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Frankfurt
Deutscher Bank droht hoher Verlust

Frankfurt. Analysten rechnen mit einem Quartalsminus von 600 Millionen Euro.

Angesichts ihres laufenden Sparprogramms hat die Deutsche Bank in großen Teilen einen Einstellungsstopp erlassen. Bis auf Weiteres dürften ab sofort keine Beschäftigten von außerhalb angeworben werden, hieß es in Finanzkreisen. Die Bank wollte das nicht kommentieren.

Am Mittwoch seien die Spartenchefs in einem Schreiben darauf hingewiesen worden, dass es ab sofort keine Neueinstellungen mehr gebe, heißt es. Einzige Ausnahme sind demnach Funktionen in den Bereichen Compliance und Controlling, in denen die Bank noch Mitarbeiter einstellen will.

Frei werdende Stellen dürften nur noch mit internen Kandidaten besetzt werden, verlautet aus dem Umfeld der Bank. Jeder Mitarbeiter, dessen Arbeitsplatz vom Jobabbau betroffen sei, könne sich konzernintern auf bis zu drei Stellen bewerben. Im vergangenen Jahr hatte Vorstandschef John Cryan den Abbau von unter dem Strich 9000 Stellen im Konzern über den geplanten Postbank-Verkauf angekündigt. Allein 4000 Arbeitsplätze fallen in Deutschland weg. Die Bank hatte sich in der vergangenen Woche mit den Arbeitnehmervertretern auf die Modalitäten geeinigt. Cryan will mit den Einschnitten das Institut profi-tabler machen. In der mangelnden Effizienz sieht er neben den juristischen Altlasten eines der Hauptprobleme des Geldhauses.

Für das laufende Quartal drohen der Bank, die ihre Zwischenzahlen am 27. Oktober veröffentlichen will, angeblich erneut tiefrote Zahlen. Analysten erwarten, dass das Institut im Sommer vor und nach Steuern einen Verlust von rund 600 Millionen Euro gemacht hat. Das geht aus Konsensschätzungen hervor, die auf der Internetseite der Deutschen Bank zu finden sind. Die einzelnen Prognosen laufen allerdings sehr weit auseinander. "Bei der Deutschen Bank weiß man nie, welche Sonderlasten im Quartal wieder einschlagen", sagt ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden will. "In Sachen Restrukturierung kommt sicher noch etwas oben drauf."

Im Gesamtjahr erwarten die Experten im Schnitt einen Nettoverlust von fast 1,3 Milliarden Euro. Vorstandschef John Cryan hatte zwar stets betont, dass 2016 rote Zahlen nicht ausgeschlossen seien, weil die Sanierung der Bank im Vordergrund stehe. Doch ein erneuter Milliardenverlust dürfte die Anleger desillusionieren.

Der Aktie tut das nicht gut. Am Donnerstag war die Aktie mit einem Minus von mehr als drei Prozent zum wiederholten Mal einer der großen Verlierer im Dax.

(dpa/rtr)
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