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Handwerker
Acht Stunden pro Woche im Stau

Düsseldorf. Der nordrhein-westfälische Handwerkskammertag hat die Betriebe zum Zustand der Straßeninfrastruktur im Land befragt. Von Maximilian Plück und Florian Rinke

Vielen Bauunternehmern in NRW fällt es derzeit schwer, ihre Termine beim Kunden exakt einzuhalten. Der Grund: Sie stehen nach eigenen Angaben Woche für Woche wegen der maroden Straßen an Rhein und Ruhr mehr als acht Stunden im Stau. Unternehmen des gewerblichen Bedarfs - also Zulieferfirmen für die Industrie - beziffern den wöchentlichen Zeitverlust sogar auf 13,7 Stunden. Beim Handwerk insgesamt gehen acht Stunden pro Woche verloren. Die Zahlen stammen aus einer aktuellen Sondererhebung des Deutschen Handwerks für NRW, die unserer Redaktion vorliegt und auf den Antworten von 881 Betrieben basiert. Die NRW-Unternehmen verlieren demnach deutlich mehr Zeit auf den Straßen als im Bundesdurchschnitt. Dort lag der Wert bei 7,4 Stunden.

Grund ist vor allem der schlechte Zustand der Straßen. Ein Drittel der NRW-Handwerksfirmen bezeichnete den Zustand der Straßeninfrastruktur als ausreichend bis mangelhaft. Dass sich dieser in den vergangenen zehn Jahren (deutlich) verschlechtert habe, gaben in NRW 44,4 Prozent zu Protokoll, im Bund waren es zwei Prozentpunkte weniger. Dass sich der Zustand im gleichen Zeitraum (deutlich) verbessert habe, konstatierten in NRW dagegen gerade einmal 11,3 Prozent, während es bundesweit 23,7 Prozent waren. Die am häufigsten angeführte Begründung für den wöchentlichen Zeitverlust sind der Studie zufolge die Baustellen (48 Prozent), gefolgt von der generellen Überlastung durch ein zu hohes Verkehrsaufkommen (43,6 Prozent), die Parkplatzsuche (36,2 Prozent), Staus (33,9 Prozent), der schlechte Fahrbahnzustand und damit verbundene Geschwindigkeitsbegrenzungen (33,3 Prozent) sowie Umleitungen wegen Sperrungen (26 Prozent).

"NRW hat ein massives Verkehrsproblem. Das massivste in Deutschland", kritisiert Andreas Ehlert, Präsident des NRW-Handwerkstages. "NRW läuft nicht auf einen Verkehrskollaps zu. Es hat ihn. NRW steht im Stau." Dabei, so die Kritik des Verbandspräsidenten, sei das Problem seit Langem bekannt. Gemeinsam mit den übrigen Spitzenverbänden habe man bereits im Vorfeld der Landtagswahl massiv höhere Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur des Landes gefordert: "Wir hatten in dem Papier einen gewaltigen Kraftakt des Landes zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur gefordert, mit der triftigen Begründung: ,Durch unser Land führen zentrale europäische Verkehrsachsen, deren Kapazitäten längst erschöpft sind'", sagt Handwerkspräsident Ehlert.

Die Antwort auf die Frage, wie dem Verkehrskollaps in NRW begegnet werden soll, liefert die Studie gleich mit. Die Firmen durften jeweils die beiden wichtigsten Maßnahmen auswählen. 48 Prozent sprechen sich für Reparaturen und verbesserte Instandhaltung aus, 29,8 Prozent für den Abbau von Verkehrsengpässen - etwa im Kreuzungsbereich. 25,6 Prozent fordern eine Entlastung der Straße durch mehr Schienengüterverkehr, 21,4 Prozent erklären zudem, Pendler sollten durch Verbesserungen im Nahverkehr dazu animiert werden, vom Auto auf die Bahn umzusteigen. 17,7 Prozent verlangen eine Optimierung der Verkehrsleitsysteme. Nur 14,4 Prozent sprachen sich für den Neubau von Straßen aus.

Beim Thema öffentlich-private Partnerschaft für Verkehrsinfrastrukturprojekte zeigten sich die Handwerker sehr reserviert: Gerade einmal acht Prozent begrüßten ein solches Finanzierungsmodell.

Quelle: RP
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