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Ansbach
Die Malkünste des Findelkindes Kaspar Hauser

Ansbach. Ansbach gewährt eine Reise in die Biedermeier-Zeit. Von Teresa Tropf

Eine romantische Ader muss das berühmte Findelkind Kaspar Hauser gehabt haben: Zu selbst gedichteten Versen malte er kunstvoll Rosen. Außerdem zeichnete Hauser kleine Bildchen mit geheimer Codesprache, die dann an die Damenwelt weitergegeben wurden. Die aufwendig gemalten Äste eines Baums konnten so zum Beispiel für Uhrzeiger stehen. Die Botschaft eines objektiv simplen Pflaumenbaums lautete: Treffen um 15 Uhr unter dem Pflaumenbaum. Zu sehen sind die Hauser-Werke nun in einer Sonderausstellung (27. Juli bis 4. September) im Ansbacher Markgrafenmuseum, die die Stadt ihrem berühmten Findelkind gewidmet hat.

Die 20 teils neu entdeckten Zeichnungen zeigen, wie Hauser mit Schablonen umgehen konnte und so mühevoll teils kunstvolle Aquarelle anfertigte. "Eigentlich typischer Biedermeier-Kitsch, überall Dekor und Blüten", sagt Ausstellungskurator Wolfgang Reddig. Tatsächlich sind die Zeichnungen übliche Exemplare der typischen Biedermeier-Kunst im realistischen Stil.

Die Bilder dienten überwiegend zum Verschenken, um zu gefallen und als Erinnerung - sie waren ähnlich kleinen Poesiealbumeinträgen. Die Bilder hätten sich dann in den beschenkten Familien über Generationen erhalten, sagt Kurator Reddig.

Vor dem Hintergrund seiner Biografie sind Kaspar Hausers Werke umso beachtlicher. Als 16-Jähriger war er im Jahr 1828 in Nürnberg ungelenk wankend und verwirrt wirkend aufgegriffen worden - angeblich bis dahin aufgewachsen in einem Verlies bei Wasser und Brot und ohne echte Kontakte zur Außenwelt. So soll er auf dem Stand eines zwei- bis dreijährigen Kindes geblieben sein. Das Rätsel um seine Herkunft ist bis heute ungelöst, Hauser öffnete es zu Lebzeiten rasch die Türen zu bürgerlichen Kreisen.

Im Dezember 1831 zog er nach Ansbach, wo er die Stelle eines Gerichtsschreibers annahm. Schon zwei Jahre später starb er - wenige Tage nach einer angeblichen Messerattacke im Ansbacher Hofgarten. Erst ein Erbgut-Vergleich im Jahr 1996 sorgte für eine Entzauberung der Theorie, Hauser sei ein verstoßener badischer Erbprinz gewesen. Dadurch fühlten sich all jene bestärkt, die in Hauser schon immer einen Schwindler und Hochstapler sahen.

(dpa)
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