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Münchner "Tatort"
Ach du liebes bisschen!

München-"Tatort" dreht sich um die Liebe
München-"Tatort" dreht sich um die Liebe FOTO: BR/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden
Düsseldorf. Schon wieder ein Münchner "Tatort": Der Fall "Die Liebe, ein seltsames Spiel" war spannend, verhedderte sich am Ende aber in einer unglaubwürdigen Auflösung. Von Martina Stöcker

Wie viele Menschen darf man lieben? Anhänger der Polyamorie finden, es dürfen mehrere sein. Das war das Thema des Münchner "Tatort". Der Architekt Thomas Jacobi führt Beziehungen zu fünf Frauen, von denen nur eine weiß, dass sie nicht die Einzige in seinem Leben ist. Als zwei der Damen ermordet werden, steht der Mann sofort unter Verdacht. Die Münchner "Tatort"-Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) verlieren aber bei all den Damen zwischendurch den Überblick. "Die wievielte war das jetzt? Die Dritte? Oder schon die Vierte?"

Und, wie war er?

Regisseur Rainer Kaufmann hat "Die Liebe, ein seltsames Spiel" gut inszeniert. Besonders die Musik, die Videosequenzen und das tolle Spiel von Martin Feifel als Jacobi bleiben in Erinnerung. Nur das Ende wirkt unglaubwürdig: Eine Verehrerin will ihrem Chef helfen und ein Familienvater eine größere Wohnung – deshalb werden sie zu Mördern. Das wurde der klugen Gesellschaftsstudie über die Grenzen der Liebe nicht gerecht.

Alles dreht sich um Liebe

Nicht nur die Kommissare wundern sich, wie Architekt Jacobi das alles hinbekommt. Mega-erfolgreich im Job und bei den Frauen. Deshalb muss er seine ganzen Beziehungen koordinieren. Für jede hat er eine andere Legende gezimmert, doch alle kleben an ihm, auch als sie seinen Betrug erkennen. "Nur weil ich Beziehungen anders lebe, bin ich noch lange kein Mörder", betont er bei einer Vernehmung.

Doch Drehbuchautorin Katrin Bühlig gelingt es, sein Ego im Laufe des Krimis zu demaskieren. "Ich lasse mich nicht einsperren, von niemandem", tönt der Frauenheld, als wäre eine Beziehung ein Kerker bei Wasser und Brot. Zudem will er "die Beziehung austrocknen", damit die Frau Schluss macht. Aber um welche Liebe geht es überhaupt? In Wahrheit wohl nur um die Selbstliebe.

"Sie sind ein eitles Genie", sagt Leitmayr dem Mann am Ende auf den Kopf zu. Dafür spricht, dass all seine Geliebten sein 3D-Abbild im Glaswürfel zu Hause stehen haben. Einer davon wurde zur Mordwaffe. Das Modell der Polyamorie hat Jacobi übrigens nicht gelebt. Denn dieses Lebensmodell beinhaltet Offenheit und Wissen um die mehreren Beziehungen bei allen Beteiligten.

Bester Spruch

"Eigentlich gibt es für jeden von uns einen da draußen. Aber manchmal klappt es nicht ganz mit der Verteilung", sagen die Kommissare. Das Gefühl kennt jeder.

Die geohrfeigte Leiche

Der hintergangene Ehemann sieht seine ermordete Frau in der Rechtsmedizin zum letzten Mal und ohrfeigt sie. Der Kopf der Leiche fliegt dabei zur Seite. Geht das überhaupt? Laut Stefanie Ritz-Timme, Direktorin der Rechtsmedizin der Uni Düsseldorf, löst sich die Leichenstarre nach zwei Tagen. Theoretisch also denkbar, dramaturgisch war wohl noch nicht so viel Zeit verstrichen.

Apropos Dramaturgie

Da die München-"Tatorte" so schnell aufeinander folgen – der letzte war erst Ende April zu sehen – haben die Zuschauer noch den letzten Fall gut in Erinnerung. In "Der Tod ist unser ganzes Leben" wurde Leitmayr verletzt, Batic lag sogar im Koma. Im neuen Fall wird darauf gar kein Bezug genommen. Das wirkt seltsam. Und ausgerechnet Batic scheint in Topform, schwebt er doch auf Wolke sieben, weil er frisch verliebt ist. Seine Josie ist zwar verheiratet, aber damit hadert er zu Beginn nicht. Schöner Gag: Sie eilt nach dem Quickie wieder zurück zum Ehemann, er sitzt mit seinem selbstgekochten Essen einsam am Küchentisch. "Ich habe extra für dich gekocht!", beklagt er sich. "Frier es ein", rät sie ihm – ein netter Rollentausch.

Heimlicher Star des Falls

Jacobi fährt einen Oldtimer, einen Jensen Interceptor. Der britische Automobilhersteller Jensen baute ihn zwischen 1966 und 1976.

 
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