| 10.29 Uhr

Tödliche Polizeischüsse in North Charleston
Neues Video zeigt die Flucht von Walter Scott

Neues Video zeigt, wie Walter Scott vor Polizei flüchtet
Neues Video zeigt, wie Walter Scott vor Polizei flüchtet FOTO: Screenshot MSNBC
North Charleston. Ein neues Video bringt neue Details über den Tod des Schwarzen Walter Scott ans Tageslicht. Die Aufnahmen der Dashcam im Polizeiwagen zeigen, wie der spätere Todesschütze Michael Slager den Wagen von Walter Scott für eine Verkehrskontrolle stoppt. Was kurz darauf passiert, geschieht offenbar ohne jeglichen Anlass. 

In dem Fall in South Carolina, der in den USA die Debatte über übermäßige Polizeigewalt gegen Schwarze auslöste, ist das neue Video am Donnerstag aufgetaucht. Die Aufnahme aus dem Streifenwagen des wegen Mordes angeklagten Polizisten Michael S. wurde von den Behörden des US-Staates veröffentlicht.

Sie zeigt zunächst eine scheinbar routinemäßig verlaufende Verkehrskontrolle. Der Polizist Michael S. geht zu dem dunklen Wagen von Walter Scott hinüber und sagt ihm, dass er ihn wegen eines nicht funktionierenden Rücklichts angehalten habe. Nachdem der Beamte nach den Papieren fragt, sagt Scott, er habe keine Registrierung oder Versicherung für das Fahrzeug, weil er gerade erst dabei sei, den Wagen zu kaufen. Nach einem kurzen Austausch geht der Polizist zu seinem Streifenwagen zurück, woraufhin Scott die Fahrertür öffnet, aber wieder schließt. Sekunde später öffnet er die Tür erneut und flüchtet. Der US-Cop läuft hinter ihm her.

Aufgenommen wurde das Video am vergangenen Wochenende mit einer sogenannten Dashcam, einer Kamera, die meist auf dem Armaturenbrett oder an der Windschutzscheibe eines Autos angebracht ist. Sie befand sich auf der Armatur des Streifenwagens.

Die tödlichen Schüsse auf Scott sind in einem weiteren Video zu sehen, das ein Augenzeuge machte, nachdem er die Auseinandersetzung miterlebt hatte. Der Mann hatte der Familie des Opfers die Aufnahme zur Verfügung gestellt und mit den Bildern dafür gesorgt, dass S. festgenommen, gefeuert und wegen Mordes angeklagt wurde. Es bleibt nach wie vor fraglich, wie die einfache Verkehrskontrolle zu einem tödlichen Zwischenfall werden konnte. Die Verteidigung sagt, der Beamte habe aus Selbstverteidigung gehandelt, als Scott nach dessen Elektroschocker griff. Das Video des Augenzeugen hatte an dieser Darstellung deutliche Zweifel aufkommen lassen.

Es gibt so gut wie nichts in der Personalakte des Streifenpolizisten, das nahelegt, dass seine Vorgesetzten ihn als so skrupellos betrachtet haben, dass er einen Mann während einer Verkehrskontrolle töten könne. Wie Recherchen der Nachrichtenagentur AP ergaben, fiel er früher jedoch einmal wegen exzessiver Gewalt gegen einen unbewaffneten Schwarzen auf. Gegen den 33-Jährigen wurden nach dem Zwischenfall im September 2013 interne Ermittlungen eingeleitet, die nach einigen Wochen mit dem Vermerk "entlastet" eingestellt wurden.

Aktivisten forderten wegen des tragischen Vorfalls eine Sondersitzung des Stadtrats von North Charleston und die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Es handele sich "bei weitem nicht um einen isolierten Einzelfall", sondern um "Symptome eines Polizeisystems", die unerklärlich für die Gemeinde seien, die eigentlich geschützt werden solle, erklärte die Gruppe Black Lives Matter CHS.

Derweil wurde in einer Online-Kampagne für Slager gesammelt, der zwei Stiefkinder hat und dessen Frau ein weiteres Kind erwartet. Bislang kamen auf der Website Indiegogo mehr als 1500 Dollar (rund 1400 Euro) zusammen.

(ap/AFP)
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