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UN-Sicherheitsrat
Ruanda wirft Burundi Massaker vor

Ruanda wirft Burundi Massaker vor
Schwer bewaffnete Soldaten sind auf den Straßen Burundis ein alltägliches Bild. FOTO: ap
Bujumbura/Kigali. Das Blutvergießen in Burundi belastet auch die Beziehungen zum Nachbarland Ruanda. Beide Seiten überziehen sich gegenseitig mit Vorwürfen. Am Montag will sich der UN-Sicherheitsrat mit der Lage beschäftigen.

Der ruandische Präsident Paul Kagame hat der Regierung des Nachbarlandes Burundi Massaker an deren eigener Bevölkerung vorgeworfen. Von morgens bis abends würden Leute umgebracht und dann einfach in den Straßengraben geworfen, sagte Kagame in Bezug auf die jüngste Gewaltwelle in Burundi. Sicherheitskräfte töteten Menschenrechtlern zufolge am Wochenende in der burundischen Hauptstadt Bujumbura erneut 11 Menschen. Der UN-Sicherheitsrat will sich am Montag mit der Eskalation der Gewalt beschäftigen.  

Burundis Präsident Pierre Nkurunziza wiederum hat Ruanda wiedergeholt vorgeworfen, Gewalt und Instabilität in dem kleinen ostafrikanischen Land zu fördern. Kagames Äußerungen zu Burundi vom Freitag, die erst am Sonntag bekannt wurden, könnten die Spannungen zwischen den Nachbarn erneut anheizen.

Ruanda und Burundi haben eine ähnliche ethnische Zusammensetzung, dominiert von den Volksgruppen der Hutu und Tutsi. Während des Völkermordes in Ruanda 1994 wurden 800.000 Menschen getötet, vor allem Tutsis. Ein von ähnlichen ethnischen Spannungen befeuerter Bürgerkrieg in Burundi mit 300.000 Toten ging vor einem Jahrzehnt zu Ende.

Experten haben jüngst davor gewarnt, dass die politische Krise und die anhaltende Gewalt in Burundi Vorboten eines neuen Bürgerkriegs sein könnten. Mehr als 210.000 Menschen sind seit April aus Angst vor einer Eskalation der Lage außer Landes geflohen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, die USA und die EU forderten jüngst in dringenden Appellen ein Ende der Gewalt. 

Menschenrechtlern zufolge sind bereits mehr als 200 Unterstützer der Opposition gezielt getötet worden. Am Freitag nahm die Polizei Willy Nzitonda fest, den Sohn eines prominenten Nkurunziza-Kritikers. Nzitonda wurde Stunden später tot aufgefunden.

Die politische Krise in Burundi hatte im April mit der Bestrebung Nkurunzizas begonnen, sich entgegen der verfassungsrechtlichen Bestimmungen um eine dritte Amtszeit zu bemühen. Im Juli wurde er trotz Massenprotesten und einem Wahlboykott der Opposition wiedergewählt. 

(lsa/dpa)
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