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Berlin
Arztfehler häufig bei Kniegelenken

Berlin: Arztfehler häufig bei Kniegelenken
FOTO: Friso Gentsch
Berlin. Mehr als 12 000 Beschwerden zu Kunstfehlern sind im vergangenen Jahr bei der Bundesärztekammer eingegangen. In etwa jedem dritten bearbeiteten Fall lag tatsächlich ein Behandlungsfehler vor. Von Eva Quadbeck

Die Zahl der Beschwerden über ärztliche Kunstfehler bei der Bundesärztekammer ist im vergangenen Jahr um 9,2 Prozent gestiegen. Insgesamt gingen bei der Gutachterkommission rund 12 000 Fälle ein. Rund 7600 Anträge wurden bearbeitet, in knapp einem Drittel der Fälle kam die Ärzteschaft zu dem Ergebnis, dass tatsächlich ein Behandlungsfehler vorliege.

Die häufigsten Fehler gab es nach der offiziellen Statistik der Bundesärztekammer bei der Behandlung von Knie- und Hüftgelenkarthrosen sowie bei der Versorgung von Brüchen der Unterarme, Unterschenkel und Sprunggelenke. In den Auseinandersetzungen geht es vielfach darum, dass bei Operationen nicht exakt genug gearbeitet wurde. 82 Menschen starben infolge eines ärztlichen Kunstfehlers. Meistens hätten Fehler aber nur vorübergehende Auswirkungen, erklärte Johann Neu, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen in Norddeutschland.

In Kliniken passieren die häufigsten Fehler im Bereich Chirurgie und Orthopädie. Danach kommen die Innere Medizin und die Frauenheilkunde. Bei niedergelassenen Ärzten hat auch das Fachgebiet der Chirurgie die größte Fehleranfälligkeit, gefolgt von Hausärzten, Augenärzten und Internisten.

Den Anstieg der Patientenbeschwerden wertete Neu allerdings nicht als Ausweis schlechter Arbeit der Ärzte. Vielmehr habe die öffentliche Debatte über das Patientenrechtegesetz und eine gestiegene Sensibilität der Patienten dazu geführt.

Aus der Gruppe der 50- bis 59-Jährigen werden besonders häufig Vorwürfe wegen Kunstfehlern erhoben. Von den Antragstellern sind 55 Prozent weiblich.

Die Zahl der Kunstfehler insgesamt liegt deutlich über der Zahl der von den Ärzten bearbeiteten Beschwerden. Auch bei Gerichten, Versicherungen und beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen werden die Fälle behandelt. Rechnet man Doppelmeldungen heraus, liegt die geschätzte Zahl der jährlichen Beschwerden bei 40 000.

Die Ärzte selbst verweisen darauf, dass die Zahl der tatsächlichen Behandlungsfehler im Vergleich zu den 18 Millionen Klinik-Behandlungen jährlich und den 540 Millionen Praxis-Fällen ein sehr geringer Anteil sei. "Das spricht dafür, dass die Behandlungsqualität nicht so schlecht sein kann", sagte Neu, räumte aber zugleich ein, dass jeder falsch behandelte Patient stets zu 100 Prozent betroffen sei.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), ist mit dem Umgang von Behandlungsfehlern nicht zufrieden. Er forderte "die Vereinheitlichung der von verschiedenen Seiten zu Behandlungsfehlern vorgelegten Statistiken, um ein vollständigeres Bild zu erhalten". Ziel müsse es sein, Behandlungsfehler so weit wie möglich zu vermeiden – "und da sind andere Branchen dem Gesundheitswesen noch weit voraus", sagte Zöller. Der Austausch über Fehler und Beinahe-Fehler müsse zu einem festen Bestandteil des Behandlungsgeschehens werden. Zöller verwies darauf, dass die Regierung mit dem Patientenrechtegesetz Regelungen zu Risikomanagement- und Fehlermeldesystemen getroffen habe.

Inwieweit Checklisten und Risikomanagement im Klinik-Alltag, in dem häufig unter Zeitnot und mit knapper personeller Besetzung gearbeitet wird, tatsächlich umgesetzt werden, konnten die Mediziner der Bundesärztekammer gestern nicht beantworten.

Quelle: RP
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