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Anerkennung als Krankheit
Computerspielsucht endlich beim Namen nennen

Computerspielsucht endlich beim Namen nennen - ein Kommentar
Jungen im Teenager-Alter sind besonders oft von der Sucht betroffen. FOTO: 3527
Meinung | Berlin. Eine repräsentative Studie zeigt, dass vor allem Jungen anfällig für krankhaftes Spielen sind. Es wird Zeit, dass sich die Gesellschaft damit auseinandersetzt – ohne in Panik zu verfallen. Von Ludwig Krause

Manchmal muss man sich wundern: Da sitzt die Bundesbeauftragte für Suchtprävention, Marlene Mortler, mit Vertretern von Krankenkassen und Ärzten zusammen – und alle sind sich einig, dass Computerspiele vor allem für Kinder und Jugendliche zur gefährlichen Sucht werden können. Mit Entzugserscheinungen, wie man sie auch von harten Drogen oder Glücksspiel kennt. Aber als Krankheit anerkannt, nein das ist Computerspielsucht in Deutschland noch nicht.

Ärzte behandeln trotzdem schon seit Jahren Patienten mit Computerspielsucht, indem sie sich Hilfskonstruktionen schaffen und den Betroffenen "sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle" diagnostizieren. Und die Krankenkassen spielen mit. Probleme gibt es aber trotzdem: Bei der kommunalen Suchtprävention sind Computerspiele zu häufig kein Thema – eben mit genau der Begründung, dass die Sucht danach nicht einmal als Krankheit anerkannt ist. Und zuletzt stellt sich die Frage: Wie sollen Betroffene selbst eingestehen, dass sie krank sind, wenn die Gesellschaft ihre Krankheit nicht klar benennt?

Sucht kann zu Streit und Isolation führen

Jeder zwölfte Junge in Deutschland ist einer heute veröffentlichten Studie der DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen zufolge süchtig nach Computerspielen. Es kommt zu Streit in den Familien, zu sozialer Isolation, zu Verschuldung. Bei Mädchen ist die Quote deutlich geringer. Der Umstand, dass ausgerechnet die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft so anfällig für diese Sucht sind, muss alle Beteiligten aufrütteln, endlich handlungsfähige Konzepte vorzulegen.

Die Altersfreigabe von Videospielen sollte sich nicht mehr nur an der Darstellung von Gewalt und Pornografie, sondern auch nach dem Suchtpotenzial richten. Die Altersfreigabe "Ab 0 Jahren" gehört bei Videospielen auf den Prüfstand. Und nicht zuletzt Eltern müssen deutlich für Warnzeichen sensibilisiert werden.

Das ist die eine Seite. Und trotzdem muss auch verunsicherten Müttern und Vätern klar gesagt werden: Es gibt wahrscheinlich keinen Grund, die schon gekauften Weihnachtsgeschenke zurück in den Elektronikmarkt zu bringen. Selbst in der anfälligsten Gruppe der Gesellschaft zeigen 91,6 Prozent der Befragten keine Suchtanzeichen. Also brechen Sie nicht sofort in Panik aus, wenn Ihr Kind gerne Videospiele spielt – und auch mal etwas länger. Das ist im Zweifel nämlich nur das eine: vollkommen normal in dem Alter.

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