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Diagnose
Bei diesen Fragen sollten Sie Ihren Arzt nicht anflunkern

Hausarzt: Wann Sie im Gespräch ehrlich sein sollten
Wer seinen Arzt anmogelt, der stellt den mitunter vor Probleme bei der Diagnose und Behandlung. FOTO: Shutterstock/PathDoc
Dortmund. Wenn wir bei Erkrankungen ratlos sind, dann soll es der Arzt helfen. In der Sprechstunde aber stellt er manchmal Fragen, die unangenehm oder sehr persönlich sind. Mancher flunkert dann drauf los und fügt entweder etwas dazu oder lässt vieles weg. Wir haben mit einem Hausarzt gesprochen und sagen Ihnen, wann Sie unbedingt bei der Wahrheit bleiben sollten. Von Tanja Walter

Es gibt Dinge, die sind einfach unangenehm. So sehr, dass wir Ausflüchte suchen, die Beantwortung umschiffen oder mogeln. Beim Arzt allerdings kann das verheerende Folgen haben. Welche das sind und warum uns die Lüge gefährlich werden kann, hat uns Dr. Dietmar Hartmann, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe verraten. 

  1. Wie geht es ihnen? 
    Eines ist klar: Der Arzt will damit keinen Smalltalk einleiten, sondern möglichst genau erfahren, was das Anliegen ist und wie Ihr Allgemeinbefinden ist. Damit versucht er zu erfassen, welche Auslöser das Leiden verursachen. Wenn Sie mit Rückenschmerzen zu ihm kommen, können diese haltungsbedingt auftreten. Jemand, der am Arbeitsplatz dauernd in einer statischen Zwangshaltung verbringt, der kann solche Probleme bekommen. Aber auch Menschen, die bedrückende Sorgen mit sich herumtragen, können körperliche Symptome wie Rückenschmerzen empfinden. Finanzielle Sorgen, persönliche Schicksalsschläge oder auch Stress  kommen als Ursache in Frage. Antworten Sie also nicht zu einsilbig auf die Frage Ihres Arztes, sondern geben Sie ihm möglichst viele Informationen. Sonst bekommen Sie am Ende ein Schmerzmittel, das Ihnen nicht weiterhilft.
     
  2. Nehmen Sie Medikamente?
    Viele Patienten sind unsicher, wenn sie die Medikamente nennen sollen, die sie einnehmen. Mancher kann sich die fremden Medikamentennamen nicht merken, ein anderer meint, der Arzt wolle lediglich ständig eingenommene Arzneimittel wissen. In manchen Fällen vergessen Patienten auch schlichtweg Medikamente, die sie schon sehr lange einnehmen und deren Einnahme dadurch für sie täglich Routine sind. Gefährlich kann das werden, wenn der Arzt nun zusätzliche Arzneimittel verordnet. Denn die verschiedenen Mittel können miteinander in gefährliche Wechselwirkung treten oder ihre Wirkung mindern. Jährlich werden etwa 50.000 Kinder geboren werden, obwohl die Mutter die Antibabypille einnimmt. Das kann unter anderem auf solche Wechselwirkungen zurückzuführen sein. Denn einige Inhaltsstoffe von Medikamenten verringern die Wirkung der Antibabypille und können so eine ungeplante Schwangerschaft verursachen.
    Ungenauigkeit oder mangelnde Erinnerungsfähigkeit bei der Medikamenteneinnahme kann auch gefährlich werden. Nimmt ein Patient zum Beispiel niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) zur Hemmung der Blutgerinnung ein und verschreibt der Mediziner ihm dann in Unkenntnis dessen das Schmerzmittel Ibuprofen, kann sich die gerinnungshemmende Wirkung von ASS verringern.
     
