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Todesfall in Köln
"Lassafieber wird im Verlauf immer ansteckender"

Virologe: "Lassafieber wird im Verlauf immer ansteckender"
Lassa-Erreger unter dem Elektronenmikroskop FOTO: Bernhard-Nocht-Institut/dpa
Düsseldorf. In der Uniklinik Köln ist ein Patient an Lassafieber gestorben - einer in Deutschland höchst seltenen Krankheit. Wie groß ist die Infektionsgefahr für die Menschen in der Region? Wir haben mit dem Düsseldorfer Virologen Ortwin Adams gesprochen.   Von Susanne Hamann

Herr Professor Adams, heute soll es in einer Pressekonferenz mehr Informationen zu dem Fall von Lassa-Fieber in Köln geben. Haben Sie schon weitere Informationen dazu?

Adams Nein, ich weiß in der Tat auch nichts Genaues. Aber eines ist klar, es wird nun um die Frage gehen, ob Menschen, die mit dem Patienten in näherem Kontakt waren, angesteckt worden sind. 

Wie kann man sich denn mit Lassafieber anstecken?

Adams Die Krankheit wird zunächst nur über das Blut übertragen. Aber im Verlauf wird Lassafieber immer ansteckender. Das bedeutet: Je mehr Symptome ein Patient zeigt, desto mehr Übertragungswege gibt es auch. Dann kann das Virus auch über den Urin oder über den Speichel übertragen werden. Deswegen müssen die Kölner Kollegen nicht nur Personen prüfen, die im engeren Kontakt mit dem Patienten standen, sondern auch das Klinikpersonal.

Professor Ortwin Adams ist der stellvertretende Leiter der Virologie an der Uniklinik Düsseldorf. FOTO: Ortwin Adams

Woran erkennt man Lassafieber?

Adams Die Krankheit gehört zu den sogenannten hämorrhagischen Fiebern. Das bedeutet: Es kommt ganz spontan zu Blutungen im Körper. Die Patienten bluten aus den Augen oder der Nase; sie erleiden aber auch innere Blutungen, etwa an den Organen und auch am Gehirn. Dadurch tritt dann auch der Tod ein. 

Wie entstehen diese Blutungen?

Adams Vereinfacht gesagt werden durch das Virus alle Blutgefäße im Körper porös, und so fangen sie nach und nach an zu bluten. 

Dann läuft eine Infektion mit Lassafieber also ähnlich ab wie eine Ebola-Erkrankung?

Adams Ja genau, auch bei Ebola handelt es sich um ein hämorrhagisches Fieber. Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied: Wer sich mit Ebola infiziert, der erkrankt in den meisten Fällen auch. Bei Lassafieber gehen wir genau vom umgedrehten Fall aus. Die meisten, die sich infizieren, erkranken nicht oder zeigen nur milde Symptome. Man muss wissen: Jedes Jahr erkranken in Afrika geschätzt 100.000 bis 300.000 Menschen an Lassafieber, aber nur zwei bis drei Prozent sterben daran. In Afrika sind natürlich auch viele immun dagegen. 

Was bedeutet das für Köln?

Adams Das ist natürlich alles Spekulation. Aber es ist nicht wahrscheinlich, dass der Patient auch andere angesteckt hat. Er wurde ja erst mit Malaria-Verdacht eingeliefert, das heißt: Er kann nicht geblutet haben, sonst hätte man ja direkt ganz anders reagiert. Dann wäre er sicher auch direkt auf die Sonderisolierstation in Düsseldorf gekommen. Es spricht also einiges dafür, dass er noch nicht stark ansteckend war, als er ins Krankenhaus kam. In Deutschland kam es übrigens bislang nur zu vier oder fünf Fällen von Lassafieber, alle wurden aus Afrika eingeschleppt und es hat nie weitere Erkrankungen gegeben. 

Gibt es ein Mittel, mit dem man die Virusinfektion behandeln kann?

Adams Nein, nicht wie mit einem Antibiotikum bei einer Bakterieninfektion. Aber es gibt ein Mittel, dass in der chronischen Hepatitis-Therapie eingesetzt wird, und das die Vermehrung der Viren zumindest hemmt. Das könnte man etwa dem Klinikpersonal geben, falls dieses sich infiziert haben und erste Symptome zeigen sollte.

Was vermuten Sie, warum der Patient gestorben ist?

Adams Dazu kann ich gar nichts sagen. Es kann sein, dass er Vorerkrankungen hatte. Aber da muss man wirklich die Aussage der Kölner Kollegen abwarten. 

Das Gespräch führte Susanne Hamann.

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