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Aufarbeitungskommission
Sexueller Missbrauch wird in Familien oft geduldet

Kommission: Sexueller Kindesmissbrauch wird in Familien oft geduldet
Opfer werden von Familienangehörigen oft nicht geschützt (Symbolbild). FOTO: dpa
Berlin. Sexueller Kindesmissbrauch kommt besonders oft in Familien und im engeren Umfeld vor. Kinder erhalten oft keine oder erst spät Hilfe, weil vor allem die Mütter nicht eingreifen.

Das geht aus dem am Mittwoch vorgelegten Zwischenbericht der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hervor. Die Kommission forderte weitere staatliche Unterstützung, um ihre Arbeit über das bislang für 2019 erwartete Ende hinaus fortzusetzen.

Von den rund tausend Betroffenen, die sich bislang an die Kommission wandten, wurden laut dem Bericht 70 Prozent Opfer von Missbrauch in der Familie oder im engeren sozialen Umfeld.

Mütter sind häufig Mitwissende

Nach ersten Erkenntnissen wussten dabei laut der Kommission Familienangehörige zum Teil lange davon, schützten die Kinder aber nicht. Besonders Mütter stünden dabei im Fokus. Sie seien zwar auch Täterinnen, aber vorwiegend Mitwissende. In den wenigsten Fällen hätten Mütter ihren Kindern geglaubt und sie geschützt.

Gründe für das Dulden des Missbrauchs seien zum Beispiel Abhängigkeiten, Ohnmachtserfahrungen oder Gewalt in der Partnerschaft, erklärte die Kommission. Dazu kämen auch die Angst vor einem Verlust des Partners oder der gesamten Familie sowie eigene Missbrauchserfahrungen.

Wie entdeckt man, ob ein Kind missbraucht wird? FOTO: AP

Die Kommission hatte im Mai 2016 die Arbeit aufgenommen. Sie untersucht sämtliche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik und in der DDR. Es meldeten sich bislang rund tausend Betroffene sowie weitere Zeugen bei der Kommission, von denen etwa 200 angehört wurden. Zusätzlich gingen 170 schriftliche Berichte ein.

Arbeit der Kommission nur bis 2019 finanziert

Die Kommissionsvorsitzende Sabine Andresen nannte die Einrichtung der Kommission eine "wichtige Entscheidung der Politik". Damit habe diese signalisiert, "dass die Gesellschaft bereit ist, Verantwortung zu übernehmen". Die Kommission plädierte dafür, die Aufarbeitung über das Jahr 2019 hinaus zu gewährleisten. Bis dahin stehen finanzielle Mittel zur Verfügung.

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) kündigte an, sie werde sich für das Jahr 2018 dafür einsetzen, die Mittel um über eine Million Euro aufzustocken. "Sexualisierte Gewalt an Jungen und Mädchen kann Leben zerstören", erklärte Barley. Umso wichtiger sei die Arbeit der Kommission, "die sich einer oft unterträglich schwierigen Aufgabe stellt".

(isw/AFP)
 
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