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Lionel Richie
"Zu viel quatschen und Spaß haben"

Lionel Richie mit "All the Hits" in Mönchengladbach
FOTO: Universal Music
Früher flog Lionel Richie dafür aus dem Klassenzimmer. Mit "All the Hits" kommt er nach Mönchengladbach. Wir haben mit ihm gesprochen.

New York Vor fast 50 Jahren begann Lionel Richies Karriere mit der Band The Commodores. Der smarte Soul- und R&B-Sänger mit der tiefen und gleichzeitig weichen Stimme feierte vor zwei Wochen seinen 67. Geburtstag und hat Spaß auf seiner Tour, die am 12. Juni begonnen hat. Das merkt man, weil er im Telefon-Interview nicht wartet, bis ihm eine Frage gestellt wird, sondern gleich auf die Vorzüge von Live-Shows und auf das deutschen Publikums zu sprechen kommt.

Richie Wir sind auf dem Weg zu Euch, und weißt du, was ich so sehr liebe an Euch: Selbst wenn es regnet, die Leute sind da. Das ist eine tolle Sache.

Ihre Welt-Tournee heißt "All the Hits", den ersten Stopp in Deutschland machen Sie in Mönchengladbach. Was erwartet das Publikum dort?

Richie In meinem Publikum sitzen inzwischen drei Generationen. Ich genieße es, dass die Zuschauer nicht nur älter werden, sondern auch jünger. Das Tolle ist, dass sie die Lyrics besser drauf haben als ich. Ich muss einfach all die Songs spielen, die die Leute kennen. Und das macht die Show dann zur Show.

Mönchengladbach ist nicht einfach auszusprechen. Haben Sie schon geübt, die Leute dort zu begrüßen?

Richie Ich werde jede Menge üben. Meine Freundin kommt aus der Schweiz, und sie spricht sehr gut Deutsch. Und sie wird mir beibringen, wie ich das auszusprechen habe. Sie ist meine Geheimwaffe.

Anfang Juni starb Mohammed Ali, und Sie haben bei Twitter ein Foto von Ihnen beiden gepostet mit dem Satz: "Du wirst immer mein Held sein". Haben Sie sich gut gekannt?

Richie Er war ein sehr guter Freund. Wir trafen uns vor vielen Jahren. Er liebte die Musik und ich seine Strahlkraft, die er auf uns alle hatte. Die Welt war ein besserer Ort durch ihn. Nichts bleibt für die Ewigkeit, aber er hatte eine erstaunliche Präsenz, und ich kann mir nicht vorstellen, wie heutzutage jemand die Welt so berühren kann wie er. Er war so ein großer Star.

Apropos Star: Für viele Menschen sind Sie der R'n'B- und Soul-Held. Sie sind seit den 70ern erfolgreich. Wie hat sich das Genre seitdem verändert?

Richie Immer wenn ich ein Konzert gebe, schaue ich in die Menge, und ich kann nur an den Frisuren erkennen, dass wir nicht mehr die 70er haben. Ich bin zu Gast in Ländern wie Deutschland, in denen nicht Englisch gesprochen wird, aber die Menschen kennen trotzdem die Texte, die Musik transportiert ein Gefühl. Und wenn man nachher fragt, "Did you like it?",

. . . also, hat es Euch gefallen? . . .

Richie . . . dann kommt fast immer zurück: "Das habe ich nicht verstanden." Es ist so wunderbar, dass Musik universell ist. Und solange ich Teil davon sein kann, werde ich weiter Musik machen.

Also hat diese Musikrichtung immer noch dieselbe Bedeutung für die Musikwelt und die Fans wie damals in den 70ern?

Richie Nun ja, nicht unbedingt dieselbe. Heute kann jeder klingen wie ein R'n'B-Sänger, aber die Musiker sind nicht glücklich damit. R'n'B ist nicht Pop. Heute haben wir eine Verschmelzung vieler Richtungen.

Gibt es denn heute überhaupt noch einen richtigen R'n'B- und Soul-Künstler?

Richie Was Beyoncé macht, ist fantastisch, und Rihanna ist der Killer. Ariana Grande ist großartig. Und George Michael natürlich. Er ist zwar Brite, aber er hat den Soul der ganzen Welt in sich.

Welcher Künstler hatte in Ihrer Kindheit den größten Einfluss auf Sie als Musiker?

Richie Wow, das ist schwer. Vielleicht gehen wir nicht zurück in die Kindheit, sondern ins Teenie-Alter, zu Marvin Gaye, Stevie Wonder, Smokey Robinson - das war die Generation, als ich anfing, Musik zu hören und dann auch auf Texte zu achten.

War das auch die Zeit, als Sie gemerkt haben, dass die Musik wichtiger ist als Sport? Denn Sie waren ja ein talentierter Tennisspieler. Und sind das sicher immer noch.

Richie Früher spielte ich Tennis und konnte den Ball sehen. Heute höre ich, wie der Gegner den Ball schlägt und man mir sagt, dass ich das Spiel verloren habe. Und den Ball habe ich nicht einmal gesehen. Ich schwinge meinen Schläger immer durch die Luft und frage: Wo ist der Ball.

Sie spielen also gar nicht mehr?

Richie Wenn ich die Zeit habe, gehe ich lieber joggen. Tennis ist einfach nicht gut für meine Knie, und die brauche ich für die Bühne ja noch.

Ihre Tour ist in den Niederlanden gestartet, dann ging es weiter nach Großbritannien in der Zeit, als sie gerade Geburtstag hatten. Wie haben Sie den großen Tag gefeiert?

Richie Meine Oma hat immer gesagt, wenn du älter wirst, kommt dein Geburtstag jeden Donnerstag.

Sie haben also nicht gefeiert?

Richie Doch, meine Familie war da und meine Freundin Lisa, die mich begleitet.

Sie sind 67 geworden. In Deutschland ist es das Alter, mit dem man spätestens in Rente geht. Sie haben mehr als 100.000 Tonträger verkauft und 22 Top10-Hits gehabt. Wann gehen sie in den Ruhestand?

Richie Ich habe eine Gegenfrage: Rente für was? Ich hatte nie einen Job. Ich tue das, wofür ich früher aus dem Klassenzimmer geworfen wurde: zu viel quatschen und Spaß haben. Und jetzt gehe ich auf die Bühne und mache das Gleiche, und die Menschen nennen das eine Karriere. Das würde ich niemals aufgeben.

Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie unterwegs sind?

Richie Am allermeisten mein Bett, und ich vermisse die Enkel und meine Kinder, auch wenn sie mich auf Tour schon mal besuchen. Ich danke Gott für Face-Time, so kann ich sie zumindest mal sehen.

Soweit ich weiß, haben Sie zwei Enkel. Was ist einfacher: Vater zu sein oder Opa?

Richie Definitiv finde ich Großvater einfacher. Denn wenn sich die Enkel mal nicht benehmen, kann ich sie zurückgeben. Und Gott, bin ich froh, dass ich nicht mehr zu Elternabenden und Lehrergesprächen muss.

Sie haben mit Diana Ross gearbeitet, mit ihr "Endless Love" gesungen. In Deutschland gilt sie als kalt und unnahbar, bisweilen auch als Zicke. Wie war Ihre persönliche Beziehung zu Ihr?

Richie Sie ist urkomisch und lustig, wenn man sie ein bisschen kennt. Sie ist nicht kalt, sondern schüchtern.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE NICOLE SCHARFETTER

Quelle: RP
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