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Axel Sprenger
Jetzt spricht der Youtuber, den niemand kennt - ja, genau der

Axel Sprenger: Jetzt spricht der Youtuber, den niemand kennt - ja, genau der
Erfolg ist das, was die anderen haben - Axel Sprenger dreht trotzdem weiter Youtube-Videos. FOTO: Axel Sprenger
Der erfolgreichste Youtuber Deutschlands hat fast vier Millionen Abonnenten, Axel Sprenger (28) bloß 5000. Wie lebt es sich am falschen Ende der Nahrungskette? Ein Interview über Sami Slimani, enttäuschende Schaumbäder und seinen einzigen Hit. Von Sebastian Dalkowski

Heute morgen haben Sie getwittert: "Um 15 Uhr ist mein Telefoninterview #aufgeregt”. Sie werden wohl nicht so häufig interviewt.

Axel Sprenger Das ist das erste Mal. Ich fühle mich geehrt, dass mich jemand gefunden hat...

… um Sie zu Ihrer Erfolglosigkeit zu interviewen.

Quasi.

Können Sie mit dem Druck umgehen?

Auf jeden Fall.

Sagen wir mal, DagiBee, Bibis Beauty Palace und Sami Slimani sind 1. Bundesliga bei Youtube – was wären Sie dann?

Kreisliga A.

Wie ist es denn, kein Youtube-Star zu sein?

Natürlich ist es manchmal frustrierend, wenn ich viel Arbeit in die Videos stecke und sie nicht so gut geklickt werden. Aber es hat auch Vorteile, nicht so bekannt zu sein. Niemand erwartet etwas von mir. Ich muss nur Videos machen, wenn ich möchte.

Ist es besser, ein Youtube-Star zu sein oder kein Youtube-Star zu sein?

In der Haut von Dagi Bee oder Sami Slimani möchte ich nicht stecken. Da würde ich mich zu sehr belagert fühlen.

Haben Sie denn wenigstens einen Hardcore-Fan?

Ich bin selbst überrascht, wenn Leute schreiben, dass ich schon länger kein Video mehr gepostet hätte. Einer hat sich gefreut, dass ich ihm geantwortet habe. Dabei bin ich doch eine ganz normale Person.

Ehrlicherweise könnten Sie jeden Kommentar beantworten, ohne sich zu überfordern.

Auf jeden Fall. Ich lasse mir aber auch immer Zeit mit dem Beantworten.

Damit es so wirkt, als hätten Sie viel zu tun?

Genau deshalb. (lacht)

Verdienen Sie auch nur einen Euro mit der Youtuberei?

Taschengeld.

Doch so viel?

Ich könnte mir davon im Monat einen Restaurantbesuch leisten.

Werden Ihnen denn wenigstens ständig Produkte zugeschickt wie den erfolgreichen Youtubern?

Schön wäre es. Manchmal würde ich mir schon wünschen, dass eine Firma anfragt. Zuletzt wurden mir immerhin Säfte aus Berlin zugeschickt.

Immerhin.

Da habe ich aber selbst anfragen müssen. Als sie dann kamen, habe ich mich sehr gefreut. So ein Tagespaket Saft kostet immerhin 45 Euro.

Ist es nicht frustrierend, wenn Sie sehen, was die berühmten Youtuber alles so in die Kamera halten?

Auf jeden Fall. Die könnten sich das alles selbst kaufen, aber bekommen einfach mal von Samsung das neueste Handy. Das ist ein krasses Privileg. Wenn ich was will, dann muss ich mir das selbst kaufen.

Was sollte man Ihnen mal zuschicken?

Ich würde gerne eine Reise mit einem guten Hotel bekommen.

Wann haben Sie mit dem Youtuben angefangen?

Im November 2011 habe ich mein erstes Video hochgeladen. Da habe ich eine Haarkur gereviewed.

Und haben Sie die gut gereviewed?

Das weiß ich nicht, aber das Video war nicht sehr erfolgreich.

Es gibt viele Videos von Ihnen, die nicht sehr erfolgreich sind.

Da gebe ich Ihnen Recht. Bei manchen dachte ich: Die werden erfolgreicher – und dann war es doch nicht so.

Warum haben Sie angefangen? Weil die Welt sehen musste, wie Sie sich die Haare waschen?

Ich habe gesehen, was andere erreicht haben. Und ich höre auch gerne, wie ich von anderen gesehen werde.

Wer hat Sie damals inspiriert?

Ich gebe zu, es war Sami Slimani. Ich dachte: Was er kann, kann ich auch.

