London (RP). Eigentlich sind die Briten ja naturverbunden. Ganze Hügel wissen sie mit unkrautfreiem Samt-Rasen zu überziehen und Gärten so geschmackvoll zu komponieren, dass ihnen Gartenliebhaber in der ganzen Welt nacheifern. Aber Landluft stinkt den Briten. Und wenn die aus Deutschland herüber weht, erst recht.
Sie riechen bis nach Großbritannien: Schweine aus deutscher Haltung. Foto: ddp
Die britische Boulevardzeitung „Daily Mail” hat zuerst Wind davon bekommen. Am Freitagmorgen zogen übel riechende Gülleschwaden über Südengland und die Hauptstadt London hinweg. Natürlich war der Schuldige bald ausgemacht: Solch ein Mief konnte nur aus Frankreich stammen, witterten die traditionsbewussten Boulevard-Journalisten.
Doch weit gefehlt. Die „Mail” lag ein Land daneben. Denn der britische Wetterdienst konnte bald feststellen, dass der allzu würzige Duft nicht aus Frankreich stamme, sondern aus dem Flachland, das von Belgien über die Niederlande bis ins deutsche Westfalen und nach Niedersachsen reicht. Aus dem „Schweinegürtel” also. Dort bringen Bauern derzeit Millionen Tonnen Gülle auf die Felder. Und zwar solche, die aus Schweine-Dung gewonnen wird und leider noch eine Note schärfer ist als die Düngewässerchen aus Rinderställen.
Wer hierzulande derzeit Richtung Hannover kurvt, weiß darüber die Nase zu rümpfen. Die Engländer hingegen sind solche Angriffe auf ihre Riechorgane nicht gewöhnt. Denn normalerweise weht der Wind von Westen um die Insel, verwöhnt mit frischen Atlantikbrisen und verschont die Insulaner mit fruchtbarkeitförderndem Festlandmief.
Eine üble Dunstglocke
Doch in den vergangenen Tagen wollte es das Wetter anders. Tagelang regte sich kein Lüftchen über den Feldern Niedersachsens, die gerade frisch getränkt wurden mit Landluftparfüm. Und so bildete sich über Feldern und Ställen eine üble Dunstglocke. Und dann kam Ostwind. Der ließ die Niedersachsen aufatmen, trieb die Stinkewolke aber über den Ärmelkanal zu den Briten hinüber.
Und die reagierten panisch. Bei Polizei und Gesundheitsbehören gingen Anrufe hyperventilierender Hauptstädter ein, die einen Abwasser-Gau oder andere Umweltkatastrophen vermuteten. Selbst Landbewohner sollen ob der Intensität der Gerüche beunruhigt gewesen sein. Schließlich weiden die Beefeater mehrheitlich Rinder auf ihren Wiesen, sind mit schweinischen Hinterlassenschaften und deren nicht eben geruchsfreier Zweitverwertung also nicht vertraut.
The Queen is not amused
Sogar die Hochwohlgeborenste unter Großbritanniens Country-Side-Bewohnern war nicht amüsiert. So war der britischen Presse zu entnehmen, dass die Queen des Morgens ebenfalls die Nase kraus verzogen haben soll. Obwohl sie doch aus dem Hause Hannover stammt. Von „Der Stink”, wie die Engländer die Belästigung von jenseits des Ärmelkanals inzwischen liebevoll grantig nennen, wollte das britische Oberhaupt nicht umweht werden.
Doch müssen sich die Queen und deren Untertanen leider gedulden. Erst für heute ist ein Wetterwechsel prognostiziert. Dann soll der Wind drehen, wieder aus Westen wehen und die gepeinigten Briten vom Faulgeruch befreien. Die Reporter der „Mail” sollen ihre geografische Fehleinschätzung der ersten Stinkestunden übrigens auszuwetzen versucht haben. Dazu haben sie bei der Deutschen Botschaft vorgesprochen und versucht, eine Entschuldigung für die Geruchsbelästigung zu erwirken. Der Beamte, auf den sie bei der Botschaft stießen, soll jedoch erwidert haben, er könne nichts Ungewöhnliches riechen. Muss ein Niedersachse gewesen sein.
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