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Hilfe vom Hautarzt
Das steckt hinter eingerissenen Mundwinkeln

Das steckt hinter eingerissenen Mundwinkeln
Lippenpflegestifte und Wundcreme helfen nicht immer bei eingerissenen Mundwinkeln. (Symbolbild) FOTO: shutterstock/frank60
Düsseldorf. Lachen, gähnen, essen – ist die Haut in den Mundwinkeln eingerissen, kann das sehr schmerzhaft sein. Nicht immer steckt ein rein kosmetisches Problem dahinter. Mangelerscheinungen, aber auch ernsthafte Erkrankungen können die Ursache sein. Von Tanja Walter

Kälte, trockene Luft, trockene Lippen - viele kennen das schmerzhafte Ergebnis dessen: Die Mundwinkel reißen ein. Folge der kleinen Risse: Die Haut infiziert und entzündet sich. Jede Bewegung mit dem Mund wird zur Qual.

Perlèche, Faulecken oder Angulus infectiosus nennen Mediziner die kleinen Einrisse in den Mundwinkeln. Nicht in jedem Fall sind allerdings äußere Faktoren wie Kälte oder trockene Heizungsluft dafür verantwortlich. "Auch mechanische Ursachen, innere Erkrankungen oder Infektionen können Auslöser dafür sein", sagt Peter Elsner, Direktor der Hautklinik am Uniklinikum Jena. Darum empfiehlt er bei wiederkehrenden Symptomen den Besuch beim Arzt. Der ist auch dann sinnvoll, wenn sich das Problem nicht durch Pflegestifte oder Heilpflanzenextrakte wie Kamille oder Hamamelis beheben lässt.

  • Systemische Erkrankungen
    "Die häufigste Ursache eingerissener Mundwinkel ist Neurodermitis", sagt Elsner. Viele Menschen weisen eine Anlage zu atopischer Dermatitis auf, ohne davon zu wissen. "Wer bemerkt, dass er zu rissigen Lippen neigt, gehört vielleicht dazu", sagt der Dermatologe. Eines der Kernprobleme dieser chronischen Hauterkrankung: Die Hautbarriere der Betroffenen ist gestört. Dadurch bekommt der aus Feuchtigkeit und Fett bestehende Schutzmantel der Haut Lücken.

    Besonders in der Winterzeit führt das zu Problemen, die sich dann nicht wie gewöhnlich in voller Bandbreite auf der Haut zeige, sondern vor allem an den empfindlichen Lippen und in den Mundwinkeln. Denn die Lippenhaut ist nicht nur sehr dünn, sondern enthält zudem weder Schweiß- noch Talgdrüsen. Damit fehlt ihr der schützende Fettfilm komplett. Sie ist so den Witterungseinflüssen schutzlos ausgeliefert. Darunter leiden Menschen mit Neurodermitis besonders.

    Mehr zum Thema Neurodermitis und deren Ursachen und Behandlung erfahren Sie hier.

    Das kann man dagegen tun: Lippenpflegestifte helfen nicht nur Neurodermitikern, sondern beugen vor. Daneben gibt es Salben und Cremes, die zusätzliche antiseptische Wirkstoffe wie Zink oder die Wundheilung unterstützende Stoffe wie Dexpanthenol beinhalten.
     
  • Mechanische Ursachen
    Nicht nur zu trockene Haut befeuert das Problem, sondern auch zu feuchte. Sammelt sich Feuchtigkeit in den Mundwinkeln, lässt auch das den Bereich in den Mundwinkeln aufweichen und einreißen. Zu solchen Problemen kann es etwa durch schlecht sitzende Prothesen und sogar Zahnspangen kommen. Daneben strapaziert auch häufiges Lippenbefeuchten den ohnehin dünnen Schutzmantel. Wird er löchrig, können Keime leicht eindringen und Entzündungen verursachen. Grundsätzlich jedoch kennen Dermatologen das Phänomen vor allem von älteren Menschen. "Nehmen sie nachts ihre Prothese aus dem Mund, liegt Haut auf Haut, zwischen der sich Feuchtigkeit sammelt", sagt Elsner.

    Das kann man dagegen tun: Pflege ist hier besonders wichtig. Dauernden Speichelfluss durch schlecht sitzende Zahnspangen oder Prothesen kann der Zahnarzt oder Kieferorthopäde beheben.
     
  • Innere Erkrankungen
    ​Eingerissene Mundwinkel sind in manchen Fällen ein Anzeichen für Nährstoffmangel. So verursacht beispielsweise Eisenmangel trockene und spröde Haut. Auch ein Mangel an Vitamin B kann neben Müdigkeit und Wachstumsstörungen zu Rissen in den Mundwinkeln führen. Sie können jedoch auch Anzeichen für eine Mangelversorgung mit Zink oder Folsäure sein. In seltenen Fällen kommt laut Elsner eine Blutbildveränderung wie zum Beispiel die Bildung von zu wenigen roten Blutkörperchen in Betracht.
     
  • Infektionen
    Auf feuchten Flächen siedeln gerne Pilze und andere Erreger wie zum Beispiel Herpes-Simplex-Viren. Candida albicans nennt sich der häufigste Erreger von Pilzerkrankungen. Er kommt zwar auch in einer gesunden Mundhöhle vor, kann jedoch besonders bei immungeschwächten Menschen, Diabetikern oder Pflegebedürftigen Überhand gewinnen, sagt Elsner. Weißliche Beläge oder verkrustete Risse sind oft äußerliche Zeichen dessen.
    Daneben können Bakterien wie Streptokokken oder Staphylokokken, die in jeder fünften Nase zu finden sind, zum Problem werden, wenn das Immunsystem in die Knie geht. Verkrustete Bläschen oder gelbbräunliche Pusteln in den Mundwinkeln können darauf hindeuten.

    Das kann man dagegen tun: Spezielle Antipilzmittel oder Antibiotikacremes schaffen das ursächliche Problem schnell aus dem Weg. Unterstützend hilft bei Pilzinfektionen eine kohlenhydratarme Ernährung. Vor allem bei Pilzinfektionen sollte ausgeschlossen werden, dass auch der Mundraum infiziert ist.
     
  • Infektionskrankheit Syphilis
    "Faulecken sind eines der möglichen Symptome für Syphilis im zweiten Stadium", sagt Elsner. Inzwischen sieht er die Geschlechtskrankheit fast täglich. Weitere Anzeichen der Erkrankung: juckende Bläschen auf der Schleimhaut, geschwollene Lymphknoten und eine Vielzahl an Hauterscheinungen.

    Wenn Sie mehr über die häufigsten Geschlechtskrankheiten wissen wollen, lesen Sie hier weiter.

    Das kann man dagegen tun: Syphilis muss antibiotisch behandelt werden. Penicillin ist dabei das Mittel der ersten Wahl.
 
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