| 16.01 Uhr

Berlin
Blut, Schweiß und Wetten

"Auf kurze Distanz" mit Tom Schilling in der ARD ist brutal spannend
FOTO: WDR/UFA FICTION GmbH/Jakub Bejnarowicz
Berlin. "Auf kurze Distanz" spielt im Milieu der Wett-Mafia. Äußerst brutal, aber vor allem spannend. Von Andreas Heimann

Wo es um viel Geld geht, ist die Mafia nicht weit. Das gilt auch für Sportwetten. Das Manipulieren von Fußballspielen ist ein lukratives Geschäft für die organisierte Kriminalität. Und eins, in dem Misstrauen, Lüge, Verrat und Gewalt alltäglich sind, wie im Thriller "Auf kurze Distanz". Es ist kein Film für gemütliche Abende auf dem Sofa. Dafür spielt er zu viel in trostlosen Wettbüros. Und dafür wird auch viel zu oft so hart zugeschlagen, dass das Nasenbein bricht.

Im Mittelpunkt steht Klaus Roth, ein Polizist, der sich als verdeckter Ermittler in die serbische Wettmafia einschleusen lässt. Tom Schilling (34) ist für diese Rolle eine ideale Besetzung. Er spielt den sensiblen, eher zurückhaltenden als großspurigen Polizisten mindestens so glaubwürdig wie Edin Hasanovic (23) den jungen Serben Luka. Die beiden stehen auf unterschiedlichen Seiten, aber sie kommen sich näher, und in gewisser Weise mögen sie sich sogar. In einem anderen Leben wären Klaus und Luka beste Freunde geworden. Aber ein verdeckter Ermittler und ein Mitglied eines serbischen Clans, der vor Erpressung, Wettbetrug und Mord nicht zurückschreckt, haben dafür nicht die besten Voraussetzungen. Frank Dudek (Jens Albinus), Roths abgebrühter Vorgesetzter, will den jungen Polizisten vor allem benutzen, um an Aco Goric (Lazar Ristovski) heranzukommen, Lukas Onkel und den Paten des Clans. Anfangs läuft alles glatt. Die Familie scheint Roth zu vertrauen, Luka macht ihn zum Paten seines neugeborenes Sohnes. Bei der Tauffeier hält Roth auf Serbisch eine Rede. Aber dann eskaliert ein Konflikt zwischen serbischen und türkischen Wettbetrügern. Und feierliche Reden zählen bald nichts mehr. Das Geschäft geht nun einmal vor.

"Aus kurzer Distanz" erzählt eine unschöne Geschichte weitgehend glaubhaft. Ein wenig überstrapaziert wirkt das Stereotyp der feierwütigen, Schnaps bechernden Serben, die die Fäuste fliegen lassen, für die Familienehre alles ist und ein Menschenleben gar nichts. Aber in einem Thriller wird mit grobem Pinsel gemalt. Am Schluss in Blutrot.

"Auf kurze Distanz", Das Erste, 20.15 Uhr

(dpa)
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