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Mehr Schutz für Stalking-Opfer
Die Reform war überfällig

Stalking: Was es ist und wie man sich schützt
Stalking: Was es ist und wie man sich schützt FOTO: Shutterstock/ Brian A Jackson
Meinung | Berlin. Bislang konnte ein Stalker nur dann bestraft werden, wenn er auch Erfolg hatte und sein Opfer die Wohnung oder den Arbeitsplatz wechselte. Es war höchste Zeit, das Gesetz nachzubessern. Von Eva Quadbeck

Nächtliche Anrufe im Viertelstunden-Takt, Auflauern auf dem Weg des Opfers von der Arbeit nach Hause, Online-Bestellungen auf Name und Adresse des Opfers, Verleumdungen in  sozialen Netzwerken – Stalker sollen von der Justiz künftig leichter verfolgt und bestraft werden können. Das Kabinett brachte dazu am Mittwoch eine Gesetzesänderung auf den Weg.

Diese Rechtsreform war überfällig. Bislang mussten die Opfer erst so verzweifelt und psychisch unter Druck sein, dass sie beispielsweise den Arbeitsplatz oder den Wohnort wechselten, um ihrem Peiniger zu entgehen.

Nun muss das Leben der Opfer nicht erst zerstört sein, bevor Stalker bestraft werden können. Künftig kann ihnen die Justiz auch leichter Auflagen machen, sich von ihren Opfern fernzuhalten. Beide Neuerungen sind richtig. Sie ermöglichen, konsequenter gegen die Täter vorzugehen und die Opfer besser zu schützen.

Ein untragbarerer Zustand

Was Stalking mit einem Menschen macht, darf man nicht unterschätzen. Viele Opfer leiden über Jahre unter Angst- und Stresszuständen – auch wenn die konkreten Attacken schon aufgehört haben. Zwar werden Stalker nicht unbedingt körperlich übergriffig, mit Drohungen können sie ihre Opfer dennoch in Todesangst versetzen. Diese Angriffe können einen Menschen psychisch zerstören. Stalker legen es darauf an, Macht über das Leben ihrer Opfer zu bekommen. Es war also ein untragbarer Zustand, dass es von den Nerven des Opfers abhing, ob ein Täter bestraft werden konnte oder nicht.

Diese Gesetzeslücke wird nun geschlossen. Vielen Betroffenen wird das helfen. Doch vor dem Hintergrund, dass die geschätzte Dunkelziffer von Stalking-Opfern die Zahl der polizeilich erfassten Fälle um ein Vielfaches übersteigt, ist die Neuregelung auch nur ein kleiner Schritt für die Bewältigung eines großen Problems.

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