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Star Wars Rogue One
Warum Reshoots keine Katastrophe sind

Star Wars: Warum Reshoots für Rogue One keine Katastrophe sind
Star Wars Rogue One kommt am 15. Dezember ins Kino. Daran werden laut Disney die Reshoots nichts ändern. FOTO: 3517
Düsseldorf. Für Star Wars Rogue One wurden neue Dreharbeiten angesetzt. Und sofort kursierten Gerüchte, wie schlecht der Film dann wohl sein muss. Doch von E.T. bis Rocky wurden viele erfolgreiche Filme erst durch solche Reshoots großartig. Von Ludwig Jovanovic

Vor wenigen Tagen kam die Meldung, dass der nächste Star-Wars-Film bei Disney und den Produzenten angeblich durchgefallen sei und verzweifelt Nachdreharbeiten, sogenannte Reshoots, anberaumt wurden. Die natürlich anonymen Quellen behaupten, der Film sei zu düster, die Studiobosse wären entsetzt gewesen und der Stil würde nicht zu einem Star-Wars-Film passen. Die Produzenten bei Disney müssen bei solchen Behauptungen ziemlich gutgläubig gewesen sein, als sie einen eher unerfahrenen Regisseur wie Gareth Edwards (Monsters, Godzilla) über Monate machen ließen und ihm noch mehrere zig Millionen Dollar zur freien Verfügung stellten.

Doch wenn Star Wars Rogue One so schlecht sein sollte, würden ihn auch vier Wochen mit neuen Dreharbeiten nicht retten. Vor allem hätte man dann auch noch einen anderen Regisseur verpflichtet und Gareth Edwards öffentlich degradiert. Das zeigt die Hollywood-Erfahrung. Noch unwahrscheinlicher ist, dass man mal eben ein paar Anrufe tätigen muss, um hunderte Mitarbeiter, um Schauspieler, Studios, Kamera-, Make-up- und Special-Effects-Teams zu verpflichten – die alle selbst in andere Projekte involviert sind und einen engen Terminkalender haben.

Reshoots haben lange Tradition in Hollywood

Reshoots haben in der Filmindustrie Tradition und werden meist schon zu Beginn der Dreharbeiten terminiert. Das Problem ist, dass es zwar ein Script gibt, aber die Szenen nicht unbedingt in der Reihenfolge gedreht werden, in der sie später gezeigt werden sollen. Studiozeiten und Termine vor allem für Außenaufnahmen oder in öffentlichen Gebäuden sorgen dafür, dass Szenen wild durcheinander aufgenommen werden. Am Ende stehen mehrere Stunden Filmmaterial, aus denen eine Rohfassung mühevoll geschnitten wird. Und erst dann merkt man, dass die Vision, die man hatte und die in Drehbuch stand, so nicht funktioniert. Vielleicht fehlt einfach nur eine Szene oder eine vorhandene muss mit einem anderen Dialog und einer etwas anderem Gewichtung neu gedreht werden, damit der Film die Wirkung hat, die beabsichtigt war. Eventuell möchte man in Rogue One tatsächlich noch Alden Ehrenreich als neuen Han Solo einbauen, der nach den Hauptdreharbeiten gecasted worden ist. Vielleicht funktioniert das Ende noch nicht so, wie man es sich vorstellt. Schließlich soll Rogue One fast lückenlos an den allerersten Star-Wars-Film aus dem Jahr 1977 anschließen. Peter Jackson hat für die Herr-der-Ringe- und auch die Hobbit-Trilogie viele Szenen in den Reshoots geändert, als er merkte, dass Manches nicht aufgeht. Überraschend war das indes nicht: Schon zu Beginn der Dreharbeiten hatte er solche Reshoots aus Erfahrung fest eingeplant.