  3. Wie haben Sie die Erkrankung bislang behandelt?
    Halten Sie nicht mit Medikamenten hinterm Berg, die Sie schon auf eigene Faust eingenommen haben, auch wenn diese nicht verschreibungspflichtig sind oder es sich um pflanzliche Arzneimittel handelt. Ebenso sollten Sie mit Ihrem Arzt auch offen darüber sprechen, wenn Sie zum Beispiel auf noch vorhandene Arzneimittelbestände zu Hause zurückgegriffen haben. Sonst besteht die Gefahr Erkrankungen wie Bluthochdruck zu triggern oder auch ein Magengeschwür. Denn selbst in Präparaten wie in Drogeriemärkten frei verkäuflichen Präparaten zur Stärkung des Herz-Kreislaufsystems sind Wirkstoffe enthalten, die sich mit vom Arzt verordneten Mitteln potenzieren und schlimme Nebenwirkungen hervorrufen können. Wer zum Beispiel gegen eine Erkältung Aspirin einnimmt, diese Information dem Arzt aber vorenthält, kann bei der Verordnung eines weiteren Medikaments riskieren, dass das die Magenschleimhaut zum Kochen bringt.
     
  4. Wie ernähren Sie sich?
    Wer jetzt mit der Antwort "Darauf achte ich sehr" glänzen möchte und verschweigt, dass eigentlich meist nach dem Kantinenschnitzel nur schnelle Küche und Fastfood auf dem Speiseplan stehen, der macht es dem Arzt unmöglich, die wirkliche Ursache für seine Beschwerden zu finden. Verdauungsprobleme oder Verstopfung können durch ballaststoffarme Ernährung verursacht sein. Im Umkehrschluss lasen sie sich mit einfachen Mitteln – wie etwas vollwertigerer Kost, mal einem Esslöffel Leinsamen im Joghurt oder mehr Bewegung – leicht beheben.
    Wer indes einen falschen Eindruck erweckt, der provoziert, dass der Arzt den Symptomen mit Untersuchungsmethoden auf den Grund geht, die Patientenherzen in der Regel auch nicht höher schlagen lassen. Im Falle dauernder Darmträgheit könnte das zum Beispiel eine Darmspiegelung sein. Viele Menschen sorgen sich zudem, unter einem Vitamin- oder Mineralstoffmangel zu leiden, weil sie sich ständig müde fühlen. Auch hier bringt sie nur das offene Gespräch mit dem behandelnden Arzt weiter. Solche Mangelzustände aufgrund unausgewogener Ernährung sind äußerst selten. Meist stecken hinter solchen Symptomen andere Erkrankungen wie zum Beispiel eine Unterfunktion der Schilddrüse, ein Mangel an roten Blutkörperchen oder eine Depression.
     
  5. Trinken Sie Alkohol?
    Viele fühlen sich bei dieser Frage ertappt, weil sie vielleicht schon ganz gerne mal ein Glas Wein trinken. Stellt der Arzt die unangenehme Frage, keimen vielleicht Zweifel daran auf, ob das vielleicht schon zu viel sein könnte. Darum mogeln manche Patienten bei der Antwort. Dabei vergessen sie, dass zum Beispiel Blutuntersuchungen erbarmungslos aufschlüsseln, wenn die Leberwerte nicht in Ordnung sind. Verneint der Patient dann die Frage des Arztes, macht dieser sich auf die Suche nach Erkrankungen, die zu einer krankhaften Veränderung dieser Werte führen können und behandelt diese möglicherweise medikamentös. Wichtig sind die Trinkgewohnheiten aber auch in Hinblick auf Erkrankungen, die mit den Leberwerten erst einmal gar nichts zu tun haben. Manche Arzneimittel wie zum Beispiel Antidepressiva oder auch Antibiotika vertragen sich nicht mit Alkohol. Um Wechselwirkungen vorzubeugen fragt der Mediziner darum nach.
     
