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Unsinniges Englisch: Gesucht: WC-Manager

VON REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 22.10.2009 - 20:27

Düsseldorf (RP). Immer verbreiteter ist ein oft lächerlicher englischsprachiger Aufputz von Berufsbeschreibungen, die nicht nur nach Ansicht des Vereins Deutsche Sprache e.V. verschleiern, um was es in Wahrheit geht.

"Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein." (Mephisto in: Goethe, Faust I)

Neulich konnte man in einer Anzeige lesen, dass ein Restaurant einen – so wörtlich – WC-Manager sucht. Hat ein Witzbold sich einen Scherz erlaubt? Nein, es war offenkundig ernst gemeint. Liegt vielleicht – siehe das Zitat – ein Begriffs-Mangel vor, den es gilt, mit einem Wort, eben WC-Manager, zu beheben? Das mit Sicherheit auch nicht, denn hier ist doch wohl die Stelle einer weiblichen oder männlichen Reinigungskraft für die Toilettenräume zu besetzen. Warum also der vermeintliche sprachliche Aufputz, warum WC-Manager?

Holger Klatte vom Verein Deutsche Sprache empfindet wohl im Einklang mit vielen anderen Menschen den Versuch als lächerlich und hilflos, da leicht durchschaubar, wie die typischen Merkmale eines bestimmten Aufgabenbereichs im Sanitären durch Wortwahl verschleiert werden sollen.

Dass dafür der aus dem Englischen stammende Begriff Manager, der einmal in beträchtlichem Ansehen stand und auf beachtliche Führungsverantwortung in Unternehmen verwies, herhalten muss, verwundert nicht. Denn längst wird "Manager" für alle möglichen wichtigen und weniger wichtigen Tätigkeiten verwendet. Man kann von einer allmählichen Entkernung des Begriffs sprechen – bis hin zum WC-Manager, der umgangssprachlich als Klo-Frau bzw. Klo-Mann bezeichnet werden könnte, wenn das für viele nicht leicht anrüchig und beschämend klänge.

Nun wissen wir alle: Arbeit schändet nicht. Jede Tätigkeit ist anzuerkennen, auch und gerade diejenige, die wahrscheinlich die meisten von uns nicht gerne tun würden, weil sie niedrig erscheint. Die Albernheit der sprachlichen Fassadenmalerei "WC-Manager" macht in Wirklichkeit das, was hier zu tun ist, nicht zu einer vornehmen Beschäftigung.

Wer "WC-Manager" liest und eine Stelle sucht, tut gut daran, die Dinge, die womöglich auf ihn zukommen, realistisch zu sehen. Das Gleiche gilt für anderen unechten Sprach-Schmuck, englisch aufgemotzten Glitzerkram: etwa den Area-Manager, der weniger ist als der klassische Abteilungsleiter, aber über dem Verkäufer rangiert; den Facility-Manager, der mit dem guten alten Wort Hausmeister nicht schlecht beschrieben wäre; den Key Account Manager, ein vermeintliches Prachtexemplar der mittleren Firmenebene, der als Betreuer wichtiger Kunden seinen Dienst verrichtet; oder den Case-Manager, einen Fallbearbeiter beispielsweise im Arbeitsamt; den Project Manager, der oft ein besonders belasteter, wenn nicht geschundener Zeitarbeiter ist.

Wenn er nicht aufpasst und seine Selbstausbeutung auf die Spitze treibt, wartet auf ihn eher nicht die Position im "Top-Management", wohl aber melden sich Symptome so genannter Manager-Krankheiten, die bedrohlichen Geschwister Hörsturz und Herzinfarkt.

Holger Klatte erzählt von einem besonders krassen Beispiel bei dem Versuch, deutsche Wörter zu verscheuchen und stattdessen mit Englisch zu prunken: Vor kurzem sei allen Ernstes ein "Funeral master" gesucht worden, wohl um dem ehrwürdigen Beruf des Bestatters auf angeblich zeitgemäße Sprünge zu helfen. Der Versuch war untauglich. Nach einem kräftigen Einspruch des mittlerweile schon 31. 000 Mitglieder zählenden Vereins Deutsche Sprache wurde der sprachliche Unfug beendet.

Klatte sieht seinen Verband nicht als engstirnige Kämpfer-Organisation, die mit ihrem Streit für deutsche Wörter heimlich Nationalismus im Schilde führt beziehungsweise transportiert. Der Verein möchte jedoch gegen die Flut oft wenig treffender, auch unschöner englischer Allerwelts-Begriffe argumentieren und der deutschen Sprache zu mehr Ansehen verhelfen.

Bekanntlich hat das Französische in Frankreich traditionell große Reputation, was auch auf die sprachpflegerische Tätigkeit der Academie francaise seit dem frühen 17. Jahrhundert zurückgeht. Laut Klatte ist selbst das Französische nicht frei von Fremdwörtern. Auch im Nachbarland werde die wichtige Stellung des Englischen als Weltsprache anerkannt. Auch müsse jeder selbst entscheiden, ob er als einer von 110 Millionen Muttersprachlern stolz ist auf seine ungemein vielfältige und ausdrucksstarke deutsche Sprache.

Jede lebendige Sprache entwickelt sich, nimmt Fremdwörter auf und bereichert sich dadurch, es sei denn, es handelt sich dabei um modernistisches Imponiergehabe, um Wortprahlerei, siehe jene vom "WC-Manager".

Quelle: RP

 
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