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Axel Wieandt
Ex-HRE-Chef wollte 25 Millionen

Axel Wieandt: Ex-HRE-Chef wollte 25 Millionen
Ex-HRE-Chef Axel Wieandt. Bei seinem Rücktritt ging es auch um Geld. FOTO: AP, AP
Düsseldorf (RP). Aufsichtsratschef Thiemann scheint Verständnis zu haben dafür, dass Axel Wieandt ging, nachdem der Bund das Bonusprogramm für ihn und seine Kollegen nicht genehmigen wollte. Die Bank macht noch Milliardenverluste. Von Christian Merten

Der Zeitpunkt des Rücktritts von Axel Wieandt als Chef der Hypo Real Estate (HRE) war für seine Nachfolgerin denkbar ungünstig. Kaum einen Tag nach ihrer Berufung zur vorläufigen Chefin der Krisenbank war Manuela Better am Freitag bei der Bilanzvorlage die Last des neuen Amtes anzusehen. Beim Vortrag zum Geschäftsjahr 2009 verwechselte sie schon mal Millionen mit Milliarden. Bei dem Milliarden-Debakel, das die HRE seit gut eineinhalb Jahren durchlebt, kann das aber auch passieren. Es geht schließlich um Summen, die schwindelig machen.

Warum Axel Wieandt trotz vorzeigbarer Erfolge zurückgetreten ist, versuchte Aufsichtsratschef Bernd Thiemann mit den Unterschieden zwischen einer privaten Bank und einem öffentlichen Finanzinstitut zu erklären. Ein junger, vorwärts stürmender Vorstand, der mit der Vorgeschichte nichts zu tun habe, wolle schneller vorgehen, als dies bei einem öffentlichen Eigentümer möglich sei. "Die Abstimmungs- und Kommunikationsprozesse sind da langwieriger und komplizierter", sagte Thiemann. Als Beispiel nannte er ein Bonusprogramm von 25 Millionen Euro, das Vorstand und Aufsichtsrat abgesegnet und dem Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin als Eigentümer zur Zustimmung vorgelegt hätten. Wieandt habe eine schnelle Zustimmung erwartet, um Leistungsträgern schnell Sondervergütungen zahlen und sie damit bei der HRE halten zu können. Ob das angemessen ist, darüber äußerte Thiemann sich nicht. So mancher bezweifelt das.

Vorerst führt Manuela Better die Bank – für Thiemann eine gute Lösung: "Neue Besen kehren gut – alte wissen, wo der Dreck liegt." Der ist noch reichlich vorhanden, auch wenn das Geschäftsjahr 2009 schon fast als erfolgreich gilt mit einem Verlust von "nur" 2,2 Milliarden Euro. Das sind immerhin über drei Milliarden Euro weniger als im Vorjahr. Von der Liquiditätsreserve in Höhe von 102 Milliarden Euro, die der Bund und die Finanzwirtschaft der Hypo Real Estate zur Verfügung gestellt haben, waren zum Ende des vergangenen Jahres rund 75 Milliarden Euro ausgenutzt. Allein dafür musste der Immobilienfinanzierer rund 741 Millionen Euro an den Bund zahlen.

Eines machten Better und Thiemann unmissverständlich deutlich: Der unter der Führung von Ex-Chef Wieandt eingeleitete Sanierungskurs werde weiterverfolgt. Noch in diesem Jahr soll ein Abwicklungsinstitut gegründet werden, in das Vermögenswerte von 210 Milliarden Euro ausgelagert werden. Dadurch soll die Bilanz der Bank entlastet werden. Ob das so möglich ist, darüber muss noch in einem EU-Verfahren entschieden werden. Die EU prüft zurzeit, ob die Rettungsaktion für die HRE gegen Beihilferichtlinien verstoßen hat.

"So lange über Umfang und Ausgestaltung der geplanten Abwicklungsanstalt nicht entschieden ist, müssen wir weiter davon ausgehen, dass der Konzern nicht vor 2012 in die Gewinnzone zurückkehren kann", sagte Better. Operativ arbeitet die HRE bereits wieder erfolgreich. Im vergangenen Jahr erzielte sie einen operativen Gewinn von 419 Millionen Euro. Der wurde allerdings durch Risikovorsorge für faule Kredite, Kosten für den Liquiditätsrahmen und für die Restrukturierung des Unternehmens mehr als aufgezehrt.

Quelle: RP
 
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