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Entwicklerkonferenz F8
Facebook will Realität mit virtuellen Objekten verbessern

Facebook F8 2017: Realität mit virtuellen Objekten verbessern
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg eröffnet die F8-Entwicklerkonferenz in San José. FOTO: dpa, FRE wal soe
Für Mark Zuckerberg ist "Erweiterte Realität" das Thema der Zukunft. Auf der Facebook-Entwicklerkonferenz geht es nach dem Schock über ein Mordvideo aber auch um gesellschaftliche Verantwortung des sozialen Netzwerks. Von Daniel Fiene, San José

Wozu einen teuren Flachbildfernseher ins Wohnzimmer stellen, wenn das Fernsehbild auch über eine virtuelle Projektion auf der Wand gezeigt werden kann — sichtbar per Blick durch eine Datenbrille oder noch einfacher über das Smartphone oder das Tablet? Wozu in einem Café oder einem Restaurant erst die Empfehlungen im Netz suchen, wenn direkt neben der echten Speisekarte virtuelle Handnotizen von Freunden mit persönlichen Empfehlungen auftauchen?

Möglich macht diese Vermischungen zwischen echten und virtuellen Objekten "Erweiterte Realität" oder "Augmented Reality" – das nächste große Thema für Facebook. Das erklärte Gründer Mark Zuckerberg bei der Eröffnung der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8, die in dieser Woche im kalifornischen San José stattfindet.

Viel mehr als Links, Fotos und Videos

Was die Entwickler dort zu sehen bekommen, ist Zuckerbergs Vision dazu, wie Milliarden Menschen das Netzwerk in Zukunft nutzen werden. Und dieses neue Facebook besteht nicht mehr ausschließlich aus Beiträgen, Links, Fotos und Videos von Freunden und Medien, sondern vor allem auch aus "Augmented Reality". Die Entwickler bekommen Werkzeuge an die Hand, mit denen sie spezielle Anwendungen für diese erweiterte Realität programmieren können. 

Im Zentrum dieses neuen Vorstoßes steht die Smartphone-Kamera. "Wir machen die Kamera zur ersten Plattform für Augmented Reality", erklärte Mark Zuckerberg den Plan, an dem Google vor einigen Jahren mit seiner Datenbrille "Google Glass" zunächst gescheitert ist. "Wir werden nicht den ganzen Tag mit einem Headset durch die Gegend laufen", sagte auch Facebooks Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. In Facebooks Vision entsteht die Augmented Reality in einem ersten Schritt auf dem Smartphone. Die Kamera nimmt die Bilder auf, die in Echtzeit um virtuelle Objekte ergänzt werden.

"Pokemon Go"-Effekt wird Alltag

Durch die rasanten Fortschritte von Rechenleistung und dank der Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz in den letzten Monaten sind bereits jetzt beeindruckende Projekte möglich: In Echtzeit kann ein Raum unter Wasser gesetzt werden, es  können Objekte auf einem Tisch dupliziert oder in der Größe verändert werden. Was im vergangenen Sommer Millionen Menschen beim Smartphone-Spiel "Pokemon Go" bereits erlebt haben, soll künftig laut Facebook zum Kommunikations-Alltag gehören.

Gadgets - diese Technik-Neuheiten will man haben FOTO: Fensens

Damit versucht Facebook einen Bereich massentauglich zu machen, mit dem anderen Technologie-Unternehmen bestenfalls geflirtet haben. Apple-Chef Tim Cook hat in der Vergangenheit mehrfach betont, dass er "Augmented Reality" für sehr zukunftsträchtig hält. Branchen-Beobachter erwarten, dass Apple beim neuen iPhone im Herbst ebenfalls Augmented Reality Anwendungen zeigen wird. Ausgerechnet Facebooks Konkurrent Snapchat hat mit seinen beliebten Gesichtsfiltern den Weg geebnet. Die Demos von Facebook, die während der F8 in San José gezeigt wurden, sind aber um einiges mächtiger.