  6. Rauchen Sie?
    Wie Sie diese Frage nervt! Sie sind es satt, ständig Rechenschaft darüber ablegen zu müssen, dass sie noch nicht zu den geläuterten Nichtrauchern zählen. Und nun fragt auch noch der Arzt. So mag mancher denken. Bei anderen nagt vielleicht das schlechte Gewissen, weil sie längst damit aufhören wollten, aber es immer noch nicht geschafft hatten. Egal, was für Sie persönlich emotional damit verbunden ist: der Arzt fragt es nicht ohne Grund. Beim Zahnarzt zum Beispiel kann diese Frage ausschlaggebend dafür sein, ob Sie in Punkto Zahnersatz mit der Entscheidung für ein Implantat die beste Wahl treffen. Raucher nämlich haben bei Implantaten ein deutlich erhöhtes Risiko, diese wieder zu verlieren, weil sie rauchen. Sprechen Sie lieber offen mit dem Arzt, um dann gemeinsam mit ihm zu überlegen, was in Ihrem individuellen Fall dann die beste Vorgehensweise ist.
    Neben besonderen Schwachstellen, wie einem erhöhten Krebsrisiko sowie der erhöhten Gefahr Durchblutungsstörungen zu bekommen oder sogar eine Thrombose, ist das auch eine Information, die für die Wundheilung von Bedeutung sein kann. Bei Rauchern heilen Wunden meist schlechter und benötigen besondere Obacht.
    Auch das Verschreiben einer Antibabypille kann bei Rauchern problematisch sein, weil sie ohnehin schon mit einem gewissen Thromboserisiko leben, das durch dieses Mittel nochmals ansteigen kann. Die Information kann aber auch beim Behandeln eines schwierigen Atemwegsinfektes wichtig sein. Wer durch diese Vorbelastung der Atemwege zu Komplikationen im Krankheitsverlauf neigt, dem könnte mit einer frühzeitigen Gabe von Antibiotika geholfen sein. Es ist also wichtig, auch hier bei einem offenen Wort zu bleiben.
     
  7. Wie lange haben Sie das schon?
    Mit Neugier des Arztes hat diese Frage nichts zu tun. Sie gibt ihm Aufschluss darüber, ob sich die Erkrankung noch in einem Genesungsrahmen bewegt, der zu erwarten ist, oder möglichweise auf dem Weg ist chronisch zu werden. Zudem hilft sie auch bei der Ursachenforschung. Ein Husten, der beispielsweise über eine lange Zeit immer fortbesteht, kann ein Anzeichen für eine Herzerkrankung, den chronischen Rückfluss von Magensäure oder sogar eine bösartige Erkrankung sein. Husten kann hingegen auch durch einige blutdrucksenkende Medikamente ausgelöst werden. Hat also der Kardiologe einen Betablocker verschrieben, so ist das auch beim Kurieren am Husten für den Hausarzt eine wichtige Information, die das Rätsel lösen kann. Mit der Umstellung auf ein anderes Medikament wären die unangenehmen Nebenwirkungen leicht behoben.
     
  8. Wie schwer sind Sie?
    Es nützt nichts, sich mit einer Mogelpackung beim Arzt dem gewünschten Traumgewicht gedanklich zu nähern. Für den Mediziner ist Ihr tatsächliches Gewicht wichtig, wenn er zum Beispiel ein Medikament gezielt und individuell auf Sie zugeschnitten dosieren möchte. Damit das Arzneimittel seine optimale Wirkstärke erreichen kann, ist das Verteilungsvolumen in ihrem Körper wichtig. Wer jetzt mogelt, der schadet sich. Kritisch kann das auch bei der Dosierung von Betäubungen und Narkosen werden. Ist das Gewicht überhöht, kann das auch krankheitsbedingte Ursachen haben und der Arzt könnte Ihnen helfen, wieder auf einen Normallevel zu gelangen. Eine Unterfunktion der Schilddrüse führt zum Beispiel zu Gewichtsproblemen ebenso wie genetisch bedingte Erkrankungen ein Auslöser sein können oder eine ernährungsbedingte Ursache.

 

 

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