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Studentenleben
Süße Nostalgie

Die Erstsemester. Langsam finden sie sich an der Uni zurecht, doch eines sind sie immer noch: süß. Schon von Beginn an verniedlicht man sie, "Erstis" werden sie genannt. "Drittis" oder "Neuntis" finden sich nicht mehr in unserem Sprachgebrauch. Die zuckersüßen Erstis dagegen erhalten nicht nur eine eigene Bezeichnung, sondern auch Informationsveranstaltungen, Partys und Kontakt zu dienstälteren Studierenden. Letztere scheinen sich jedoch oft nicht ganz entscheiden zu können, wie mit diesen Erstis umgegangen werden sollte. Ihre Begrüßung besteht immer aus einer seltsamen Mischung von mehreren Aussagen: Herzlich willkommen an der Uni. Aber fühlt euch nicht zu schnell zuhause. Noch wisst ihr nichts. Noch habt ihr keine Ahnung von der Uni, "kommt erst mal ins dritte Semester". Denn im dritten Semester weiß man Bescheid. Vielleicht nicht unbedingt in fachlicher Hinsicht, aber gemeinsam mit den Studierenden, die bereits eine Ausbildung fertiggestellt haben, erfüllen die "Drittis" mittlerweile ein wichtiges Kriterium in Sachen Lebensweisheit: Sie kommen nicht mehr direkt aus der Schule. Die große Nervosität vor dem ersten Referat an der Uni ist lange verschwunden, die erste Probe-Hausarbeit ist kein Weltuntergang gewesen, und es gibt ein Leben nach der ersten Klausur. Schule liegt lange zurück, jetzt hat ein neuer Abschnitt begonnen.

Diese Einstellung ist allerdings leicht angreifbar. Ein einzelner, tückischer Satz kann eine beispiellose Nostalgie-Welle auslösen. "Ich habe letztens meiner Schwester bei den Hausaufgaben geholfen - die haben es noch gut!" Freiheit und Selbstständigkeit hin oder her: Hausaufgaben, die sich zur Not auch noch morgens in der Bahn erledigen lassen, waren toll. Lehrerinnen und Lehrer kannten sämtliche Namen ihrer Schützlinge, und zur Not ließ sich die Note noch mit einem Referat am Schuljahresende retten. Und das alles durften diese Erstis gerade noch genießen! Das Belächeln von Erstis ist also nicht zwangsläufig Arroganz - vielleicht ist es eben einfach ein nostalgisches Lächeln.

Quelle: RP
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