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Studie zu Flüchtlingen
Vor welchen Herausforderungen Schulen stehen

Vor welche Herausforderungen Flüchtlinge die Schulen stellen
Flüchtlinge während einer Unterrichtsstunde im Klassenraum einer Berufsbildenden Schule. FOTO: dpa, hoh pzi dna
Berlin. Angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, stellt sich auch die Frage nach deren Integration. Das Erlernen der Sprache, Bildung sind zwei Knackpunkte, die dabei immer wieder genannt werden. Die Schulen hierzulande stellt das aber vor enorme Herausforderungen, besagt eine aktuelle Studie. Von Dana Schülbe

Mit rund 300.000 zusätzlichen Schülern rechnet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in den nächsten zwölf Monaten angesichts der Zuwanderung durch Flüchtlinge. Und das stellt die Schulen vor enorme Herausforderungen. GEW-Vorsitzende Marlis Tepe sagt, aufgrunddessen seien weitere 8000 Lehrer je 100.000 Schüler notwendig. 

Aber wie sieht es überhaupt mit der Schulpflicht von Flüchtlingen aus und wie sind die Schulen darauf vorbereitet. Das hat das Mercator-Institut für Sprachförderung und das Zentrum für Lehrerbildung der Universität Köln in einer Studie ergründet. Sie haben dazu kommunale Daten sowie Daten des Statistischen Bundesamtes und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge analysiert. Diese reichen bis Ende 2014, also noch vor Beginn des großen Flüchtlingsandranges. Ihr Fazit: Bei der Schulpflicht für Kinder von Zuwanderern und Flüchtlingen gibt es in den Bundesländern erhebliche Lücken und Unterschiede.

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So bestehe nur in Berlin und im Saarland von Beginn an eine gesetzliche Pflicht zum Unterrichtsbesuch – also auch vor Beginn des Asylverfahrens. In den anderen Ländern gelte dies nicht automatisch, heißt es in der Studie. Entsprechend würden viele Kinder und Jugendliche faktisch vom Unterricht ausgeschlossen. 

"Das Verfahren kann derzeit mehrere Monate, teilweise länger als ein Jahr dauern", kritisierte Mona Massumi, Mitautorin der Studie. Sie empfahl, dass zwischen Ankunft und Schulbesuch nicht mehr als drei Monate liegen sollten. Und in der Zwischenzeit sollten außerschulische Lernangebote geschaffen werden.

Fotos: Flüchtlinge stellen Deutschland vor Herausforderung FOTO: dpa, car pzi

Desweiteren stellen die Studienautoren fest, dass es in den Bundesländern unterschiedliche verbindliche Regelungen in Bezug auf die Organisation des Unterrichts gebe. So gebe es etwa integrativen Unterricht in normalen Klassen oder es würden parallel geführte Klassen eingerichtet, in denen die Schüler zunächst Deutsch lernten. Und in den meisten Bundesländern gebe es mehrere Modelle gleichzeitig. Welches das effektivste sei, dass lasse sich derzeit aber noch nicht feststellen, heißt es.

Die Studie zeigt ferner, dass die Länder zunehmend Unterstützungs- und Fortbildungsangebote für Lehrer und Schulen auf den Weg bringen. "Das Angebot ist jedoch häufig unübersichtlich."

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Insgesamt, so heißt es in der Studie, seien 2014 knapp 100.000 Kinder und Jugendiche im schulpflichtigen Alter nach Deutschland gekommen. Der Anteil der Zugewanderten an den Schulen betrage aber im Gesamtverhältnis gerade mal ein Prozent.

mit Agenturmaterial

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