehr Geld und ein OGS-Gesetz
Viele Schüler, Eltern und Lehrer aus den sechs Wegberger Grundschulen unterstützten vor dem Rathaus die Kampagne zur Stärkung des Offenen Ganztags. Im Hintergrund ist das größte Kampagnen-T-Shirt NRWs zu sehen. Am Mikrofon: Ulla Sevenich-Mattar, daneben Gerd Pint (2.v.l.) und Bürgermeister Stock (l.). FOTO: M. Heckers
Wegberg. "Gute OGS darf keine Glücksache sein!" Unter diesem Motto setzt sich die Freie Wohlfahrtspflege in NRW für die Stärkung des Offenen Ganztags ein. Die AWO, Eltern, Kinder und Lehrer trugen ihre Forderungen jetzt in Wegberg vor. Von Michael Heckers

Der Bedarf an Plätzen in der Offenen Ganztagsschule (OGS) im Primarbereich steigt stetig, doch schon jetzt gibt es zu wenig Plätze. Darauf weist die landesweite Kampagne "Gute Offene Ganztagsschule (OGS) darf keine Glücksache sein" - der Freien Wohlfahrtspflege hin. Die Kampagne machte jetzt in Wegberg Station. Auf Einladung des Heinsberger Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und des Vereins "spielend lernen" trafen sich Kinder, Eltern und Lehrer der Grundschulen aus Wegberg, Merbeck, Arsbeck, Wildenrath, Beeck und Rath-Anhoven vor dem Rathaus der Mühlenstadt, um gemeinsam auf die Forderungen zum Offenen Ganztag im Primarbereich aufmerksam zu machen.

In der OGS werden Schüler täglich bis 16 Uhr von pädagogischen Mitarbeitern betreut, die Schließungszeiten beschränken sich auf drei Wochen in den Sommerferien und jeweils eine Woche in den anderen Ferienzeiten, wobei auch dann häufig noch zusätzliche Betreuungsangebote organisiert werden. "Eltern geben wir die Sicherheit, dass es ihren Kindern bei uns gut geht und sie ohne Sorgen ihrer Berufstätigkeit nachgehen können", erklärt Ulla Sevenich-Mattar, Vorsitzende des Vereins "spielend lernen - AWO Betreuung in Schulen". Die AWO arbeitet in den sechs Grundschulen der Stadt Wegberg und in drei Grundschulen der Stadt Übach-Palenberg.

Standards ausbauen, Qualität sichern, die benötigten Personal-, Sach- und Raumressourcen bereitstellen und für eine auskömmliche Finanzierung sorgen - das sind die Forderungen der Freien Wohlfahrtspflege zum Thema OGS. Ulla Sevenich-Mattar wies vor großem Publikum auf dem Wegberger Rathausplatz auf das Kernproblem hin: Während verschuldete Kommunen wie Wegberg nur die gesetzlich vorgeschriebene Pauschale zahlen dürfen, können sich finanziell besser gestellte Städte und Gemeinden für höhere Pauschalen entscheiden. Sevenich-Mattar nannte ein Beispiel: Während für die OGS pro Kind und Jahr in Wegberg rund 1500 Euro zur Verfügung stehen, seien es in Bonn rund 3000 Euro. Es dürfe aber nicht der Zufall, in welcher Kommune ein Kind gerade lebe, über die Rahmenbedingungen bei der Offenen Ganztagsbetreuung entscheiden, sagte Ulla Sevenich-Mattar. Ein großes Problem für die Träger der OGS seien auch die alle fünf Jahre stattfindenden Ausschreibungen, weil dadurch keine unbefristeten Verträge abgeschlossen werden könnten. Dabei wäre eine größere personelle Kontinuität nach den Worten von Ulla Sevenich-Mattar äußerst wichtig für die Bindung zwischen den Schulkindern und ihren pädagogischen Bezugspersonen. "Wir können die Chancen der OGS nicht ausnutzen", sagte Ulla Sevenich-Mattar.

Aus Sicht der Schulen berichteten unter anderem OGS-Koordinatorin Ulla Jansen und Gisela Unland, Leiterin des Grundschulverbunds Arsbeck und Wildenrath. Auch sie wiesen auf die Personalproblematik hin. Für Wegbergs Bürgermeister Michael Stock (SPD) ist das Thema Offene Ganztagsschule (OGS) im Primarbereich eines der wichtigsten der kommenden Jahre. "Im Schuljahr 2017/18 haben wir im Stadtgebiet von Wegberg rund 890 Grundschüler. 590 davon, also rund 67 Prozent, sind in der OGS-Betreuung", sagte er. Stock beklagte, dass es für die OGS keine gesetzliche Grundlage, sondern nur eine Erlasslage gibt. Dies müsse dringend geändert werden. Denn solange es keine gesetzliche Grundlage gibt, gelte die OGS de facto als freiwillige Leistung und stehe damit ganz oben auf der Streichliste. Es könne aber nicht sein, sagte Stock, dass Kita-Plätze aufgrund des geltenden Rechtsanspruchs auf Betreuungsplätze ausgebaut werden "und das beim Übergang in die Grundschule auf einmal abbricht." Darum sei es "unglaublich wichtig, dass wir verstärkt Druck machen", um eine gesetzliche Grundlage möglich zu machen.

Der zuständige Fachbereichsleiter Gerd Pint erklärte, dass die Stadt Wegberg jährlich rund 200.000 Euro für die OGS aufbringt. Der Eigenanteil von 260.000 Euro werde zum allergrößten Teil über Elternbeiträge refinanziert. Die OGS-Betreuung kostet Eltern pauschal 60 Euro pro Monat und Kind. Pint weist auch darauf hin, dass in Wegberg der Bedarf an OGS-Betreuung größer ist als das Angebot. "Es gibt Wartelisten an den Schulen, alleine in Arsbeck beispielsweise stehen zurzeit 15 Kinder auf der Liste", sagt er. Räumlich operierten die Grundschulen auf Wegberger Stadtgebiet an der Kapazitätsgrenze.

Bei der Kundgebung vor dem Wegberger Rathaus präsentierte die Freie Wohlfahrtspflege das eigens gestaltete größte OGS-Kampagnen-T-Shirt NRWs. Zwischen den Beiträgen der Redner sorgten die Grundschüler für Unterhaltung. So war unter anderem die Trommel AG der Erich Kästner Grundschule Wegberg mit dem Teilstandort Merbeck zu hören, Schüler der OGS Beeck führten einen indischen Tanz auf.

Das Ziel der Träger der Offenen Ganztagsschule ist eine neue gesetzliche Regelung, wie sie im Landtagswahlkampf angekündigt wurde. Die Forderungen sollen am Mittwoch, 12. Juli, der neuen schwarz-gelben Landesregierung in Düsseldorf übergeben werden. Ulla Sevenich-Mattar kündigte an, dass man beim wichtigen Thema OGS am Ball bleiben werde.

Quelle: RP
 
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