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Studie
Kleine Männer und dicke Frauen verdienen rund 3000 Euro weniger

Dicke Frauen und kleine Männer verdienen 3000 Euro weniger
Sowohl die Körpergröße, als auch das Körpergewicht haben Einfluss auf die Kariere eines Menschen. FOTO: alphaspirit/ Shutterstock.com
Düsseldorf . Welche Faktoren sind für den Lebensstandard entscheidend? Eine groß angelegte Studie zeigt: Gewicht und Körpergröße sind dabei wichtiger als gedacht - und lassen sich sogar in eine Einkommensformel umrechnen. Von Susanne Hamann

Wer in Armut aufwächst, genießt statistisch gesehen eine schlechtere Ausbildung und hat somit auch schlechtere Jobchancen - das zeigen verschiedene Studien. Ein englisches Forscherteam der University of Exeter Medical School wollte sich damit jedoch nicht zufrieden geben und stattdessen herausfinden, ob auch andere Faktoren die Biografie eines Menschen beeinflussen können. Kurz: Hängen das Aussehen und der Lebensstandard zusammen?

Dafür betrachtenen die Wissenschaftler eine große britische Biodatenbank. 120.000 Daten von 40- bis 70-Jährigen gaben neben ihrem Lebensstil auch über genetische Informationen Aufschluss. Diese wurden für die Studie genutzt. Analysiert wurde, ob Unterschiede auf der Basis von Körpergröße und Körpergewicht festzustellen waren. 

Dafür wurde das Erbgut mit dem Lebensstandard der Personen in Verbindung gebracht: 400 genetische Variablen, die in Zusammenhang mit der Körpergröße stehen und 75, die mit dem Body-Mass-Index (BMI) assoziiert werden, wurden auf Konstellationen mit dem sozio-ökonimschen Status eines Menschen untersucht. Der BMI ist eine international anerkannte Messzahl zur Einschätzung des Körpergewichts. 

Für eine Betrachtung der Gene und nicht des tatsächlichen Körpergewichts entschieden sich die Wissenschaftler, um zu verhindern, dass ein Proband durch eine bewusste Entscheidung etwa genetisch angelegtes Übergewicht "weghungert".  

Untersucht wurde, in welcher Abhängigkeit die Gene mit folgenden Lebensfaktoren stehen: 

- Hat die Person eine vollständige Ausbildung genossen?

- Wie viele Jahre verbrachte sie in der Ausbildung?

- Wie steht es um das Anstellungsverhältnis und die Besitzverhältnisse der Person?

- Welchen Job hat sie?

- Wie hoch ist das Jahreseinkommen?

Tatsächlich ließ sich eine Abhängigkeit zwischen genetischer Veranlagung und finanzieller Situation erkennen. Demnach verdienen Frauen, die nur eine Stufe über ihrem optimalen BMI-Wert liegen (also im Bereich Übergewicht, statt Normalgewicht) bis zu 2450 Euro weniger pro Jahr. Männer, die mindestens sechs Zentimeter größer sind als der Durchschnitt, verdienen dagegen jährlich rund 3815 Euro mehr. 

Aber auch allgemeinere Aussagen ließen sich durch die Analysen treffen: Kleinere Männer und dickere Frauen haben laut Studie häufig eine schlechtere Ausbildung und weniger qualifizierte Jobs. 

"Ob man etwas dicker ist oder etwas kleiner, verändert also tatsächlich die Chancen, die man im Leben hat", sagt Tim Frayling, Professor für Humangenetik, im folgendem YouTube-Video über die Studie.

Wichtig sind die Erkenntnisse laut Frayling, weil nun im Fachbereich Psychologie neue Ansätze entwickelt werden könnten, um am Arbeitsplatz etwa gegen die Diskriminierung von übergewichtigen Frauen anzugehen. 

Außerdem könnten Maßnahmen nötig werden, die verhindern, dass etwa in einem Bewerbungsgespräch unbewusst die schlankere Frau statt der etwas beleibteren eingestellt werde - obwohl beide die gleichen Fähigkeiten mitbringen. 

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