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Teleshopping
Einkaufsbummel am Bildschirm

Düsseldorf. Seit zwei Jahrzehnten sind Teleshopping-Sender wie QVC und HSE24 auf Sendung - und Millionen Menschen schauen zu.

Gut zwei Jahrzehnte gibt es Teleshopping im deutschen Fernsehen, und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Ob es um die neueste Strandmode, den Kampf gegen Falten oder unliebsame Krabbeltiere geht, Sender wie der Düsseldorfer Marktführer QVC oder der Münchner Konkurrent HSE24 haben eine millionenstarke Fangemeinde. Da werden Moderatoren zu Stars, und die Themen der Dauer-Werbesendungen können in eigenen Programmzeitungen verfolgt werden.

Zehn Jahre nach dem Start der US-Muttergesellschaft war der deutsche Ableger von QVC in Düsseldorf 1996 ganz nach amerikanischem Vorbild auf Sendung gegangen. Der Konkurrent HSE24 hatte einige Monate zuvor als damals erster deutscher Shoppingsender unter dem Namen H.O.T. im Herbst 1995 den Betrieb aufgenommen. Aktuell zählt eine Studie im Auftrag der Landesmedienanstalten 20 Shoppingsender. Hinter QVC und HSE24 kämpfen Anbieter wie der Klunker-Kanal Juwelo oder Sparhandy TV um Aufmerksamkeit.

Mit einem Gesamtumsatz von 1,78 Milliarden Euro konnte die deutsche Teleshoppingbranche im vergangenen Jahr einen Zuwachs um rund 100 Millionen Euro verbuchen. Der größte Anteil entfiel dabei auf die beiden Schwergewichte, die ihre Umsätze jeweils deutlich steigern konnten. QVC erwirtschaftete im vergangenen Jahr in Deutschland einen Umsatz von 837 Millionen US-Dollar (754 Millionen Euro), HSE24 beziffert seinen Umsatz in der Gruppe auf 715 Millionen Euro.

Dabei konnte sich die deutsche Teleshopping-Branche nach Beobachtung des Medien-Analysten Mathias Birkel bereits in der Vergangenheit über ein stabiles Wachstum von etwa drei bis vier Prozent pro Jahr freuen. Ein Ende sei erst einmal nicht in Sicht, so der Experte der Medienberatung Goldmedia.

Das Geschäftsmodell ist nach Einschätzung von Birkel einfach wie wirkungsvoll. "Das Erfolgsgeheimnis ist die emotionale Art des Produktverkaufs", sagt er. Im Ergebnis kaufe der Kunde oft Produkte, die er eigentlich gar nicht gesucht habe.

"Es geht um den Kick", stellt Medienpsychologe Jo Groebel fest. Die Schwelle, etwas zu bestellen, sei "enorm niedrig". Die Sender liefen dabei in manchen Haushalten wie eine Art "lebende Tapete" im Hintergrund. "Es hat auch eine soziale Komponente. Man wird Teil einer Teleshoppinggemeinschaft", sagt Groebel. Durch die Stars unter den Moderatoren werde die Sendertreue gefördert - wie bei einer Serie.

Auch QVC-Moderatorin Angie Herzog kann sich über eine loyale Zuschauergemeinde freuen. Viele Fans verfassten handgeschriebene Briefe und seien wie Freunde oder Familienmitglieder, berichtet die 40-Jährige, die täglich bis zu drei Stunden live auf Sendung ist.

Berühmtheiten wie die Herzogin von York und Ex-Frau von Queen-Sohn Prinz Andrew, Sarah Ferguson, sucht man in deutschen Shoppingkanälen dagegen noch vergeblich. "Fergie" hatte bei der US-Mutter des Düsseldorfer Senders Küchenmixer verkauft, in "enormen Stückzahlen", wie QVC-Deutschland-Chef Mathias Bork berichtet.

Die Verkaufszahlen eines Produkts und die erzielten Umsätze können dabei während der laufenden Sendung in der Regie des Senders aktuell verfolgt werden. "Unsere Ausrichtung ist ganz klar auf Rendite", stellt Bork fest. "Top-Kunden" des Senders bestellten dabei bis zu 50 Mal und mehr im Jahr. Die rund 1,8 Millionen meist regelmäßigen Kunden seien vorwiegend weiblich und etwa 53 Jahre alt.

Der Schlüssel zum Erfolg ist laut Bork einfach: Man müsse Problemlösungen anbieten und dem Kunden zeigen, "dass er ein Problem hatte, von dem er gar nicht wusste".

(dpa)
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