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Borussia Mönchengladbach
Warteschleife statt Durchmarsch für Borussias Talente

Die Einsatzzeiten der Borussen
Die Einsatzzeiten der Borussen FOTO: dpa, bt jai
Mönchengladbach. Der Weg ins aktuell so erfolgreiche Profiteam ist für Borussias Talente so schwer wie nie. Über Ausleihen vertagen Verein und Spieler die Frage nach einer Zukunft im Verein. Eines ist klar: Durchstarten können nur noch außergewöhnlich Begabte wie einst ter Stegen oder Herrmann. Von Stefan Klüttermann

An den Anfang sei die Frage gestellt, welche Konstellationen einem Nachwuchsspieler den Weg in ein Profiteam ebnen können. Es gibt fünf: 1) Er ist ein außergewöhnliches Talent, dessen Weg nach oben vorgezeichnet ist, 2) er empfiehlt sich nachhaltig im Training gegenüber etablierten Kräften, 3) er profitiert vom Verletzungspech im Kader, 4) er profitiert davon, dass eine Mannschaft nicht funktioniert und der Trainer etwas ändern will und muss, oder 5) der Trainer will mit dem "Hineinwerfen" eines Talents den arrivierten Profis einen Denkzettel verpassen. Geht man diese fünf Möglichkeiten im Hinblick auf Borussias Nachwuchshoffnungen durch, kommt man zum Schluss, dass die Aussicht auf Einsätze im Profiteam für sie derzeit so gering ist wie lange nicht mehr.

In einem funktionierenden und erfolgreichen Team muss Trainer Lucien Favre keine Denkzettel verpassen, und die Youngster, die mittrainieren dürfen, treffen eben seit ein, zwei Jahren eben auch in der Breite auf gestiegene Qualität der Konkurrenten. Für einen Amin Younes dürfte dabei Max Eberls Zitat vom Donnerstag aufschlussreich sein: "Wenn ich Josip nehme, wenn ich Branimir nehme, Stindl, Hazard, Raffael, Herrmann, Traoré, Johnson, da haben wir doch Qualität, die da vorne ist und die auch Tore schießen kann", sagte Eberl. Wo soll da ein Younes realistisch zu Einsatzminuten kommen?

Hinzu kommt: Borussia weist nach Berechnungen des Fachblogs "fussballverletzungen.com" in den zurückliegenden vier Bundesligaspielzeiten mit Abstand die wenigsten verletzungsbedingten Ausfälle aller Teams auf. Was gut für Borussia ist, tilgt eine weitere Chance für Talente. Und ein derart herausragendes Talent wie früher ein Marc-André ter Stegen oder ein Patrick Herrmann ist eben im oberen Jugendbereich nicht auszumachen. Aus all dem folgt: Für Borussias Youngster wird die Warteschleife zur Normalität. Zuweilen in Form einer Ausleihe wie zuletzt bei Amin Younes oder nun bei Nico Brandenburger und Janis Blaswich. Die beiden Letztgenannten kämpfen künftig um Spielpraxis in der ersten Schweizer und dritten deutschen Liga. Doch selbst, wenn diese Spielzeit für sie zufriedenstellend läuft, wird es immer noch ein großer Sprung hin zum Level in Lucien Favres Team sein.

Sie waren für uns die fünf Besten FOTO: dpa, gam jai

In dem sind Marvin Schulz und Mo Dahoud zwar fest dabei, aber auf den letzten Schritt in Gestalt regelmäßiger Einsätze warten beide weiterhin. Und von Schulz' und Dahouds Rolle sind ein Marlon Ritter und ein Bilal Sezer noch mal ein Stück entfernt. Klar ist: Mit jeder Saison, die ohne Durchbruch ins Land geht, wird wahrscheinlicher, dass die Zukunft eines Talents in einem anderen Verein liegen dürfte. Ausbildung für Zweit- und Drittligisten ist indes keine Schande, sondern seit Jahren ein bekanntes Prozedere bei den Spitzenteams der Liga.

Der Spagat zwischen dem Primat einer erfolgreich zu spielenden Saison und dem Ziel, "weiter konsequent das Prinzip der Durchlässigkeit vom Nachwuchs zu den Profis" zu verfolgen (Eberl im Januar 2015), wird in Borussias Premierenjahr in der Champions League noch einmal schwieriger. Und wenn externe Talente wie Chelseas Andreas Christensen hinzustoßen, kommt eine weitere Hürde für die eigenen Talente hinzu. Das alles ist eine normale Begleiterscheinung von Borussias Aufschwung - aber eine, die die Situation für den Nachwuchs eben nachhaltig verändert.

Das ist Mahmoud Dahoud FOTO: afp, pst/dg
Quelle: RP
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