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"Blair Witch"
Lauer Aufguss des Horrorklassikers

Blair Witch (2016) neu im Kino: Lauer Aufguss des Horrorklassikers
FOTO: dpa, his bsc
Düsseldorf. "Blair Witch" will an das Original von 1999 anknüpfen und schafft es nicht. Von Wolf von Dewitz

An der Kinokasse erschien es etwas wie Hexenwerk. Läppische 60.000 Dollar hatte der 1999 erschienene Gruselfilm "The Blair Witch Project" gekostet, er spielte etwa eine Viertelmilliarde ein - eine Steigerung um mehr als das Viertausendfache. Nur ein Jahr später folgte eine Fortsetzung, die an den Erfolg des Low-Budget-Originals nicht anknüpfen konnte. Nun gibt es einen neuen Anlauf. "Blair Witch" heißt Teil drei des Hexenhorrors, der abermals eine Gruppe junger Menschen in den dunklen Wald schickt.

Knapp eineinhalb Stunden dauert der Irrgang von Schauspielern, die in Hollywood bisher in der zweiten Reihe standen - ihre Leinwand-Performance samt Weinen und Schreien zerrt eher an den Nerven der Zuschauer, als dass sie mit authentischer Mimik und wohl dosiertem Schrecken einen Gruselfaktor erzeugt. Allerdings haben die Akteure um Hauptdarsteller James Allen McCune ("The Walking Dead") und Callie Hernandez ("Graves") einen schweren Stand in einem Plot, der weniger auf schlüssige Dialoge als vielmehr auf wacklige Kameraeffekte setzt.

Zu wenig Kopfkino

Die Filmemacher um Regisseur Adam Wingard ("The Guest") machen dabei einen entscheidenden Fehler: Sie zeigen viel zu viel. Das Original setzte 1999 mit seinen dunklen Unschärfen auf eine altbewährte Faustregel im Horrorgenre: Nicht das gut Sichtbare löst den größten Schrecken aus beim Zuschauer, sondern allein die Vorstellung, dass das Ungeheuer da ist. Kopfkino also statt Hightech-Bilder.

In "Blair Witch" sind hingegen eklige Monsterwürmer und hässliche Hexen zu sehen. Im Pressetext preisen die Macher das sogar als Stärke des Films an. Es ist fraglich, ob die Rechnung aufgeht. Horrorfans dürften eher enttäuscht sein, während Neu-Einsteiger in die Blair-Witch-Reihe gar nicht erst erfasst werden vom Grusel-Sog.

Hauptfigur James ist der Bruder von Heather, die im ersten "Blair Witch"-Film im Wald verschwand. Die später gefundenen, im Film als authentisch dargestellten Aufnahmen aus Handkameras der Figuren zeigten ihre letzten Tage - der Zuschauer verfolgte also ein angebliches Videotagebuch in den Tod. Die Plot-Struktur ist nun gleich: James bricht auf, um die verschwundene Schwester nun doch noch zu finden im finsteren Wald.

Kinostarts der Woche FOTO: Moviepilot

Freunde und neue Bekannte begleiten die Hauptfigur, alle ausstaffiert mit Kameras - die Perspektive wechselt so häufig, dass der Grusel sich in der visuellen Hektik kaum entfalten kann. Das Original "The Blair Witch Project" war Vorbild für sogenannte Found-Footage-Filme, die auf angeblich realen, gefundenen Aufnahmen basierten. "Paranormal Activity" oder "REC" folgten dem Vorbild. Doch was damals neu und überraschend war, ist heute Standard in der Kino-Werkzeugkiste. Und so wirkt der Hightech-Horror doch eher wie ein lautes und blutiges, zugleich aber einfältiges Schauermärchen.

Blair Witch, USA 2016 - Regie: Adam Wingard, mit Callie Hernandez, 90 Min.

(dpa)
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