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Düsseldorf
Hitlers Chefankäufer

Düsseldorf. Den Historikern gilt Hildebrand Gurlitt als zwiespältige Gestalt: Einerseits war er Kunsthändler im Dienste Hitlers, andererseits war Gurlitt Liebhaber der von den Nazis verachteten modernen Kunst. In Zwickau, wo Gurlitt ab 1925 als Museumsdirektor die Avantgarde förderte, brachte ihn diese Leidenschaft fünf Jahre später um den Job. In Hamburg, wo der Enkel einer Jüdin anschließend den Kunstverein leitete, weigerte er sich am 1. Mai 1933, dem "Tag der Arbeit", die Hakenkreuz-Fahne zu hissen. Seine Anstellung war er kurz daraus los. "Er ist janusköpfig, ein Grenzgänger zwischen Gut und Böse", urteilte die Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann in ihrer Gurlitt-Biografie "Hitlers Kunsthändler".

Mit dem Rauswurf in Hamburg schien Gurlitts Karriere beendet, seine Kontakte aber behielt er, und als Kunsthändler machte er sich rasch einen Namen. Dabei schreckte er nicht davor zurück, sich doch noch mit den Nazis zu arrangieren und an den NS-Verbrechen zu profitieren. Zunächst in Deutschland erweiterte er im Kriegsverlauf seine Geschäftsbereiche auch in die besetzten Gebieten. Als Chefankäufer für Hitlers in Linz geplantes "Führermuseum" baute er die Sammlung mit auf. Mindestens 300 Gemälde trug er zwischen 1941 und 1944 zusammen. Zu Kriegsende umfasste Gurlitts eigene Sammlung 4000 Werke, die nach der Kapitulation von den Alliierten zu einem großen Teil freigegeben wurde. Wie viele Werke tatsächlich Raubkunst waren, ist bis heute ungeklärt.

Nach dem Krieg zog es Gurlitt schließlich nach Düsseldorf, wo er ab 1948 den Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen leitete. Im Oktober 1956 verunglückte Hildebrand Gurlitt auf der Autobahn bei Oberhausen. Er wurde auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof begraben, ebenso seine Frau Helene (1895-1968) und sein Sohn Cornelius Gurlitt, der 2014 mit 81 Jahren starb.

(kl)
 
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