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U-Bahn-Schläger
Psychologe: Täter aggressiv und unverbesserlich

Der Prozess gegen die U-Bahn-Schläger
Der Prozess gegen die U-Bahn-Schläger FOTO: ddp
München (RPO). "Total dicht" wollen die zwei jungen Männer gewesen sein, als sie den 76-jährigen Rentner in der Münchener U-Bahn fast zu Tode traten. Doch eine Ärztin widersprach der Aussage am Freitag vor Gericht. Ein Psychologe bezeichnete die Täter als "veränderungsresistent" und sehr aggressiv.

Die U-Bahn-Schläger von München waren nach Angaben einer Rechtsmedizinerin nicht volltrunken. Die von Überwachungskameras aufgezeichneten Bewegungen sprächen gegen die Angabe der beiden Angeklagten, sie wären "total dicht" gewesen, sagte die Ärztin am Freitag vor dem Landgericht.

Der damals 17-jährige Spyridon L. habe sich auf dem U-Bahnsteig und bei seinem Überfall auf einen Pensionär "völlig normal bewegt". Er habe "in einer präzisen Bewegung Anlauf genommen und gekickt", sagte die Gutachterin. Auch bei dem damals 20-jährigen Serkan A. seien keinerlei Gang- oder Standunsicherheiten zu erkennen. Dass er während des Überfalls "auf einem Bein stehen und sich den Schnürsenkel binden kann", spreche gegen die angegebene hohe Alkoholisierung. Auch sein beidbeiniger Sprungkick gegen einen Zivildienstleistenden kurz vor dem Überfall auf den 76-Jährigen setze "eher eine gute Koordination voraus".

Die Verletzungen des Pensionärs seien lebensgefährlich gewesen. Dass die Hirnblutung nicht zu einem sofortigen Atem- und Kreislaufstillstand geführt habe, sei reiner Zufall gewesen, sagte die Medizinerin.

Psychologe: Täter "veränderungsresistent"

Ein psychologischer Gutachter hat den Schlägern eine starke Neigung zu ungehemmter Aggression bescheinigt. Beide seien sehr ichbezogen und impulsiv, und beiden falle es sehr schwer, Regeln zu akzeptieren, sagte der Psychologe Günther Lauber am Freitag vor Gericht. Von dem 21-jährigen Serkan A. seien auch künftig Straftaten zu erwarten.

Der psychologische Gutachter sagte, Serkan A. sei "für eine Therapie schwer zugänglich" und "sehr veränderungsresistent": "Ich sehe die Wahrscheinlichkeit einer Veränderung eher skeptisch." Seine Intelligenz sei mit einem IQ von 64 sehr niedrig. Er zeige einen "Mangel an Interesse und Verständnis für andere Menschen" und neige zu "ungehemmter, jähzorniger Aggression".

Auch bei Spyridon L. sei die soziale Intelligenz ein Schwachpunkt. "Er lehnt es ab, sich Grenzen setzen zu lassen", sagte der Sachverständige. "In Konfliktsituationen neigt er zu offensivem bis ungehemmt aggressivem Verhalten." Affekte drücke er sehr deutlich aus.

"Opfer, kein Krimineller"

Am Donnerstag war die Mutter von Spyridon L. als Zeugin vor Gericht geladen. Laut Medienberichten schilderte sie den Werdegang ihres Sohnes vom "tollen Kind" und guten Schüler in Griechenland zum Drogen konsumierenden Schulschwänzer mit antisozialem Verhalten. Sogar seine Eltern soll der 18-Jährige geschlagen haben, wenn diese ihm Geld für Alkohol und Zigaretten verweigerten.

Schuld soll der Neuanfang in Deutschland 2001 gewesen sein. Der studierte Vater wurde arbeitslos, der damals 11-jährige Sohn lernte nicht richtig Deutsch. Ein anderer Mensch soll er unter Alkohol und Drogeneinfluss gewesen sein. Eine Therapie in einer psychiatrischen Klinik habe laut "Spiegel" zwischenzeitlich geholfen. Doch dann verweigerte sich Spyridon. Auch das Jugendamt konnte nichts ausrichten, ihm wirft die Mutter Untätigkeit vor. Für sie ist klar: "Ich glaube, Spiros ist ein Opfer, kein Krimineller."

Die Anklage wirft den beiden jungen Männern versuchten Mord vor. Prozessbeteiligte erwarten noch am Freitag zumindest das Plädoyer des Staatsanwalts.

(ap)
 
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