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Hubble-Beobachtungen
Wasserfontänen schießen aus dem Jupiter-Mond Europa

Gewaltige Wasserfontänen schießen aus dem Jupiter-Mond Europa
Die Oberfläche des Jupiter-Mondes Europa. FOTO: afp
Düsseldorf. Neue Hubble-Beobachtungen scheinen zu bestätigen, dass es auf Jupiters Mond Europa gewaltige Wasserfontänen gibt. Unter der kilometerdicken Eisoberfläche ist er überaus aktiv und beherbergt möglicherweise Leben. Von Ludwig Jovanovic

Rund 780 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt geht es alles andere als beschaulich zu. Neue Beobachtungen des Hubble-Weltraumteleskops scheinen zu bestätigen, dass auf dem Jupiter-Mond Europa immer wieder gewaltige Wasserfontänen aus dem -160 bis -220 Grad kalten Eis schießen, die sich 160 bis 200 Kilometer über die frostige Oberfläche erheben – um dann wieder auf die Oberfläche herabzufallen. Das zumindest ist in drei von zehn Datensätzen am Südpol des Mondes zu sehen, bei denen Europa vor der hellen Oberfläche des Jupiter zog.

Für die NASA-Wissenschaftler ist das der statistisch signifikante Nachweis dafür, dass da tatsächlich etwas vorgeht auf Europa. Es sei denn, Fehlinterpretationen der Daten führten zu falschen Schlüssen. Um diese Beobachtungen zu machen, reize man die Hubble-Technik bis an die Grenzen des technisch Möglichen aus, gaben die Wissenschaftler bei der Pressekonferenz am Montagabend zu. Und dennoch ist man sich sicher: Wasser schießt aus der Oberfläche des Jupitermondes.

Doppelt so viel Wasser wie in den Ozeanen der Erde

Die Behauptung ist indes nicht neu. Bereits 2012 wurden ähnliche Beobachtungen gemacht. Weil die sich aber nicht bestätigen ließen, war man sich nicht sicher. Denn so profan es klingt: Wasserfontänen sich nichts Selbstverständliches in unserem Sonnensystem. Es gibt sie auf der Erde. Sie wurden auch auf dem kleinen Saturn-Mond Enceladus mit nur knapp 500 Kilometer Durchmesser entdeckt. Europa wäre also erst der dritte Himmelskörper. Aber ist er ein ganz anderes Kaliber als Enceladus: Mit einem Durchmesser von rund 3100 Kilometer ist er zwar kleiner als unser Mond (3476 Kilometer), aber größer als beispielsweise Pluto. Und Europas Dichte weist daraufhin, dass da mehr ist als nur Eis. Der Mond hat einen festen Kern unter dem mehrere zig bis hunderte Kilometer dickem Eis. Was aber noch wichtiger ist: Unter dem Eis scheint es einen Ozean zu geben. Mit flüssigem Wasser – und zwar doppelt so viel wie in allen irdischen Weltmeeren zusammengenommen.

Davon ging man schon vor den neuen Beobachtungen aus. Aber es gibt kaum eine Chance, sich bei zukünftigen Missionen durch die dicke Eisschicht Europas zu bohren und diesen Ozean zu untersuchen. Mit den Wasserfontänen, die nun nachgewiesen scheinen, gibt es aber neue Hoffnung für die Wissenschaftler. Eine zukünftige Europa-Mission müsste nur warten, bis eine solche Fontäne hervorschießt – und könnte so das Wasser analysieren. Möglicherweise würden man dann auch grundlegende Bausteine des Lebens entdecken. Bis hin zum direkten Nachweis von Bakterien oder Mikroben, die sich auf Europa entwickelt haben könnten. Außerirdisches Leben würde sich dann quasi vor unserer Haustür befinden.

Kandidat für außerirdisches Leben

Wie kommen die Wissenschaftler darauf? Es gibt zumindest derzeit drei Säulen für die Entstehung von Leben: Energie, flüssiges Wasser und Nährstoffe. Und alles drei scheint unter dem Eis von Europa vorhanden zu sein. Die Energie stammt nicht nur aus der Restwärme des Europa-Kerns, der sich vor 4,5 Milliarden in der chaotischen Entstehungsphase unseres Sonnensystems gebildet hat. Der Mond umkreist Jupiter in nur dreieinhalb Tagen und wird durch dessen Schwerkraft immer wieder leicht verformt. Dadurch entsteht Reibung, die den Mond aufwärmt. So sehr, dass unter der eisigen Oberfläche flüssiges Wasser existieren kann. Damit sind zwei der drei Grundbedingungen des Lebens erfüllt. Messungen von Europas Magnetfeld sprechen aber auch noch dafür, dass Salze in dem Wasser gelöst sind – die wiederum ein Indiz für lebensfreundliche Bedingungen sind. Das macht den Jupitermond zu einem Kandidaten für außerirdisches Leben.

Unklar ist indes, wie die Wasserfontänen genau entstehen: Sind es wirklich Risse im kilometerdicken Eis, durch die das Wasser bis an die Oberfläche schießt? Oder sind es abgeschlossene Seen, die so gut wie gar nicht mit dem gewaltigen Ozean verbunden sind? Höhlen sozusagen, die unter dem Druck des Eises irgendwann zusammenbrechen und dabei das Wasser an die Oberfläche pressen? Bislang konnte auch noch kein zeitliches oder räumliches Muster für die Fontänen festgestellt werden. Wenn eines Tages Sonden den Mond erforschen werden, müssten sie aber zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um auch die Fontänen zu analysieren.

ESA will bis 2030 Jupiter und Europa erreichen

(jov)
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