E.T. sollte ursprünglich sterben

E.T. – Der Außerirdische ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1982. FOTO: Filmverleih

Und Steven Spielbergs herzergreifender Film E.T. hatte in der Rohfassung 1982 ein ganz anderes Ende: Der knuddelige Außerirdische starb vor den Augen seines irdischen Freundes Elliott (Henry Thomas). Eine tragische, die Tränen in die Augen treibende Szene, die in der ursprünglichen Vision aufging. Als Spielberg und die Produzenten dann aber den Rohschnitt sahen und auch ein erstes Testpublikum vehement das Ende kritisierte, erkannte der Regisseur, dass das düstere Finale nicht zum rührenden, optimistischen Grundton passte. Er drehte das Ende neu. Und das Ergebnis kennen wir: das Fahrrad, das im Vollmond-Schein zu fliegen scheint und der tränenreiche Abschied in der Gewissheit, dass E.T. nun nach Hause kommt.

Der weiße Hai tauchte in der Rohfassung öfter auf

Der weiße Hai ist ein US-amerikanischer Spielfilm von 1975, der unter der Regie von Steven Spielberg gedreht wurde. FOTO: Sender/Verleih

Steven Spielberg hatte schon 1975 die Erfahrung gemacht, dass nicht alles, was man für eine gute Idee hält, am Ende auf der Leinwand auch funktioniert. In "Der weiße Hai" tauchte der Raubfisch in der ursprünglichen Fassung recht häufig auf. Mit der damaligen Tricktechnik aber sah der Hai in den meisten Fällen alles andere als überzeugend aus und wirkte sogar lächerlich. Sein häufiges Auftreten nahm dem "Monster" zudem ein Großteil seines Schreckens. Also drehte Spielberg einige Szenen neu, in denen ursprünglich der Hai auftauchte. Nur nun ohne Hai. Er machte aus dem "Monster" eine unheimliche Gefahr, die kaum greifbar war, aber über allem schwebte. Damit schuf er den bis heute packenden, nervenzerreißenden Thriller, der Spielbergs Ruhm als Filmemacher begründete.

Stallone rief im Rocky-Reshoot nach Adrian

Rocky ist ein US-amerikanischer Boxerfilm des Regisseurs John G. Avildsen mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle FOTO: 3307

Auch der in den 1970ern noch unerfahrene Schauspieler und Drehbuchautor Sylvester Stallone sowie der Regisseur John Avildsen mussten lernen, dass auf der Leinwand einiges lächerlich wirkt, was in der Vorstellung eine epische, ergreifende Schluss-Szene sein sollte: In Rocky (1976) sollte der Boxer ursprünglich im Schaukampf gegen Apollo Creed zwar ebenfalls nur knapp nach Punkten verlieren. Dann aber sollte das begeisterte Publikum den Underdog-Boxer auf Händen tragen und jubeln. Nur konnten die dafür engagierten Statisten den schweren Körper Stallones kaum tragen. Es wirkte unfreiwillig komisch und zeigte eine eher gequältes, kein freudiges Publikum. Das Ende drehte man in einem Reshoot neu. Weil Zeit und Geld knapp war, baute man nur eine Ringecke auf. Stallone bat Freunde und Verwandte darum, das Publikum zu spielen. Dann drehte man einen vom Kampf deutlich gezeichneten Rocky Balboa, der voller Schmerzen nach seiner großen Liebe "Adrian" rief. Die Szene schrieb Filmgeschichte und wurde unzählige Male persifliert.

Zurück in die Zukunft:  Michael J. Fox kam im Reshoot

Ein Beispiel für einen tatsächlich ungeplanten Reshoot ist "Zurück in die Zukunft". Der junge, aber eher unbekannte TV-Darsteller Eric Stoltz war 1985 als Marty McFly verpflichtet worden. Der sah darin die Chance, der Welt zu beweisen, dass er ein guter Schauspieler sei. Er spielte die Rolle aber mit einer solchen Intensität und Ernsthaftigkeit, dass Regisseur und Drehbuchautor Robert Zemeckis ihn bremsen musste – nur ohne Erfolg. Eric Stoltz' Interpretation passte nicht zum eher leichten, ironischen Tonfall des Films. Sechs Wochen, nachdem man mit den Dreharbeiten begonnen hatte, ersetzte man ihn durch Michael J. Fox, der die Leichtigkeit und das komödiantische Talent für die Rolle mitbrachte. Damit aber musste ein Großteil der bereits abgeschlossenen Szenen neu gedreht werden.

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