| 18.15 Uhr

Suche nach Tengelmann-Chef
"Wir sehen noch eine geringe Chance"

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub verschwunden - Rettungskräfte sehen noch geringe Chance
Verbier in der Schweiz: Karl-Erivan Haub war am Samstag von einer Skitour nicht zurückgekehrt (Archivbild). FOTO: dpa
Mühlheim/Ruhr. Die Suche nach Karl-Erivan Haub geht trotz schlechten Wetters weiter. Die Rettungskräfte haben die Hoffnung, den Tengelmann-Chef lebend zu finden, noch nicht aufgegeben. Aber das Suchgebiet ist groß - und der 58-Jährige ist wohl nur mit einer leichten Ausrüstung aufgebrochen.

Vier Tage nach dem Verschwinden von Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub bei einer Skitour am Matterhorn schwinden die Hoffnungen, den 58-Jährigen noch lebend zu finden. "Wir sehen im Moment noch eine minimale Chance. Und darum sind wir auch alle noch voll auf der Rettungsseite engagiert", sagte der leitende Rettungsarzt, Axel Mann, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Zermatt. Doch setze dies voraus, dass der Vermisste relativ gut gegen die Kälte isoliert sei. Die Suchaktion ging dennoch unvermindert weiter.

Schlechtes Wetter und Lawinengefahr behinderten am Mittwoch die Suche nach dem Vermissten. Außerdem sei das Suchgebiet mit einer Fläche von 240 Quadratkilometern riesig, sagte der Chef der Rettungsstation Zermatt, Anjan Truffer. Mehrere Hubschrauber hätten in den vergangenen Tagen das Gebiet mit Wärmekameras und anderen technischen Hilfsmitteln abgesucht. Bergungsspezialisten hätten sich in Gletscherspalten abgeseilt. Auch Skihütten und Biwaks im gesamten Gebiet seien auf der Suche nach Haub kontrolliert worden. Vergeblich.

Karl-Erivan Haub (Archivbild von 2009). FOTO: ap

"Die Familie hat unbegrenzte Mittel zur Verfügung gestellt"

Der Unternehmer war vor vier Tagen von einer Skitour nicht zurückgekehrt. Nach Angaben seiner Familie hatte er für die sogenannte Patrouille des Glaciers trainieren wollen, ein Skitourenrennen, an dem er schon mehrfach teilgenommen hat. Deshalb soll er nur mit einer eher leichten Ausrüstung unterwegs sein. Laut den bisherigen Erkenntnissen fuhr er mit einer Seilbahn zum Klein Matterhorn - die Bergstation liegt auf 3820 Metern. Von dort aus gibt es Abfahrten Richtung Zermatt und Italien. Dort verliert sich seine Spur. 

Die Suche nach dem 58-Jährigen gehe unvermindert weiter, betonten die Rettungskräfte. Geld spielt dabei offenbar keine Rolle. "Die Familie hat den Suchmannschaften unbegrenzte Mittel zur Verfügung gestellt", sagt Adriano Favre, Leiter der Bergrettungsdienste im Aosta-Tal der Schweizer Zeitung "Blick". Der Staatsanwalt von Oberwallis, Dominic Lehner, schloss auf der Pressekonferenz auch ein Verbrechen nicht völlig aus. Derzeit könne nicht gesagt werden, ob eine Straftat oder ein tragisches Unglück vorliege, sagte er. 

Die Familie hatte die Polizei am Sonntagmorgen alarmiert. Unmittelbar danach hatte die Suche nach dem Unternehmer begonnen. Erschwert wurde die Suche dadurch, dass Haubs Handy offenbar schon bei der Ankunft des Unternehmers auf der Bergstation am Klein Matterhorn abgeschaltet war. "Entweder hat er es bewusst abgeschaltet, weil er seine Ruhe haben wollte, oder die Batterie war leer", sagte Truffer. Deshalb haben die Retter keine Hinweise, in welche Richtung er sich bei der Tour gewandt hat.

"Wir geben die Hoffnung nicht auf, ihn zu finden"

Haubs Bruder Christian will trotz der bislang vergeblichen Suche die Hoffnung auf ein gutes Ende nicht aufgeben: "Mein Bruder ist ein sehr erfahrener Skitourengänger und Bergsteiger, so dass wir trotz der Zeit, die inzwischen verstrichen ist, die Hoffnung nicht aufgeben, ihn bald zu finden", schrieb er in einem Brief an die Mitarbeiter des Unternehmens der dem "Handelsblatt" vorlag.

Der 58-Jährige ist einer der reichsten Deutschen. Das Vermögen der Unternehmerfamilie wurde zuletzt vom "Manager-Magazin" auf rund 4,2 Milliarden Euro geschätzt. Zu dem von Haub geleiteten Familienimperium gehören unter anderem Deutschlands größter Textil-Discounter Kik und die Baumarktkette Obi. Der Unternehmer ist als begeisterter Sportler bekannt, der das Bergsteigen ebenso liebt wie Skitouren und Marathonläufe.

(wer/dpa)
 
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