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San Francisco
Twitter verliert erstmals Nutzer

San Francisco. In zwei Jahren provozierte das Unternehmen eine Milliarde Euro Verlust. Von Reinhard Kowalewsky

Zehn Jahre nach Gründung rutscht das einst hochbejubelte Internetunternehmen Twitter immer weiter in die Krise. Die Aktie gab gestern um weitere vier Prozent nach, nachdem der Kurznachrichtendienst bekannt gegeben hatte, dass er erstmals angemeldete Nutzer verloren hat.

Wie schlecht es Twitter geht, zeigen drei Kennzahlen: Allein im abgelaufenen Quartal gab das Management rund 100 Millionen Euro mehr aus, als es einnahm - teure Werbung und hohe Ausgaben für Technikentwicklungen schlagen aufs Budget. Insgesamt verbrannte das Unternehmen 2014 und 2015 eine Milliarde Euro - und das, obwohl es 305 Millionen aktive Nutzer zählt. Und obwohl die Nutzer sich über den Dienst praktisch in Echtzeit über jedes Thema informieren können, sank die Kundenzahl im vergangenen Quartal um drei Millionen.

Es gibt zwei Gründe für die Krise: Einerseits setzt Twitter die Konkurrenz durch Facebook zu. Das soziale Netzwerk zählt mehr als 1,5 Milliarden Nutzer. Beim Facebook-Ableger WhatsApp machen schon mehr als eine Milliarde Menschen mit - Kommunikation von Mensch zu Mensch läuft zunehmend über diese beiden Marktführer, Kurznachrichten über Twitter spielen außer bei professionellen Nutzern wie Journalisten oder Politikern dagegen eher eine geringe Rolle.

Andererseits gelingt es Twitter schlechter als Facebook oder Google, Werbung auf den eigenen Seiten zu schalten. Schließlich sind die Twitter-Nachrichten auf gerade einmal 140 Zeichen limitiert - Nutzer so konzentrierter Infos haben wenig Interesse an geschalteter Werbung.

Gründer und Vorstandschef Jack Dorsey denkt nun über längere Texte nach - aber damit würde das Alleinstellungsmerkmal des Dienstes verschwinden.

Quelle: RP
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