Was Sie machen, unterscheidet sich nicht sonderlich von dem, was Sami Slimani oder auch Bibis Beauty Palace machen. Warum aber sind die so viel viel erfolgreicher?

Es hängt auch immer von der Person ab. Viele schauen die Videos ja nicht wegen der Inhalte an, um zu wissen, wie sie ihre Haut pflegen können – die würden sich alles anschauen, was dieser große Youtuber macht. Wenn die sich Torten ins Gesicht klatschen, wird das angeschaut. Das sind einfach Idole.

Warum sind Sie kein Idol?

Vermutlich bin ich nicht außergewöhnlich genug. Ich möchte aber auch nie so überdreht und unnatürlich wie Bibi sein.

Sie könnten sich eine Verrücktheit zulegen.

Oder eine Challenge machen. Neulich hat sich jemand zur Strafe die Beine mit Wachs enthaart.

Warum machen Sie das nicht?

Niemals. Weder vor noch hinter der Kamera. Es gibt Grenzen.

Oder Sie sprechen, als seien Sie seit 34 Stunden auf Drogen. Das Abgefahrenste, was Sie gemacht haben, war es, schwedische Süßigkeiten zu essen.

Ich gebe zu, mein Kanal ist nicht sehr verrückt.

Wollen Sie denn nicht?

Nein, dann müsste ich ja immer so sein.

Reicht Verrückt sein tatsächlich aus, um bei Youtube Erfolg zu haben?

Ich denke, dass die Leute irgendwann genug haben von Youtubern, die sich Torten ins Gesicht klatschen. Es ist Wahnsinn, dass sich die Leute noch immer so daran begeistern.

Wie ist denn Ihre Erfolglosigkeit zu erklären?

Meine Themen sind zu langweilig für Leute...

Ohne Verstand?

Genau. Sie sind nicht platt genug. Meine Zielgruppe ist zum Teil schon über 20. Eventuell haben die sogar einen Schulabschluss.

Möchte Sie denn noch was ausprobieren?

Auf jeden Fall, auch wenn mir konkret nichts einfällt.

Das klingt nicht nach dem großen Plan.

Das ist richtig. Ich habe kein Konzept.

Sie sprechen es zwar nicht offensiv an, aber Sie verbergen Ihre Homosexualität in den sozialen Netzwerken nicht. Schadet das?

Das könnte sein. Weil die meisten Fans weiblich sind und die gerne Männer anhimmeln. Ich denke, dass einige berühmte Youtuber sich deshalb auch zurückhalten. Obwohl es in den USA gerade eine Outing-Welle gibt unter Youtubern.

Hätten Sie gerne mehr Erfolg?

Ich würde lügen, wenn ich jetzt "Nein" sagen würde.

Wie viel mehr Erfolg?

Es gibt einen silbernen Play-Button von Youtube, wenn man 100.00 Abonnenten erreicht hat. Den würde ich mir gerne an die Wand hängen.

Davon sind Sie ungefähr 95.000 Abonnenten entfernt. Sind Sie gescheitert?

Wer innerhalb von vier Jahren nur auf 5000 Abonnenten kommt, macht wohl irgendwas falsch.

Warum haben Sie dann noch nicht aufgehört?

Es macht immer noch Spaß.

Sie stecken aber in jedes Video schon ein paar Stunden Arbeit – und das alles für ein paar Tausend Zuschauer? Mich würde das nicht motivieren.

Aber ich merke eben, dass es ein paar Leute gibt, die es sehen möchten.

Wir haben jetzt lange genug über Ihre Erfolglosigkeit gesprochen. Aber ein Video von Ihnen bringt es auf über 100.000. Dort binden Sie eine Krawatte. Woher kommt dieser Erfolg?

Der Titel ist ansprechend, weil da "einfach" und "schnell" drinsteht. Und es steht mittlerweile auf der ersten Seite bei Youtube, wenn man "Krawatte binden" eingibt. Das ist entscheidend. Aber es ist schwer zu durchschauen.

Sie hätten danach nur noch solche Videos machen können.

Ich hatte an ein zweites Krawattenvideo gedacht.

Aber dann wird es ja nur komplizierter, denn den einfachsten Knoten haben Sie ja schon gemacht.

Auch wieder wahr.

Haben Sie sich den Krawattenknoten mit einem anderen Youtube-Video beigebracht?

Ich glaube, den hat mir mein Vater gezeigt. Die Videos waren mir zu kompliziert. Ich sehe gerade, dass ich bei dem Krawattenvideo noch vor Sami Slimani stehe. Das macht mir Hoffnung.

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