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Die Borussen mit den wenigsten Bundesliga-Minuten

Zehn unterschiedliche Biografien, ein Schicksal: eine sehr kurze Erstliga-Karriere im Gladbach-Trikot.

Die Borussen mit den wenigsten Bundesliga-Minuten

Djibril Sow: eine Minute (2017)

Vier Tage nach dem Fehlschuss des Schweizers im Elfmeterschießen des DFB-Pokal-Halbfinales gegen Eintracht Frankfurt wollte Dieter Hecking wohl ein Zeichen setzen, nach dem Motto: Mach' dir keinen Kopf, das Leben geht weiter! Genau 56 Sekunden durfte Sow beim Auswärtssieg gegen den FSV Mainz ran. Im Sommer wechselte er zurück in die Heimat zu den Young Boys Bern.

Die Borussen mit den wenigsten Bundesliga-Minuten

Berthil ter Avest: zwei Minuten (2001)

In der 2. Bundesliga reichte es zu 20 Einsätzen, nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga nur zu einem einzigen. Bis Sow ihn ablöste, war der Niederländer also Borussias Rekordhalter in dieser Kategorie. Bei der Niederlage in Bremen kam er kurz vor Schluss rein, nachdem Gladbach sehr spät das 0:1 kassiert hatte. Heute arbeitet ter Avest als Blumenhändler.

Die Borussen mit den wenigsten Bundesliga-Minuten

Matthias Zimmermann: acht Minuten (2011)

Mit gerade einmal 19 Jahren hatte er bereits 50 Zweitligaspiele für den Karlsruher SC absolviert und die Fritz-Walter-Medaille in Silber gewonnen (Gold ging in seinem Jahrgang an Marc-André ter Stegen, Bronze an Kevin Volland). Doch in der Bundesliga kam Zimmermann nur acht Minuten bei einem 2:1-Sieg in Berlin zum Einsatz. Ein Leihgeschäft mit der SpVgg Greuther Fürth verlief auch nicht so erfolgreich (beim Gastspiel in Gladbach sah er Gelb-Rot), über den SV Sandhausen und Borussias U23 führte Zimmermanns Weg zur U23 des VfB Stuttgart. Dort arbeitete er sich hoch zu den Profis und schien im Sommer 2017 endlich den Sprung zum Bundesligaspieler geschafft zu haben – bis ihn Ende August ein Kreuzbandriss ausbremste.

Die Borussen mit den wenigsten Bundesliga-Minuten

Timothée Kolodziejczak: neun Minuten (2017)

Als "Gewinnertyp" wurde "Kolo" in der Winterpause vorgestellt, den Vorschusslorbeeren wurde er bei seinem einzigen Einsatz in der Bundesliga faktisch gerecht: Borussia gewann 4:2 gegen Schalke. Fünf Tage später spielte der Franzose bereits ein letztes Mal – in der Europa League, wieder gegen Schalke. In Mexiko bei den UANL Tigres kann er den "Königsblauen" immerhin aus dem Weg gehen. Ansonsten war seine Zeit in Gladbach ein einziges Missverständnis. Erst ließ ihn Dieter Hecking draußen, dann verletzte sich "Kolo", dann hatte die Mannschaft Erfolg, dann war sie eingespielt – aus diesem Strudel konnte er sich nie wieder befreien und ging nach nur acht Monaten.

Die Borussen mit den wenigsten Bundesliga-Minuten

Ba-Muaka Simakala: elf Minuten (2017)

Dass sein Trikot nun im Kabinengang der Eigengewächse hängt, kann dem Angreifer niemand mehr nehmen. Fraglich ist, was nach seinem bislang einzigen Profieinsatz für Borussia in Darmstadt noch kommt. Unter Hecking trainiert Simakala nur noch selten mit, meist ist er bei der U23. Aber von den anderen Namen in dieser Liste unterscheidet ihn immerhin die Tatsache, dass es eine theoretische Chance auf die Einsatzminuten zwölf bis x gibt.

Die Borussen mit den wenigsten Bundesliga-Minuten

Sven Lintjens: zwölf Minuten (1998)

Dass die Mutter eines Spielers sich im Verein einen größeren Namen gemacht hat als der Spieler selbst, dürfte in der Bundesliga einmalig sein. Birgitt Lintjens ist die Herbergsmama im Gladbacher Vereinsinternat und hat für spätere Stars wie Marko Marin oder Patrick Herrmann gesorgt. Ihr Sohn Sven spielte genau zweimal für Borussia. 1998 durfte er elf Minuten beim 2:1 in Dortmund ran und eine beim 5:2 gegen Rostock – es waren wichtige Siege auf dem Weg zum ersten Gladbacher Nichtabstiegswunder unter Friedel Rausch. Später folgten immerhin noch 69 Zweitligaspiele für diverse Klubs im Westen.

Die Borussen mit den wenigsten Bundesliga-Minuten

Sharbel Touma: 14 Minuten (2008)

Der Schwede schoss Borussia nun nicht gerade im Alleingang zum Aufstieg, zeigte aber ein paar ansprechende Leistungen. Im Oberhaus durfte er unter Jos Luhukay nur 14 Minuten bei einer Niederlage gegen Hertha ran, dann wurde der Trainer entlassen und sein Nachfolger Hans Meyer sortierte Touma aus. Der trainierte fortan nur noch bei der U23, durfte aber nicht spielen. Im Sommer 2009 wurde sein Vertrag vorzeitig aufgelöst.

Die Borussen mit den wenigsten Bundesliga-Minuten

Joshua King: 20 Minuten (2011)

"Absolut furchtbar", nannte der Norweger sein halbes Jahr in Gladbach. "Ich werde nie wieder nach Deutschland zurückkehren, egal welches Angebot kommt." Blöderweise sagte er diese Worte auf einer Pressekonferenz vor einem Länderspiel in Stuttgart, das Norwegen 0:6 verlor. Das Ergebnis dürfte die Wogen nicht geglättet haben. Dass Borussia einen Spieler von Manchester United ausleihen konnte, war 2011 etwas Besonderes. Doch King konnte die Erwartungen nicht erfüllen, weil er erst verletzt war und es für die Mannschaft um Marco Reus dann bei seiner Rückkehr bestens lief. Inzwischen trifft King regelmäßig für Bournemouth in der Premier League.

Die Borussen mit den wenigsten Bundesliga-Minuten

Quido Lanzaat: 24 Minuten (2002)

In der Silvesternacht 1999 rauchte der Niederländer den berühmtesten Joint der Vereinsgeschichte. Der wurde ihm zum Verhängnis, als er nach dem Sieg beim DFB-Hallenmasters positiv auf THC getestet wurde. Borussia bekam den Titel aberkannt. Nach dem Wiederaufstieg 2001 kam Lanzaat nur einmal zum Einsatz – am 33. Spieltag der Saison 2001/2002 beim 1:1 gegen Rostock. Später sorgte er für Schlagzeilen, als er einige Tage lang vermisst wurde.

Die Borussen mit den wenigsten Bundesliga-Minuten

Christian Hock: 25 Minuten (1992)

Der älteste Kurzarbeiter in dieser Liste. Beim FSV Mainz wurde er ein langjähriger Zweitligakicker, in Gladbach kam er am letzten Spieltag der Saison 1992/93 beim Stand von 0:2 in Leverkusen ins Spiel, Borussia verlor noch 0:4.