Canberra (RPO). Der australische Ministerpräsident Kevin Rudd hat sich öffentlich für die Rolle seines Landes bei der Verschickung zehntausender Kinder verarmter britischer Familien nach Australien entschuldigt. Viele der Kinder, die in den vergangenen Jahrhunderten dieses Schicksal erlitten, wurden Opfer von Missbrauch oder Vernachlässigung.
Australiens Premier Rudd: "Ein Wendepunkt in der Geschichte Australiens." Foto: AFP
Er entschuldige sich für die "die absolute Tragödie verlorener Kindheiten", sagte Rudd am Montag bei einer Zeremonie in Canberra und schloss auch die sogenannten vergessenen Australier ein. Nach einem Bericht des australischen Senats wurden im 20. Jahrhundert mehr als 500.000 Kinder in Heime gesteckt, wo viele von ihnen psychisch und physisch missbraucht wurden.
Dieser Tag solle ein Wendepunkt in der Geschichte Australiens sein, sagte Rudd weiter. Die Regierung und die Behörden sollten alles in ihrer Macht stehende tun, damit sich so etwas nicht wiederhole. Der Ministerpräsident hatte sich im vergangenen Jahr schon bei den Aborigines für ihre langjährige Unterdrückung durch die europäischen Einwanderer entschuldigt.
Auch britische Regierung bittet um Verzeihung
Im Fall der zwangsweise verschickten Kinder hatte am Sonntag auch die britische Regierung eine offizielle Entschuldigung angekündigt. Schätzungen zufolge wurden vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1967 etwa 150.000 Kinder nach Australien, Kanada und andere früheren Kolonien gebracht.
Nach einem australischen Bericht von 2001 wurden noch im 20. Jahrhundert zwischen 6000 und 30.000 Kinder von Großbritannien und Malta nach Australien deportiert, die oft alleinstehenden Müttern oder armen Familien weggenommen worden waren.
In einer britischen Parlamentsuntersuchung von 1998 hieß es, zu den Motiven habe neben der Entlastung des eigenen Sozialsystems auch Rassismus gehört: Die Ausfuhr von "gutem weißen Bestand" in britische Kolonien sei ein wünschenswertes Politikziel gewesen.
Quelle: AP/csr