Facebook will sich stärker gesellschaftlicher Verantwortung stellen

Überschattet wird die Entwicklerkonferenz F8 von einem tragischen Vorfall in den USA. Ein Mann hatte den Mord an einen 74-Jährigen gefilmt und auf Facebook hochgeladen. Die Polizei fahndete landesweit nach dem mutmaßlichen Täter, der zuletzt tot in einem Auto gefunden wurde. Erst nach zwei Stunden hatten Nutzer das Video bei Facebook gemeldet und rund 20 Minuten später entfernte das Netzwerk das Video und deaktivierte das Profil des mutmaßlichen Täters. 

"Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen des Opfers", gedachte Mark Zuckerberg bei der Eröffnung der Tat und bekräftigte eine Ankündigung des Konzerns, solche Inhalte künftig noch schneller zu entfernen. "Wir müssen uns noch stärker anstrengen, um Tragödien wie diese zu verhindern", betonte Zuckerberg. Adam Mosseri ist bei Facebook für den Newsfeed zuständig und erklärte, dass es in solchen Fällen auf Schnelligkeit ankomme: "Wir sind aber auch auf unsere Nutzer angewiesen. Sie müssen uns solche Inhalte möglichst schnell melden." Aus diesem Grund will Facebook die Meldeprozesse für problematische Inhalte vereinfachen. 

Meldeprozesse für Hassreden verbessern

Verbesserte Meldeprozesse sind für Facebook auch im Kampf gegen Falschnachrichten und Hassrede wichtig. Mit mehr als 1,8 Milliarden aktiven Nutzern weltweit bringt die Dominanz auch eine gesellschaftliche Verantwortung mit sich, der sich der Konzern stellen muss. Seit einigen Monaten lässt der Konzern entsprechende Kritik nicht mehr einfach an sich abprallen.

"Wir leben weltweit in einer Zeit die uns alle herausfordert", erklärte Sheryl Sandberg diese neue Offensive. "Wir müssen Verantwortung übernehmen und gegen die etwas unternehmen, die unsere Plattform missbrauchen." Zuckerberg betonte, dass man sich in den letzten Jahren auf die Verbindung zwischen einzelnen Menschen konzentriert habe und nun in den nächsten Jahren das weltweite Gemeinschaftswohl im Fokus stehen müsse.

Vor zwei Wochen hat Facebook eine milliardenschwere Initiative mit ins Leben gerufen, die sich unabhängig mit dem Kampf gegen Falschnachrichten beschäftigen wird. Als Partner in Deutschland sind die Hamburg Media School und das Hans-Bredow-Institut in Hamburg dabei.

Facebook spendiert Messenger weitere Funktionen für Firmen

In diesem Jahr gibt es noch zwei weitere wichtige Themen für Facebook. Entwickler haben neue Möglichkeiten, um Anwendungen für den Facebook Messenger zu entwickeln. So soll in den nächsten Monaten eine Plattform entstehen, auf der Firmen viel einfacher in Kontakt mit den Nutzern treten können. 

Durch eigene Anwendungen können beispielsweise Spotify-Kunden ihre Musik direkt über den Messenger mit Freunden teilen und gemeinsam anhören. Auch andere Stream-Anbieter wollen dem Beispiel folgen. Sogar Gruppenvideo-Anrufe in eine komplett virtuelle Welt sollen möglich werden, denn auch beim Thema "Virtual Reality" macht Facebook Fortschritte. Mit "Facebook Spaces" stellte das Unternehmen eine Chat-Umgebung vor, bei der sich Nutzer einen Avatar im Comic-Stil auswählen, und dann über Facebook verbunden in eine beliebige 360-Grad-Welt abtauchen. 

Dabei kann es sich um eine computeranimierte Umgebung oder ein 360-Grad-Video handeln. Mit der vor einigen Jahren aufgekauften Datenbrille Oculus Rift können die Nutzer sich weltweit verbinden und in eine gemeinsame virtuelle Realität abtauchen. 

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