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Schuberts Klaviermusik zu vier Händen

Klassik "In Oberösterreich finde ich allenthalben meine Compositionen, besonders in den Klöstern Florian und Kremsmünster, wo ich mit Beihilfe eines braven Clavierspielers meine vierhändigen Variationen und Märsche mit günstigem Erfolge producirte." Das schrieb Franz Schubert im Jahr 1825, und wer sich ein bisschen in seinem Klaviermusikschaffen auskennt, der weiß, welche musikalische Wiege dort gestanden hat (obwohl Schubert dort eben nicht nur Klöster, sondern auch Wirtshäuser besuchte).

Hier gebar und vervollkommnete der große Komponist seine Idee von häuslich aufzuführender Musik, die damals einen geradezu gigantischen Erfolg hatte, so dass der Komponist von den Verlegern immer wieder bekniet wurde, doch noch weitere Werke dieses Genres zu verfertigen. Man saß damals eben gern im heimischen Wohnzimmer, während draußen die Spitzel Metternichs umherschlichen. Schuberts Musik für Klavier zu vier Händen ist aber keineswegs nur harmlos, mehr als nur eine Tändelei für den Salon und den Biedermeier.

Gewiss zählen das Rondo op. 107 oder die Polonaise op. 61 nicht gerade zu seinen Werken, die die Welt verändern, aber die große Fantasie f-Moll op. 103 ist ein Meisterwerk, das zunächst ein wenig an die Arie der Barbarina in Mozarts "Figaro" erinnert, aber gerade durch die unheimliche Schlichtheit eine Dimension der seelischen Erschütterung erreicht. Schubert schafft sozusagen auf engem harmonischen und melodischen Raum eine Atmosphäre der Bedrängung, als ob unsichtbare Wände auf die Musik zukommen und sie zu erdrücken scheinen.

In der wundervollen Neuaufnahme von Klavierstücken zu vier Händen bei Harmonia mundi musizieren die beiden fabelhaften Pianisten Andreas Staier und Alexander Melnikov auf einem historischen Graf-Hammerklavier. Das Instrument klingt kostbar, aber nicht museal, es hat reiche Klangfarben. Ein weiterer Höhepunkt der (übrigens exzellent aufgenommenen) CD sind die Variationen über ein Originalthema As-Dur. Den Pianisten gelingt es, Schuberts Vision einzulösen, "dass die Tasten unter den Händen zu singenden Stimmen werden".

Wolfram Goertz

Quelle: RP
 
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