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Sparkassen-Statistik
Mittelstand schlägt Großkonzerne

Düsseldorf. Eine Sparkassen-Statistik sieht kleine und mittlere Unternehmen bei der Rendite deutlich im Vorteil.

Zu den gängigen Formulierungen der Wirtschaftssprache gehört jene, die den Mittelstand als Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet. Er wird gern als Jobmotor charakterisiert, als Kern der Ökonomie, und seine Ausbildungsquote wird über den grünen Klee gelobt. Jetzt darf er sich auch das Etikett mit dem Titel "Renditekönig" anheften. Dazu küren ihn die jüngsten Zahlen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, die das "Handelsblatt" ausgewertet hat. Zugrunde liegen 7000 Unternehmensbilanzen, die analysiert worden sind.

Ein fundamentales Ergebnis dieser Bestandsaufnahme: eine durchschnittliche Gewinnmarge von 7,3 Prozent im vergangenen Jahr. Dagegen seien die 110 größten börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften nur auf eine Marge von 6,3 Prozent gekommen. Jedes sechste Unternehmen erzielt 16,3 Prozent oder mehr, deutlich über 80 Prozent der Mittelständler arbeiten profitabel. Die andere Wahrheit lautet: Jeder fünfte Mittelständler habe im abgelaufenen Jahr eine Marge von weniger als einem Prozent erwirtschaftet. Das heißt: Die Spanne ist gewaltig.

Kleinere Unternehmen hängen die großen deutlich ab 

Auch beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit hätten die etwa 300.000 untersuchten kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) die deutschen Börsengrößen in den vergangenen zwölf Jahren deutlich abgehängt. Bei der Umsatzrentabilität kommen die kleinen und mittelgroßen Unternehmen im Schnitt auf acht Prozent, wie die "Diagnose Mittelstand" der Sparkassen gezeigt hat.

Natürlich hängt das Ergebnis der Untersuchung auch daran, dass die Großkonzerne teils in Märkten operieren, die derzeit als Krisenregion gelten. Russland ist ein typisches Beispiel für eine solche Region; die Schwäche des Rubel hat den Umsatz mancher deutschen Unternehmen belastet. Auch das abgeschwächte Wachstum in China ist gegenwärtig ein wichtiger Faktor, dazu kommt die immer noch schwelende Krise in einigen Ländern Südeuropas.

Da tut sich zumindest der Teil des Mittelstands, der weitgehend auf dem heimischen Markt oder in den Nachbarstaaten Westeuropas unterwegs ist, leichter. Die Konjunktur in Deutschland läuft gut, die Konsumstimmung der Deutschen ist hervorragend, weil einerseits die Tarifabschlüsse der jüngeren Vergangenheit aus Arbeitnehmersicht freundlich waren und die Konsumenten andererseits mehr aufs Sparen verzichten, weil die Zinsen so mickrig sind.

Durchschnittliche Eigenkapitalquote auf 25 Prozent gestiegen

Davor warnen Banken und Sparkassen allerdings auch mit Blick auf die Altersvorsorge. Dem Mittelstand kann's nur recht sein: Die Refinanzierung ist in der Niedrigzinsphase deutlich billiger geworden, und die Energie ist so preiswert geworden, dass einerseits die Produktionskosten sinken und andererseits beim potenziellen Abnehmer mehr verfügbares Einkommen übrig bleibt.

Aber auch unabhängig von der aktuellen konjunkturellen Lage haben die Mittelständler in den vergangenen Jahren offenbar ihre Hausaufgaben gemacht und die Forderung, sie sollten ihre Kapitaldecke besser polstern, erfüllt. Seit der Jahrtausendwende, so hat es der DSGV-Experte Sebastian Kral errechnet, sei die durchschnittliche Eigenkapitalquote der KMU von etwas mehr als drei auf 25 Prozent gestiegen.

Zu den großen Gewinnern in Sachen Profitabilität gehören der Sparkassen-Statistik zufolge Branchen, die zuvor als renditeschwach gegolten hatten: das Hotelgewerbe, Teile der deutschen Bauwirtschaft, die Autobranche, der Einzelhandel und die Gastronomie. Für sie und die anderen Vertreter ist die Perspektive gut. Wichtig sei, dass die Kreditnachfrage für Investitionen steige, heißt es bei den Sparkassen. Diese Dynamik halte im laufenden Jahr an. Auch die Erwartungen für den Arbeitsmarkt 2016 fielen sehr positiv aus.

(gw)
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